Die Rückkehr der 32-Bit-Ära
MemoryCore portiert die Ästhetik und die Spielmechaniken der ersten PlayStation-Generation in ein analoges Format. Entwickelt wurde das System von dem Indie-Label PixelForge Tabletop, einem Ableger des Grafikstudios RetroVerse Designs, welches bisher durch die Gestaltung von Interface-Assets für bekannte Indie-Horrorspiele bekannt wurde.
Die Gründer von PixelForge Tabletop, eine Gruppe von drei ehemaligen Spieleentwicklern aus Berlin, begannen das Projekt als Nebenprodukt ihrer Arbeit an einem PS1-Style-Asset-Pack für die Unity Engine. Nach der Veröffentlichung des Asset-Packs auf Itch.io im Jahr 2022 wuchs die Nachfrage nach einem passenden Regelwerk für physische Spielabende.
Sechs Welten im Fokus
Die Anthologie umfasst sechs spezifische Module, deren Spielmechaniken direkt aus der PS1-Ära abgeleitet wurden. Jedes Modul nutzt eigene Würfeltabellen, um die spezifischen Einschränkungen der Hardware-Vorbilder zu emulieren.
Folgende Klassiker dienten als Inspiration:
- Resident Evil: Ressourcenmanagement unter Zeitdruck durch ein begrenztes Inventarsystem.
- Tekken: Ein taktisches System für Schlagfolgen, das auf Trefferzonen basiert.
- Metal Gear Solid: Fokus auf Sichtkegel von Wachen und Schleichmechaniken.
- Silent Hill: Psychologische Stresswerte, die das Würfelergebnis bei Panik verändern.
- Gran Turismo: Ein System für die Verwaltung von Fahrzeug-Upgrades und Rennstatistiken.
- Final Fantasy VII: Ein rundenbasiertes Magie- und Beschwörungssystem.
Mechaniken und Spielweise
Das MemoryCore-System basiert auf einem W6-Pool, bei dem die Anzahl der Würfel durch den jeweiligen Charakterwert bestimmt wird. Das Regelwerk verzichtet auf komplexe mathematische Formeln und nutzt stattdessen feste Zielwerte, die an das Menü-Design von 1996 erinnern.
Die visuelle Gestaltung des 120-seitigen Handbuchs imitiert den Look der PAL-Spieleverpackungen und nutzt die Farbpaletten von Dithering-Effekten typischer 32-Bit-Grafik. Die Charakterbögen sind grafisch so entworfen, dass sie die typischen Low-Poly-Menümasken der Ära widerspiegeln.
Branchenkontext und Vergleich
MemoryCore siedelt sich in einer Nische an, die zuletzt durch Projekte wie MÖRK BORG oder Liminal Horror populär wurde. Während diese Systeme auf düstere Ästhetik setzen, reduziert MemoryCore die Spielerfahrung gezielt auf die technischen Limitierungen der 90er Jahre.
Im Vergleich zum Old School Essentials (OSE) System, das sich an den D&D-Regeln von 1981 orientiert, fokussiert sich MemoryCore nicht auf die Simulation von Fantasy-Abenteuern. Der Ansatz ist rein technokratisch und zielt darauf ab, die Frustration und die Herausforderungen der damaligen Hardware-Hardware-Limitierungen spielerisch zu imitieren.
Verfügbarkeit und Format
Das Regelwerk ist seit dieser Woche auf Itch.io und DriveThruRPG verfügbar. Die digitale Distribution umfasst neben dem Handbuch auch druckbare PDF-Charakterbögen, die in einem 300-DPI-Format vorliegen, um den Druck auf einem herkömmlichen Laserdrucker zu ermöglichen.
- Die erste Auflage ist ausschließlich digital erhältlich, um die Produktionskosten für ein physisches Hardcover-Buch zu evaluieren.
- Zusätzliche Szenarien befinden sich in der Entwicklung und sollen als "Erweiterungs-Discs" im digitalen Format erscheinen.
- Der Preis für das Basismodul liegt bei 12 Euro, was sich an den typischen Preisen für Indie-Tabletop-Regelwerke orientiert.
Das aktuelle Handbuch enthält ein Vorwort, das die technischen Hürden der PlayStation-Entwicklung in den 90er Jahren erläutert und diese als Design-Philosophie für das Rollenspiel definiert. Die Autoren planen für das vierte Quartal 2024 eine physische Auflage, sofern die digitalen Verkaufszahlen eine Mindestgrenze von 500 Einheiten erreichen.