Ein neues Handheld für die Cloud
Lenovo erweitert mit dem Legion C700 sein Portfolio um ein dediziertes Cloud-Gerät, das die Hardware-Philosophie der Marke in Richtung Streaming verschiebt. Dieser Schritt erfolgt nach dem Erfolg des Legion Go, welches auf eine vollwertige Windows 11-Umgebung und lokale Rechenleistung durch den AMD Ryzen Z1 Extreme-Chip setzt.
Die Legion-Sparte ist historisch gewachsen aus Lenovos Fokus auf High-End-Gaming-PCs und -Notebooks. Während das Legion Go den direkten Wettbewerb zum ASUS ROG Ally und zum Steam Deck suchte, markiert das C700 eine Abkehr von diesem Leistungs-Wettrennen.
Sorgen um den Markt
Der Markt für Cloud-Handhelds ist bereits durch Akteure wie Logitech mit dem G Cloud und Razer mit dem Edge besetzt. Das Logitech G Cloud startete zum Verkaufsstart mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 359,99 Euro, was in der Community aufgrund der rein auf Streaming ausgelegten Hardware auf Widerstand stieß.
- Die Hardware-Preise für lokale Handhelds bewegen sich oft zwischen 600 und 800 Euro.
- Cloud-Geräte versuchen, diese Einstiegshürde durch den Verzicht auf leistungsstarke GPUs und CPUs unter 300 Euro zu drücken.
- Eine Marktschwemme droht, da Hersteller versuchen, die Produktionskosten für komplexe Hardware zu umgehen.
Die aktuelle Strategie ähnelt dem gescheiterten Versuch von Google mit Stadia, das zwar eine Infrastruktur bot, aber mangels lokaler Hardware-Bindung keine langfristige Nutzerbasis aufbauen konnte. Lenovo versucht nun, Hardware zu verkaufen, die ohne eine dauerhafte 5G- oder WLAN-Verbindung lediglich als Display fungiert.
Kritik am Konzept des C700
Das Legion C700 setzt auf proprietäre Software-Integrationen für Dienste wie Xbox Cloud Gaming oder NVIDIA GeForce Now. Nutzer, die ihre Spiele lokal installieren wollen, stoßen bei dieser Gerätekategorie an die Grenzen des Speichers oder der Architektur.
- Die Abhängigkeit von externen Rechenzentren führt bei hoher Netzwerkauslastung zu Latenzproblemen.
- Reine Streaming-Handhelds verfügen über schwache Prozessoren, die bei einer Deaktivierung der Cloud-Dienste unbrauchbar werden.
- Die Fertigungskosten für ein Gehäuse mit Display und Controller-Einheit sind trotz der fehlenden internen GPU signifikant.
Im Vergleich dazu setzt das Steam Deck auf eine Linux-basierte SteamOS-Architektur, die eine Offline-Nutzung der Bibliothek erlaubt. Das Legion C700 verzichtet auf diese Autonomie und schränkt den Anwender auf die Verfügbarkeit der Server ein.
Der Blick auf die Konkurrenz
Das ASUS ROG Ally X dient als aktueller Maßstab für lokale Leistung, da es mit 24 GB RAM und einem 80-Wh-Akku die Grenzen des technisch Machbaren verschiebt. Das Legion C700 hingegen zielt auf eine Zielgruppe, die bereits ein Xbox Game Pass Ultimate-Abo besitzt und Hardware für den mobilen Konsum dieser Inhalte sucht.
Die Historie von Lenovo im mobilen Bereich zeigt eine hohe Fertigungsqualität bei Eingabegeräten, wie die abnehmbaren Controller des Legion Go bewiesen. Dennoch bleibt die Frage, ob der Nutzer bereit ist, für ein reines Streaming-Gerät einen Preis zu zahlen, der in die Nähe eines gebrauchten Steam Deck LCD rücken könnte.
Die Konkurrenz durch Smartphones mit dedizierten Controller-Aufsätzen wie dem Backbone One ist für das C700 eine zusätzliche Herausforderung. Viele Anwender nutzen bereits vorhandene Hardware, die in Sachen Displayqualität und Konnektivität mit dedizierten Handhelds gleichzieht. Das C700 muss beweisen, dass die ergonomische Integration eines dedizierten Handhelds den Aufpreis gegenüber einer Smartphone-Lösung rechtfertigt.