Der nächste Rückschlag für Bungie
Joseph Ziegler, Game Director von Marathon, hat seinen Posten bei Bungie geräumt. Das bestätigt ein Bericht von Eurogamer.
Damit verliert das Studio den dritten Spitzenentwickler innerhalb weniger Monate. Zieglers Abgang trifft ein Projekt, das als Bungies große Rückkehr zu kompetitiven PvP-Shootern gilt.
Ziegler war erst zwei Jahre bei Bungie. Zuvor arbeitete er neun Jahre bei Riot Games, wo er als Executive Producer für Valorant (2020) tätig war. Er ersetzte im Mai 2023 den ursprünglichen Marathon-Director Chris Barrett, der Bungie im selben Monat verließ. Bungie wurde 1991 in Chicago gegründet und machte sich mit der Marathon-Trilogie (1994–1996) einen Namen als Pionier des Ego-Shooters. Nach der Übernahme durch Microsoft entwickelte das Studio Halo: Combat Evolved (2001), das die Konsolen-Shooter-Definition prägte. 2014 erschien Destiny, ein Hybrid aus MMO und Shooter, der bis heute über 30 Millionen registrierte Spieler erreichte. Marathon (2025) ist die Wiederbelebung einer 30 Jahre alten Marke.
Was bereits geschah
- Marathon wurde im Mai 2023 als PvPvE-Extraktionsshooter angekündigt.
- Das Spiel soll an Bungies Klassiker aus den 90ern anknüpfen, aber mit moderner, persistent-geprägter Spielwelt.
- Ziegler kam 2023 von Riot Games zu Bungie, um die kreative Leitung zu übernehmen.
- Mit seinem Abgang stellt sich die Frage, wer das Projekt nun steuert.
Das ursprüngliche Marathon (1994) war einer der ersten Ego-Shooter mit Maussteuerung, einer zusammenhängenden Story und Mehrspieler-Modi. Die Trilogie verkaufte sich auf dem Mac über 500.000 Mal, damals ein respektabler Wert. Der neue Marathon ist ein Extraktions-Shooter, ein Genre, das durch Escape from Tarkov (2017) bekannt wurde. Bungie setzt auf eine persistent offene Welt, in der Teams um Ressourcen kämpfen und entkommen müssen. Der ursprüngliche Marathon erschien exklusiv für Apple Macintosh und verkaufte sich im ersten Jahr rund 200.000 Mal.
Personalrochade bei Bungie
Die Unruhe im Studio ist kein neues Phänomen. Bereits im Oktober 2024 musste Bungie rund 220 Mitarbeiter entlassen. Kurz darauf folgte die lang angekündigte Abspaltung von Sony, die Bungie als eigenständiges Tochterunternehmen eingliederte.
- Michael Salvatori, langjähriger Komponist, verließ das Studio im November.
- Luke Smith, Ex-Game Director von Destiny 2, ist seit Anfang 2025 nicht mehr in seiner alten Rolle aktiv.
- Nun fehlt mit Ziegler auch der Kopf des Marathon-Teams.
Die Entlassungen im Oktober 2024 betrafen rund 17 Prozent der Belegschaft, insgesamt 220 von 1.300 Mitarbeitern. Hintergrund war die Konsolidierung nach der Übernahme durch Sony im Juli 2022 für 3,6 Milliarden Dollar. Sony gliederte Bungie später als eigenständige Tochter aus, um kreative Autonomie zu wahren. Dennoch verließen in den letzten Monaten mehrere Führungskräfte das Studio, darunter Chief Creative Officer Tom Farnsworth (November 2024). Luke Smith, der Destiny 2 von 2017 bis 2023 leitete, arbeitet nun an einem unangekündigten Projekt außerhalb Bungies.
Was das für Marathon bedeutet
Bungie hat sich zu Zieglers Abgang noch nicht offiziell geäußert. Das Spiel selbst ist weiterhin in Entwicklung, ein Release-Termin steht aus.
Ohne Game Director drohen Verzögerungen oder eine inhaltliche Verschiebung. Gerade bei einem Projekt, das Bungies Zukunft nach Destiny sichern soll, wiegt dieser Verlust schwer. Ob das Studio intern umplant oder einen externen Neuzugang präsentiert, bleibt abzuwarten.
Marathon tritt in einen Markt, der von Escape from Tarkov (rund 20 Millionen registrierte Accounts) und Hunt: Showdown (ca. 6 Millionen) dominiert wird. Call of Duty: DMZ (2022) zog zwar viele Spieler an, wurde aber 2023 eingestellt. Bungies Stärke liegt in der Gunplay-Präzision aus Destiny und Halo, ob das für ein Extraktions-Spiel reicht, ist offen. Ziegler selbst brachte Erfahrung mit kompetitiven Shootern mit, nachdem er bei Riot Games den Start von Valorant verantwortete. Der ursprüngliche Marathon-Director Chris Barrett arbeitete zuvor an Destiny 2 und verließ Bungie nach zehn Jahren im Mai 2023.
Studio-Historie: Vom Mac-Kult zum Sony-Studio
Bungies Geschichte ist geprägt von Neuanfängen. Nach dem Erfolg der Marathon-Trilogie (1994–1996) entwickelte das Studio Myth (1997), ein Echtzeit-Strategiespiel. Der Durchbruch kam mit Halo (2001), das sich über 80 Millionen Mal verkaufte. Nach der Trennung von Microsoft 2007 entstand Destiny (2014), das in der ersten Woche 500 Millionen Dollar Umsatz erzielte. Die Übernahme durch Sony 2022 gab Bungie finanzielle Sicherheit, aber auch Druck, neue Umsatzquellen zu erschließen. Marathon ist das erste neue Franchise seit Destiny. Intern wird das Projekt als Eckpfeiler für die nächste Dekade betrachtet, vergleichbar mit der Rolle, die Destiny ab 2014 für das Studio spielte.
Branchenkontext: Extraktions-Shooter im Jahr 2025
Der Extraktions-Shooter ist kein Massenmarkt. Escape from Tarkov erreichte 2021 kurzzeitig 200.000 gleichzeitige Spieler auf Steam, aber die meisten Titel bleiben Nischenprodukte. Hunt: Showdown verkaufte sich bis 2023 rund 6 Millionen Mal. Bungie hat mit Marathon einen schweren Stand: Das Genre verlangt hohe Risikobereitschaft von Spielern (Item-Verlust bei Tod) und kontinuierliche Updates. Konkurrenten wie The Division Heartland wurden eingestellt, Marauders (2022) hat weniger als 10.000 gleichzeitige Spieler. Ohne einen Game Director, der die Vision scharf stellt, könnte Marathon in der Entwicklung stecken bleiben.