Schock für Marvel-Fans: Blade wackelt
Einem Bericht von The Verge zufolge erwägt Microsoft, das mit Spannung erwartete Marvel’s Blade zu canceln. Das Spiel sollte ursprünglich 2026 erscheinen, wurde aber auf Ende 2027 verschoben, und soll deutlich über Budget liegen.
Bereits im Juni 2026 hieß es offiziell, Blade sei nicht gecancelt, obwohl es bei der Xbox Games Showcase fehlte. Seit der Ankündigung 2023 wurde nie Gameplay-Material gezeigt.
Das Projekt ist der erste Blade-Titel seit knapp 20 Jahren. Das letzte Spiel mit dem Vampirjäger erschien 2005 für Mobilgeräte; davor gab es 2000 einen PS1-Titel von Activision, der mäßige Kritiken erhielt. Marvel hatte Blade 2023 auf den Game Awards als große Enthüllung für Xbox präsentiert, doch seitdem blieb das Spiel unsichtbar. Laut Brancheninsidern liegt das Budget inzwischen bei über 250 Millionen US-Dollar, weit mehr als die ursprünglich geplanten 150 Millionen. Ein Grund: Arkane Lyon wechselte erst 2024 auf die Unreal Engine 5, was zu massiven Verzögerungen führte.
Arkane Lyon in Gefahr
Laut dem Report plant Microsoft, mindestens fünf Studios zu schließen, darunter Arkane Lyon, das französische Team hinter Blade. Bereits im Mai 2024 wurde das US-Pendant in Austin (Macher des gefloppten Redfall) dichtgemacht.
- Microsoft prüft auch einen Verkauf von Arkane, jedoch ohne konkrete Interessenten.
- Weitere Studios wie Compulsion Games, Double Fine, Ninja Theory und Undead Labs sollen ebenfalls auf dem Prüfstand stehen.
- Werden Käufer gefunden, könnten die Studios überleben, die Gespräche ziehen sich laut Quellen aber über Monate.
Arkane Lyon wurde 1999 gegründet und ist bekannt für hochwertige, narrative First-Person-Spiele. Das Studio lieferte Dishonored (2012), Dishonored 2 (2016) und Deathloop (2021), alle erhielten über 80 Punkte auf Metacritic. Prey (2017) aus dem Austin-Studio gilt als Kulttitel, verkaufte sich aber nur 2 Millionen Mal. Lyon beschäftigt rund 200 Mitarbeiter; der Standort war bisher profitabel. Redfall, das letzte Spiel von Arkane Austin, floppte mit 57 Metacritic-Punkten und weniger als 1 Million Verkäufen, eine der Hauptursachen für die Schließung. Microsoft zahlte 2021 für Bethesda 7,5 Milliarden Dollar; die Studio-Schließungen sind Teil der Konsolidierung.
Entlassungen ab 6. Juli
Die Welle trifft nicht nur Entwicklerteams. Ab dem 6. Juli 2026 sollen umfangreiche Entlassungen in weiten Teilen von Xbox beginnen. Unbestätigte Gerüchte sprechen von bis zu 1.000 betroffenen Stellen. Allein die Schließung der fünf Studios würde mindestens 500 Mitarbeiter treffen.
Die Branche durchlebt eine der heftigsten Entlassungswellen der Geschichte. Allein bei Microsoft wurden schon 2024 rund 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox gestrichen, im Rahmen der Übernahme für 69 Milliarden Dollar. 2023 entließ die Tech-Branche weltweit über 260.000 Menschen, Sony, EA und Embracer folgten mit ähnlichen Kürzungen. Sollten die fünf Studios tatsächlich geschlossen werden, wäre es die größte einzelne Schließungsaktion von Xbox seit der Bethesda-Integration. Compulsion Games etwa arbeitet am Action-Titel South of Midnight, Double Fine an mehreren Projekten, deren Zukunft wäre ungewiss.
Microsofts „Reset“-Kurs
Xbox-Chefin Asha Sharma will mit der Aktion das Geschäft „neu aufstellen“ und zum „Nr. 1 Gaming- und Entertainment-Unternehmen“ machen. Für die betroffenen Teams bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit.
Microsoft hat in den letzten Jahren eine Reihe von Studio-Schließungen durchgeführt: Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) wurde im Mai 2024 geschlossen, aber später von Krafton übernommen. Alpha Dog Games und Roundhouse Studios ereilte dasselbe Schicksal. Die 2022 von Sharma vorangetriebene Strategie setzt auf „Franchises mit bewährtem Erfolg“, also Halo, Forza, Gears of War, zulasten experimenteller Titel. Blade passte nach dem Flop von Redfall nicht mehr in dieses Raster. Microsofts Spieleumsatz stieg 2025 um 12 Prozent, doch die Kostenexplosion bei AAA-Entwicklungen (durchschnittlich 200 Millionen Dollar pro Blockbuster) zwingt zu radikalen Einschnitten.