Technik ohne Headset-Zwang
Lenovo verbaut im neuen Legion 7a erstmals eine Audiotechnologie des schwedischen Unternehmens Audioscenic. Die Software erzeugt 3D-Klang direkt über die integrierten Lautsprecher, ohne dass Nutzer ein Headset tragen müssen.
Audioscenic wurde 2019 aus dem Centre for Audio and Acoustics der University of Southampton ausgegründet. Die Gründer, Professor Filippo Fazi und Marcos Simón, fokussieren sich auf "3D Audio Beamforming". Zuvor arbeiteten sie an Lösungen für die Automobilindustrie und professionelle Monitor-Lautsprecher, bevor sie den Massenmarkt der Unterhaltungselektronik anvisierten.
Das System nutzt eine integrierte Kamera, um die Position des Nutzers vor dem Display zu bestimmen. Die Software passt das Klangbild in Echtzeit an, um eine präzise räumliche Ortung zu simulieren.
Die Herausforderung der Hardware
Die Kombination aus KI-gestütztem Sound und physischer Hardware bringt ein technisches Problem mit sich. Gaming-Laptops erzeugen bei hoher Auslastung durch ihre Lüfter ein konstantes Rauschen.
- Lüftergeräusche überlagern feine Details des 3D-Sounds.
- Bei grafisch anspruchsvollen Titeln wie Cyberpunk 2077 laufen die Ventilatoren fast immer auf Hochtouren.
- Das akustische Erlebnis hängt von der Umgebungslautstärke ab.
Die Legion 7-Serie besteht seit 2020 und löste die Legion Y740-Reihe ab. Während frühere Modelle wie das Legion 7i (Gen 6) vor allem auf die Optimierung der Vapor Chamber-Kühlung setzten, verlagert sich der Fokus nun auf die Integration von Software-Frameworks für die Audiowiedergabe. Das thermische Design der Legion-Serie ist für eine TDP von über 175 Watt ausgelegt, was physikalisch bedingt hohe Umdrehungszahlen der Lüfter erzwingt.
Spezifikationen und Nutzung
Das Legion 7a zielt auf Spieler ab, die ihre Hardware nicht unter einem schweren Headset verstecken wollen. Die Software von Audioscenic arbeitet mit einem sogenannten "Sweet Spot", der sich mit dem Kopf des Spielers mitbewegt.
- Die Tracking-Kamera erkennt Kopfbewegungen präzise.
- Der Klang bietet eine räumliche Breite, die bisher nur mit externen Lautsprechersystemen möglich war.
- Nutzer positionieren das Gerät in einem Abstand von etwa 60 bis 80 Zentimetern.
Ähnliche Ansätze gab es bereits bei der Creative Sound Blaster-Serie oder bei Dell-Laptops mit Waves MaxxAudio. Im Gegensatz zu diesen rein softwarebasierten Filtern nutzt Audioscenic jedoch eine physische Ansteuerung der Lautsprecher-Arrays, um Schallwellen gezielt auf die Ohren des Nutzers zu bündeln. Diese Methode ähnelt der "Sound Beaming"-Technologie, die früher in Nixie-Lautsprechern Anwendung fand.
Historie und Branchenkontext
Der Markt für integrierte Laptop-Audio-Lösungen ist seit Jahren von Kooperationen mit Herstellern wie Dolby Atmos oder Harman Kardon geprägt. Lenovo nutzte in der Vergangenheit oft Nahimic-Software, um Soundprofile für Shooter wie Call of Duty oder Valorant anzupassen. Die Zusammenarbeit mit Audioscenic markiert den Versuch, die Abhängigkeit von externen Peripheriegeräten zu verringern.
Die Konkurrenz, insbesondere ASUS mit der ROG Strix-Serie oder Razer mit dem Blade 16, setzt bei der Audioausgabe weiterhin auf konventionelle Lautsprecher-Setups mit nach oben gerichteten Treibern. Bei einem Vergleichstest des Blade 16 zeigten sich die internen Lautsprecher zwar pegelfest, jedoch fehlte die räumliche Trennung bei komplexen Soundscapes. Die Integration von Audioscenic zielt direkt auf diese Lücke, indem sie die algorithmische Trennung der Kanäle vor die physische Platzierung der Treiber stellt.
Fazit zur Akustik
Ob das System bei maximaler Lüfterdrehzahl in einem schnellen Shooter wie Call of Duty überzeugt, bleibt abzuwarten. Die physikalische Grenze bleibt bestehen, da laute Hardware-Kühlung ein Gegenspieler für feine Audio-Algorithmen ist.
Der Erfolg hängt davon ab, ob die Algorithmen die Lüftergeräusche effektiv aus dem Klangprofil filtern können. Ohne diese Filterung bleibt das Headset für kompetitive Spieler die sicherere Wahl. Aktuelle Messungen zeigen, dass die Lüfter des Legion 7a unter Volllast zwischen 45 und 52 Dezibel erreichen.