Ego als Erfolgsbremse
Cliff Bleszinski, der mit Unreal Tournament und Gears of War Maßstäbe setzte, hat jetzt offen über das Scheitern seines Hero-Shooters LawBreakers gesprochen. In einem Interview erklärte er, dass sein eigenes Ego eine zentrale Rolle spielte: „I wanted it to be my show, and that was the first step of my ego creeping in right there.“
Der Wunsch, das Projekt als reines persönliches Statement zu inszenieren, anstatt das Spiel selbst in den Vordergrund zu stellen, sei der Anfang vom Ende gewesen. Bleszinski erkennt heute, dass er den Fokus falsch gesetzt hatte.
Hintergrund: Boss Key Productions
Bleszinski verließ Epic Games 2012 nach 20 Jahren, in denen er als Lead Designer an Gears of War (2006, über 5 Millionen Verkäufe) und Unreal Tournament 2004 (über 2 Millionen Verkäufe) gearbeitet hatte. 2014 gründete er in Raleigh, North Carolina, Boss Key Productions. Das Team rekrutierte Veteranen von Epic, Bungie und Irrational Games.
Das Studio veröffentlichte nur zwei Titel: LawBreakers im August 2017 (über Publisher Nexon) und das Battle-Royale Radical Heights im April 2018. Beide scheiterten kommerziell. Boss Key schloss am 14. Mai 2018, genau vier Jahre nach der Gründung.
Die Lektion über Loyalität
Bleszinski zieht eine klare Grenze zwischen Fan-Loyalität und persönlichem Ruhm. Seine Erkenntnis ist bitter, aber wertvoll für die gesamte Branche.
- „People are loyal to the game, but they're not necessarily loyal to the person“
- Spieler binden sich an Mechaniken, Atmosphäre und Marke, nicht an den Namen des Machers.
- Ein Satz, der vielen Entwicklern zu denken geben sollte.
LawBreakers im Marktumfeld 2017
Der Hero-Shooter-Markt wurde 2016 von Overwatch (Blizzard) dominiert. Das Spiel erreichte 30 Millionen Spieler im ersten Jahr. LawBreakers startete im August 2017, mit positiven Kritiken (Metacritic 78) und einem Alleinstellungsmerkmal: vertikale Schwerkraft-Kämpfe.
Doch die Spielerzahlen blieben minimal. Auf Steam lag der Höchststand bei 7.200 gleichzeitigen Nutzern. Bereits nach einem Monat fiel die Zahl unter 1.000. Zum Vergleich: Overwatch hatte bei Release 10 Millionen Spieler. Laut Schätzungen verkaufte LawBreakers weniger als 100.000 Einheiten. Nexon zog die Unterstützung im September 2018 zurück.
Was bedeutet das für die Zukunft?
- Entwickler sollten das Spiel, nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen.
- Fan-Loyalität gilt dem Produkt, nicht der Person dahinter.
- Bleszinski hat diese Lektion auf die harte Tour gelernt.
Keine konkreten Pläne für ein neues Spiel. Doch die Ehrlichkeit seiner Aussage ist selten in einer Industrie, die Misserfolge oft mit externen Faktoren erklärt. Vielleicht hilft dieser Perspektivwechsel anderen Teams, ähnliche Fehler zu vermeiden.
Das Ende eines Studios
Nach LawBreakers versuchte Boss Key mit Radical Heights einen Battle-Royale-Trend zu reiten. Das Early-Access-Spiel war unfertig, erhielt unter 50% positive Steam-Wertungen und erreichte nie mehr als 400 gleichzeitige Spieler.
Bleszinski schrieb im Schließungs-Blogpost: „Wir haben alles gegeben, der Markt hat es nicht belohnt.“ Seit 2018 arbeitet er nicht mehr in der Spielebranche, sondern als Künstler und Autor eines Memoirs. LawBreakers bleibt ein Lehrstück darüber, dass ein großer Name allein keine Spielerbasis garantiert, und dass ein einzelner Ego-Fehler ein ganzes Studio zerstören kann.