Ein teures Nachspiel für Redmond
Microsoft zahlt 250 Millionen Dollar an einen schwedischen Pensionsfonds, um eine Klage zur Übernahme von Activision Blizzard beizulegen. Die Kläger sahen den Verkaufspreis von 95 Dollar pro Aktie als unangemessen niedrig an.
Dieser Vergleich beendet den Rechtsstreit, der sich gegen das Board von Activision Blizzard und indirekt gegen Microsoft richtete. Die Kläger stützten sich auf die Behauptung, dass der tatsächliche Wert der IP-Bibliothek bei Abschluss der Verhandlungen im Januar 2022 nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Die Details der Einigung
Die Einigung sieht eine direkte Auszahlung an die ehemaligen Anteilseigner vor, die zum Zeitpunkt der Übernahme Aktien hielten. Der Vergleich dient dazu, langwierige Verfahren vor US-Gerichten zu vermeiden.
- Microsoft übernimmt die Zahlung, um Rechtsunsicherheiten für das integrierte Unternehmen zu beseitigen.
- Mit der Zahlung erkennt das Unternehmen keine Haftung für die Bewertungsmethodik bei der Übernahme an.
- Die Summe fließt in einen Fonds zur Entschädigung der Klägerseite.
Hintergrund zur Studio-Historie und den Franchises
Die Transaktion brachte Microsoft eines der wertvollsten Portfolios der Branche ein. Activision Blizzard entstand 2008 aus der Fusion von Activision und Vivendi Games, zu welcher damals auch Blizzard Entertainment gehörte.
- Blizzard Entertainment prägte mit World of Warcraft seit 2004 das Genre der MMORPGs und erwirtschaftete über die Jahre Milliardenumsätze durch monatliche Abogebühren.
- Activision hält mit der Call of Duty-Reihe das derzeit umsatzstärkste Franchise im Shooter-Segment. Seit dem ersten Teil im Jahr 2003 veröffentlichte das Studio jährlich neue Ableger, die regelmäßig die Spitzen der US-Verkaufscharts belegen.
- King, ebenfalls Teil der Fusion, liefert mit Candy Crush Saga einen stetigen Cashflow durch In-Game-Käufe, der die Bilanz des Gesamtkonzerns massiv stabilisiert.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Microsoft reiht sich mit dem Volumen von 68,7 Milliarden Dollar in eine Serie von Konsolidierungen ein. Zum Vergleich: Die Übernahme von ZeniMax Media (Bethesda) kostete Microsoft 2021 lediglich 7,5 Milliarden Dollar.
- Take-Two Interactive zahlte im Jahr 2022 für den Mobile-Spezialisten Zynga etwa 12,7 Milliarden Dollar.
- Electronic Arts erwarb Respawn Entertainment (Titanfall, Apex Legends) im Jahr 2017 für rund 455 Millionen Dollar.
- Die Bewertung von Activision Blizzard basierte auf dem Kurs von vor der Bekanntgabe des Deals, was Analysten als historisch günstig für einen Käufer mit diesem Kapitalstock einstuften.
Derartige Fusionen dienen oft der Sicherung von exklusiven Inhalten für Abo-Modelle wie den Xbox Game Pass. Die Integration der Activision Blizzard-Titel soll die Attraktivität dieses Dienstes gegenüber dem PlayStation Plus-Angebot von Sony steigern.
Auswirkungen auf den Aktienmarkt
Die Klage des schwedischen Pensionsfonds beruhte auf der Annahme, dass die Führung von Activision Blizzard unter Bobby Kotick den Preis gedrückt habe, um den Deal schnell abzuschließen. Die Aktionäre mussten während der regulatorischen Prüfung durch Behörden wie die FTC in den USA und die CMA in Großbritannien erhebliche Kursschwankungen hinnehmen.
Anleger bewerten die Einigung nun als finalen Punkt hinter dem Übernahmeprozess. Die Integration in das Xbox-Ökosystem läuft bereits, wobei die ersten Titel aus den erworbenen Studios, wie etwa Diablo IV, in den Abo-Katalog aufgenommen wurden.
Der Aktienkurs von Microsoft reagierte nach der Meldung kaum, da die Summe von 250 Millionen Dollar im Verhältnis zum Jahresgewinn des Konzerns unter der Berichtsschwelle für wesentliche Ereignisse liegt. Das Verfahren verdeutlicht die rechtlichen Risiken bei Fusionen, bei denen die Bewertung von immateriellen Vermögenswerten wie Spieler-Datenbanken und Markenrechten im Fokus steht.