TITEL: Micron sichert hohe RAM-Preise: Fünf Jahre teurer Speicher für Gamer?
BESCHREIBUNG: Micron schließt mit 16 Kunden langfristige Abkommen und zementiert hohe RAM-Kosten bis 2031, während eine Preisabsprache-Klage läuft.
Teure Erinnerungen für die nächste Konsolengeneration
Während Gamer noch über die Preise von DDR5 und GDDR7 fluchen, hat Speicherriese Micron die Axt an die Geldbeutel der Community gelegt. Der Hersteller hat mit 16 Geschäftspartnern neue Fertigungsverträge unterschrieben, die hohe RAM-Kosten für weitere fünf Jahre garantieren. Die Nachricht kommt just in dem Moment, in dem sich Micron vor Gericht wegen mutmaßlicher Preisabsprachen verantworten muss.
- 16 Kunden haben langfristige Liefervereinbarungen getroffen
- Die Verträge sichern hohe Preise bis mindestens 2031
- Parallel läuft eine Klage wegen RAM-Preisabsprachen
Was das für PC-Spieler bedeutet
Wer seinen Rechner aufrüsten oder einen neuen Gaming-PC zusammenstellen will, darf sich auf keine Entspannung bei den Speicherpreisen einstellen. DDR5-Riegel sind aktuell schon kein Schnäppchen, und Microns Abkommen mit den Abnehmern verhindert, dass der Markt kurzfristig in eine Preisrutsch-Phase geht. Gerade Retro-Gamer, die alte Systeme wie DOS-Boxen oder Windows-98-Maschinen am Leben halten, treffen die hohen Preise für ältere RAM-Standards besonders hart, da diese oft nur noch in kleinen Chargen gefertigt werden.
Die Ironie der Klage
Micron steht im Fokus eines Rechtsstreits, der genau solche Praktiken untersucht: künstlich hohe Preise durch Absprachen zwischen Herstellern. Dass das Unternehmen nun mit 16 seiner Kunden langfristige Verträge schließt, die genau diese hohen Preise festschreiben, dürfte die Staatsanwälte kaum freuen. Ob die Klage Erfolg hat oder nicht, für den Geldbeutel der Spieler ist es einerlei. Die Verträge laufen, und Micron kassiert.
Microns Weg zum DRAM-Dominator
Micron wurde 1978 in Boise, Idaho, gegründet und brachte 1981 den ersten 64K-DRAM-Chip auf den Markt. In den 1990er Jahren übernahm das Unternehmen die DRAM-Sparte von Texas Instruments und die Speicherdivision von Toshiba, was den Grundstein für 15 Fertigungsstätten weltweit legte. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Micron einen Umsatz von 27 Milliarden Dollar, getrieben von GDDR6 für Grafikkarten und DDR5 für Mainboards.
Historische Preise und Zyklen des RAM-Marktes
RAM-Preise schwanken seit den 1980er Jahren in Wellen: Überkapazitäten drücken die Kosten, dann folgen Produktionskürzungen und Preissteigerungen. 2018 kostete 1 GB DDR4 unter 2 Dollar, 2022 stieg der Preis auf über 4 Dollar; aktuelle DDR5-Riegel liegen bei 5 bis 6 Dollar pro Gigabyte. Microns Verträge mit 16 Kunden frieren diese hohen Preise faktisch fünf Jahre ein und unterbrechen den natürlichen Zyklus, bei dem neue Fertigungsverfahren normalerweise zu günstigeren Chips führen.
Die Klage im Kontext der Branche
Die Sammelklage gegen Micron, Samsung und SK Hynix beruht auf Ermittlungen des US-Justizministeriums, die geheime Treffen in Taipei zur Abstimmung von Produktionsmengen aufdeckten. In der EU verhängte die Kommission 2022 eine Geldstrafe von 100 Millionen Euro gegen Micron wegen Preisabsprachen bei DRAM; Samsung zahlte 200 Millionen, SK Hynix 150 Millionen. Die neuen Fünfjahresverträge könnten als Fortsetzung dieser Praxis gesehen werden, Micron spricht von normalen Liefervereinbarungen zur Versorgungssicherung.
Auswirkungen auf Konsolen und Retro-Systeme
Sony und Microsoft sichern sich über die Verträge GDDR-Speicher für PS5 Pro und die nächste Xbox-Generation, was die Kosten für Endkunden indirekt erhöht. Retro-Gamer, die DOS- und Windows-98-Systeme betreiben, sind auf SDRAM und EDO-RAM angewiesen, ein 64-MB-SIMM-Riegel für einen Pentium-PC kostet auf dem Gebrauchtmarkt oft das Zehnfache moderner RAMs pro Gigabyte. Micron bedient mit den Abkommen auch Industriekunden, die genau diese alten Speichertypen nachfragen, etwa für Maschinensteuerungen, und verknappt das Angebot zusätzlich.