Ein tierischer Trip in die Neon-Hölle
Kusan: City of Wolves kombiniert eine stilisierte Cyberpunk-Optik mit einer Spielweise, die stark an den Klassiker Hotline Miami erinnert. In den düsteren Straßenzügen begegnen Spieler einer anthropomorphen Tierwelt, die in einem kompromisslosen Konflikt gefangen ist.
Die Atmosphäre wirkt wie eine düstere, pelzige Version von Zukunftsvisionen, in denen Gewalt die einzige Währung bleibt. Wer hier überleben will, muss schnell reagieren.
Das Entwicklerstudio Circle From Dot ist ein südkoreanisches Indie-Team, das mit Kusan sein erstes kommerzielles Projekt auf dem PC-Markt platziert. Die Vision hinter dem Spiel entstand aus der Faszination für das „Hard-Boiled“-Genre der 80er und 90er Jahre, kombiniert mit der ästhetischen Dichte von Animes wie Ghost in the Shell.
Waffen, Taktik und bleihaltige Argumente
Das Gameplay fokussiert sich massiv auf den Einsatz von Schusswaffen und präzise Bewegungsabläufe. Jeder Raum stellt eine neue taktische Herausforderung dar, die kaum Fehler verzeiht.
- Schnelle Reflexe sind die Grundvoraussetzung, um gegen die aggressive KI zu bestehen.
- Der Waffenfokus erfordert ein ständiges Management der Munitionsvorräte.
- Die Bossfights bilden die spielerischen Höhepunkte und verlangen das volle Verständnis der Mechaniken.
Im Vergleich zu Hotline Miami setzt Kusan einen stärkeren Fokus auf Distanzwaffen, während der Nahkampf in Dennaton Games' Klassiker eine zentrale Rolle einnahm. Mechanisch orientiert sich das Spiel an Katana ZERO, übernimmt jedoch dessen Zeitlupen-Feature nur in abgewandelter Form. Das Arsenal umfasst primär Pistolen, Schrotflinten und Sturmgewehre, die sich durch spezifische Rückstoßmuster unterscheiden.
Der bittere Beigeschmack des Frusts
Trotz der dynamischen Action zeigt sich im Kurz-Test, dass Kusan: City of Wolves nicht frei von Schwächen ist. Der Schwierigkeitsgrad zieht phasenweise stark an, was bei vielen Spielern für Frust sorgen dürfte.
- Einige Passagen wirken durch ihre unfaire Gestaltung eher bestrafend als fordernd.
- Die Steuerung und das Treffer-Feedback fühlen sich in stressigen Momenten manchmal unpräzise an.
- Der hohe Anspruch führt dazu, dass Trial-and-Error-Momente den Spielfluss spürbar unterbrechen.
Die Frustmomente resultieren oft aus einer Kameraführung, die in engen Korridoren nur einen begrenzten Sichtradius bietet. Spieler müssen Gegner oft antizipieren, bevor diese im Bild erscheinen, was den Schwierigkeitsgrad künstlich in die Höhe treibt. Das Treffer-Feedback leidet zudem unter einer Kollisionsabfrage, die bei schnellen Bewegungen gelegentlich Schüsse registriert, die visuell knapp am Ziel vorbeigehen.
Branchenkontext und Einordnung
Kusan: City of Wolves reiht sich in eine wachsende Gruppe von Titeln ein, die das Top-Down-Shooter-Genre durch visuelle Nischen bedienen. Die Ästhetik anthropomorpher Tiere in düsteren Settings teilt sich das Spiel mit Blacksad oder Back to the Dawn, verfolgt jedoch einen deutlich aggressiveren Tonfall.
- Das Spiel nutzt die Unreal Engine, um die Lichteffekte der Neon-Reklamen präzise auf die Charaktermodelle zu projizieren.
- Publisher Smilegate unterstützt das Projekt im Rahmen ihres Programms zur Förderung koreanischer Independent-Entwickler.
- Im Gegensatz zu Titeln wie The Hong Kong Massacre, das auf eine ähnliche Kameraperspektive setzt, verzichtet Kusan auf ein komplexes Deckungssystem zugunsten eines hohen Spieltempos.
Die Lernkurve ist steil, da das Spiel keine klassischen Heilmechaniken während der Kämpfe vorsieht. Ein Treffer führt meist zum sofortigen Neustart des Abschnitts, was die Spielzeit künstlich streckt. Die Entwickler planten ursprünglich eine Version für Konsolen, priorisierten jedoch aufgrund der präzisen Maussteuerung den PC-Release über Steam.
Fazit aus der Cyber-Stadt
Das Spiel richtet sich an Genre-Fans, die eine Herausforderung suchen und sich an einer atmosphärischen Cyberpunk-Ästhetik erfreuen. Die Mischung aus tierischem Charakterdesign und brutaler Action sorgt für eine eigenwillige Optik.
Wer den Frustfaktor durch wiederholte Bildschirmtode ignoriert, findet ein forderndes Kampfsystem vor. Für Gelegenheitsspieler bietet das Werk jedoch eine steile Lernkurve, die den Einstieg in die Welt von Kusan erschwert. Aktuell verzeichnet das Spiel auf der Plattform Steam eine „Sehr positiv“-Bewertung, wobei die Mehrheit der Nutzer die technische Stabilität bei gleichzeitig hohem Schwierigkeitsgrad hervorhebt.