Frieden statt Fehde: Howard räumt mit Mythen auf
Todd Howard stellte in einem Interview mit Windows Central klar: „Ich schätze das Gerede der Fans, aber hinter den Kulissen herrscht ein großer gegenseitiger Respekt.“ Die Online-Diskussionen über angebliche Spannungen zwischen Bethesda Game Studios und Obsidian spiegeln nach Howards Worten nicht die Realität wider.
Die Gerüchte speisen sich aus der gemeinsamen Herkunft beider Studios. Obsidian wurde 2003 von ehemaligen Mitarbeitern des legendären Black Isle Studios gegründet, das die ersten beiden Fallout-Teile (1997, 1998) entwickelte. Bethesda kaufte die Rechte an der Serie 2007 und ließ Obsidian 2010 Fallout: New Vegas entwickeln, ein Erbe, das bis heute nachwirkt.
Die Wahrheit über Fallout: New Vegas
Obsidian entwickelte 2010 mit Fallout: New Vegas einen der beliebtesten Teile der Serie. Im Netz hielt sich das Märchen, Howard sei über den Erfolg verärgert gewesen. Howard lobte Obsidians Arbeit wiederholt, unter anderem 2018 im Guardian: „Sie haben einen fantastischen Job gemacht.“ Im neuen Interview erklärt er, Bethesda habe „immer“ nach einem Weg gesucht, wieder mit Obsidian zusammenzuarbeiten.
Die angebliche Rivalität erhielt 2011 neue Nahrung durch die Metacritic-Bonuszahlung: New Vegas erreichte 84 Punkte, ein Punkt unter der Schwelle von 85, die Obsidian für eine Bonuszahlung benötigt hätte. Obwohl Bethesda die Bonuszahlung vertraglich korrekt verweigerte und es nie Belege für Manipulation gab, blieb der Vorwurf im Fan-Gedächtnis haften.
Endlich offiziell: Neues Fallout-Spiel von Obsidian
Diese Zusammenarbeit ist nun Realität: Obsidian entwickelt ein neues Fallout-Spiel. Details sind noch nicht bekannt, doch Howard zeigt sich begeistert: „Man fragt sich: Gibt es eine Möglichkeit, ein Fenster, in dem wir etwas gemeinsam machen, das wirklich Sinn ergibt? Wir sind super aufgeregt über die Gelegenheit, zusammenzuarbeiten.“
Es ist das erste Mal seit 2010, dass Obsidian wieder Hand an die Serie legt. In der Zwischenzeit entwickelte das Studio The Outer Worlds (2019), einen spirituellen Nachfolger von New Vegas, sowie Grounded (2022) und das narrative Adventure Pentiment (2022). Parallel arbeitet Obsidian an Avowed, einem Fantasy-RPG im Eora-Universum, das noch für 2025 erwartet wird.
Die Wurzeln der angeblichen Rivalität
Die Fan-Erzählung einer Fehde hat noch eine zweite Quelle: den Tonfall der damaligen Berichterstattung. Als Fallout 3 (2008) und New Vegas (2010) erschienen, verglichen Magazine und Foren die beiden Titel direkt, Fallout 3 verkaufte sich rund 12 Millionen Mal, New Vegas knapp 5 Millionen. Dennoch galt Obsidians RPG vielen als das rollenspielerisch tiefere Werk.
Branchenintern war die Konstellation ungewöhnlich: Ein externes Studio übernahm das Franchise eines Publishers, während der Publisher selbst parallel die nächste Hauptserie entwickelte. Bethesda veröffentlichte Fallout 4 2015 auf eigener Engine, Obsidian blieb außen vor. Unter dem Dach von Microsoft, das Bethesda 2021 für 7,5 Milliarden Dollar und Obsidian bereits 2018 übernahm, ist eine solche Kooperation nun ohne Hindernisse möglich.
Schattenseite: Entlassungen bei Obsidian
Nicht alles eitel Sonnenschein: Obsidian war von den jüngsten Microsoft-Kündigungen stark betroffen. Rund 25 % der Belegschaft wurden entlassen, ein harter Schlag für das Studio, das jetzt am neuen Fallout-Titel arbeitet. Die Entlassungen im Mai 2024 trafen rund 86 Mitarbeiter bei Obsidian, nachdem Microsoft zuvor bereits 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox gestrichen hatte.
Obsidian hatte erst im Jahr zuvor mit Pentiment einen Kritikererfolg gefeiert und galt intern als gut aufgestellt. Die Kürzungen sind Teil eines konzernweiten Sparkurses, der seit 2023 über 8.000 Stellen im Microsoft-Gaming-Bereich kostete.
Weitere Fallout-Highlights aus dem Hause Bethesda
- Fallout 5 befindet sich in der Vorproduktion.
- Remaster von Fallout 3 und Fallout: New Vegas wurden angekündigt.
- Ein Prequel zu Fallout 3 kommt zu Fallout 76.
Die Remaster wurden im Juni 2024 durch einen NVIDIA-Datensatz-Leak bestätigt, ein Veröffentlichungsdatum steht noch aus. Die TV-Serie Fallout auf Amazon Prime befeuerte 2024 einen erneuten Popularitätsschub: Fallout 4 übersprang die Marke von 20 Millionen verkauften Einheiten, Fallout 76 erreichte über 15 Millionen registrierte Spieler, trotz eines katastrophalen Starts 2018 hat sich das Online-Spiel gefangen.