Microsoft dreht an der Preisschraube
Die Gerüchte haben sich bestätigt: Microsoft erhöht die Preise für Xbox-Konsolen und Spieleabonnements. Laut aktuellen Meldungen von GIGA zeichnet sich ein klarer Trend ab, Gaming wird für viele unerschwinglicher.
Betroffen sind sowohl die Xbox Series X als auch der Game Pass. Statt günstiger Einstiegskosten warten nun saftige Aufschläge.
Die letzte große Preiserhöhung bei Xbox-Konsolen liegt elf Jahre zurück. 2013 startete die Xbox One mit 499 Euro in Deutschland, ein Preis, der nach schwachen Verkaufszahlen schnell auf 399 Euro fiel. Die Xbox Series X kam 2020 für 499 Euro auf den Markt. Der neue Preis von 599 Euro ab Juli 2026 ist der höchste UVP für eine Microsoft-Konsole seit der Xbox 360 Elite (2007, 449 Euro, inflationsbereinigt etwa 580 Euro).
Was bedeutet das für eingefleischte Spieler?
- Der Game Pass Ultimate soll in Deutschland um mehrere Euro pro Monat steigen
- Auch Einzelspiele, darunter Call of Duty und Starfield, kosten ab sofort 10 bis 20 Euro mehr
- Wer sich eine neue Xbox Series X kaufen möchte, zahlt ab Juli 2026 rund 50 Euro mehr als noch im Vorjahr
Für alle, die bisher auf günstige Spieleabos oder Konsolen-Angebote gesetzt haben, wird die Luft dünn. Ein Xbox-Kauf ist jetzt keine spontane Entscheidung mehr, sondern eine echte Investition.
Der Game Pass Ultimate kostete bei Einführung 2019 monatlich 12,99 Euro, stieg 2023 auf 14,99 Euro und liegt nach der aktuellen Ankündigung bei 17,99 Euro. Das sind knapp 40 Prozent Aufschlag in sieben Jahren. Call of Duty, seit der Activision-Übernahme unter Microsofts Dach, wird mit 89,99 Euro zum Vollpreis angeboten, zehn Euro mehr als 2023. Starfield startete 2023 für 69,99 Euro; die neue Premium-Edition liegt bei 99,99 Euro.
Die Konkurrenz und ein bitterer Beigeschmack
Während Sony bei der PlayStation 5 die Preise stabil hält und Nintendo mit der Switch 2 einen aggressiven Einstiegspreis fährt, geht Microsoft einen anderen Weg. Die Strategie erinnert an die Zeit der Xbox One, als der Launch mit Preisen und DRM-Zwang schiefging.
- PlayStation 5 kostet weiterhin 499 Euro (ohne Laufwerk)
- Nintendo Switch 2 startet bei 399 Euro
- Xbox Series X nun bei 599 Euro (UVP)
Gaming war lange ein vergleichsweise günstiges Hobby. Mit diesen Preisen rückt die Xbox endgültig in die Luxus-Ecke. Retro-Fans fragen sich: Wird bald die Konsole der alten Schule wieder relevant, Gebrauchtmarkt und Schnäppchenjagd statt Premium-Abo?
Historische Preisschübe bei Microsoft
Microsofts erste Konsole, die Xbox (2001), kostete in Deutschland 479 Euro (umgerechnet 939 DM). Die Xbox 360 startete 2005 mit 399 Euro für das günstigste Modell. Die Xbox One brach 2013 mit 499 Euro alle Rekorde, musste aber nach massiver Kritik auf 399 Euro gesenkt werden. Die aktuelle Anhebung auf 599 Euro liegt 200 Euro über dem UVP der Xbox One X von 2017 (499 Euro), inflationsbereinigt ein Plus von etwa 15 Prozent.
Die Spielepreise stiegen ebenfalls. Halo: Combat Evolved (2001) kostete 59,90 Euro. Halo Infinite (2021) lag bei 69,99 Euro. Die neue Premium-Politik schiebt Call of Duty: Black Ops 6 auf 89,99 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 50 Prozent in 20 Jahren, bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 Prozent p.a. wären 74 Euro zu erwarten.
Warum Microsoft die Schraube anzieht
Die Preiserhöhung fällt in eine Phase, in der Microsofts Gaming-Sparte operativ rote Zahlen schreibt. Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete die Division rund 8 Milliarden Euro Verlust, getrieben durch die 69-Milliarden-Übernahme von Activision Blizzard. Der Game Pass wächst langsamer als geplant: statt der angepeilten 30 Millionen Abonnenten zum Jahresende 2024 waren es nur 25 Millionen. Die höheren Einnahmen pro Nutzer sollen die Lücke schließen.
Gleichzeitig steigen die Komponentenkosten. Die Xbox Series X verbaut eine 7-Nanometer-AMD-APU, deren Herstellung pro Chip um rund 30 Prozent teurer wurde als bei der Series S. Microsoft hatte die Konsole jahrelang unter Herstellungskosten verkauft. Branchenkenner schätzen den Verlust pro verkaufter Series X auf 50 bis 100 Euro. Mit dem neuen Preis von 599 Euro dürfte die Konsole erstmals profitabel sein.
Der Gebrauchtmarkt reagiert bereits. Auf Ebay Kleinanzeigen stieg die Nachfrage nach Xbox One X und Xbox Series S innerhalb einer Woche um 40 Prozent. Retro-Konsolen wie die Xbox 360 erleben ein Revival: Die Preise für gebrauchte Modelle zogen um 15 Euro an. Microsofts Kurswechsel könnte das Ende der günstigen Digital-Ära bedeuten, und den physischen Markt wiederbeleben.