Das Ende einer Rennspiel-Ikone
Midnight Club gehört zu den legendärsten Rennspiel-Serien der 2000er. Doch Rockstar hat die Serie nie offiziell beerdigt, sie verschwand einfach still.
Jetzt berichtet PCGamer über den einfachen Grund für das Aus. Die Redaktion gibt einen Hinweis: Er reimt sich auf „three pee yay“. Wer die Branche kennt, errät sofort: Grand Theft Auto.
Vom Underground-Racer zum Schattendasein
- Midnight Club: Street Racing startete 2000 auf PS2 und Xbox
- Midnight Club 2 brachte 2003 Stunts und Offroad-Strecken
- Midnight Club 3: DUB Edition steigerte mit Tuning und Lizenzen den Verkaufsdruck
- Midnight Club: Los Angeles erschien 2008 mit offener Spielwelt
Der letzte Teil war ein gutes Spiel, aber kein Kassenschlager. Danach passierte nichts mehr. Keine Ankündigung, kein Nachfolger, kein Remaster. Ein leises Ende für eine Serie, die Straßenrennen mit Arcade-Spaß verband.
Das GTA-Problem: Der eigene Bruder frisst alles
Rockstar hat seine Ressourcen ab 2008 fast vollständig auf Grand Theft Auto konzentriert. GTA IV lief da gerade, GTA V kam 2013 und brachte mit GTA Online eine Geldmaschine, die bis heute läuft.
Die simple Rechnung: Warum eine eigene Rennspielmarke pflegen, wenn das Flaggschiff längst Fahrzeuge, offene Welten und illegale Unterhaltung bietet? GTA Online bedient genau das, was Midnight Club einst ausmachte, nur eben mit Schießereien und Lupen-Open-World.
Der PCGamer-Hinweis mit „three pee yay“ ist da kaum ein Rätsel: GTA reimt sich nicht perfekt, aber im Newsroom-Jargon klingt der Zusammenhang logisch.
Es kam keine offizielle Bestätigung
Rockstar selbst hat die Einstellung der Serie nie öffentlich begründet. Weder ein Statement noch ein Entwickler-Interview liegt vor. Die Indizien sind trotzdem erdrückend.
Seit Midnight Club: Los Angeles sind über 17 Jahre vergangen. Kein Remaster, keine neue Ankündigung. Das PlayStation-Store-Angebot beschränkt sich auf alte Downloads, und die X360-Emulation auf modernen Konsolen ist ein Witz.
Das Vermächtnis lebt im Widerspruch
Midnight Club fühlte sich immer wie das rebellische Gegenstück zu Gran Turismo oder Forza an. Keine Boxenstopps, keine Rennlinien, nur Tuning, Nitro und Gefühl.
Dass diese Serie an einem Erfolg wie GTA scheiterte, ist fast schon ironisch. Schließlich verdankt GTA einen Teil seiner Magie der Fahrphysik und der offenen Welt, die Rockstar einst mit Midnight Club entwickelte. Der eigene Bruder hat die Serie gefressen, während er sich den Thron sicherte.
Das Ende einer Rennspiel-Ikone
Midnight Club besetzte in den 2000er Jahren eine Nische für Arcade-Raser, die sich von den Simulationen der Ära unterschied. Die Serie stammte aus der Feder von Angel Studios, einem kalifornischen Entwickler, der 2002 von Rockstar Games übernommen und in Rockstar San Diego umbenannt wurde.
Vor der Übernahme war das Team durch die Portierung von Resident Evil 2 auf das Nintendo 64 und die Entwicklung von Midtown Madness für Microsoft bekannt. Mit der Integration in das Rockstar-Imperium verlagerte sich der Fokus vollständig auf interne Projekte. Midnight Club war das erste große Standbein des Studios unter neuer Flagge, bevor es zum technischen Herzstück für die RAGE-Engine wurde.
Vom Underground-Racer zum Schattendasein
Die Serie durchlief eine deutliche Evolution, bevor sie von der Bildfläche verschwand.
- Midnight Club: Street Racing (2000): Einer der Launch-Titel der PlayStation 2, der das Konzept der offenen Stadt für Straßenrennen etablierte.
- Midnight Club 2 (2003): Einführung von Motorrädern und einer deutlich schnelleren Spielgeschwindigkeit, die das Spiel von der Konkurrenz abhob.
- Midnight Club 3: DUB Edition (2005): Eine Kooperation mit dem DUB Magazine, die lizenziertes Tuning in den Mittelpunkt rückte und sich über zwei Millionen Mal verkaufte.
- Midnight Club: Los Angeles (2008): Der letzte große Ableger, der auf der RAGE-Engine basierte und eine nahtlose Spielwelt ohne Ladebildschirme bot.
Trotz der soliden Kritiken sanken die Verkaufszahlen nach dem dritten Teil. Während Midnight Club 3 noch von der Tuning-Welle durch Filme wie The Fast and the Furious profitierte, änderte sich der Marktgeschmack bis 2008 in Richtung realistischerer Fahrphysik.
Das GTA-Problem: Der eigene Bruder frisst alles
Rockstar San Diego wurde zunehmend zum technischen Dienstleister für das gesamte Unternehmen. Die Entwicklung der RAGE-Engine (Rockstar Advanced Game Engine) beanspruchte fast die gesamte Belegschaft.
- GTA IV (2008): Die Implementierung der Physik-Engine erforderte Ressourcen, die an anderer Stelle fehlten.
- Red Dead Redemption (2010): Rockstar San Diego leitete die Entwicklung, was die Kapazitäten für neue Rennspiele weiter beschnitt.
- GTA Online (2013): Das Modul Cunning Stunts und spätere Updates lieferten exakt die Inhalte, für die Fans einst Midnight Club kauften.
Die internen Kosten für die Entwicklung eines AAA-Rennspiels überstiegen die potenziellen Einnahmen, wenn das gleiche Team stattdessen an einem GTA-Projekt arbeiten konnte. Rockstar entschied sich gegen eine Fortführung der Marke, da die Kannibalisierung der Spielerschaft unvermeidbar war.
Es kam keine offizielle Bestätigung
Die Einstellung der Serie verlief geräuschlos, da Rockstar den Fokus auf die Maximierung des Gewinns pro Mitarbeiter legte. Es gibt kein Dokument, das das Ende offiziell proklamiert.
Die Marke Midnight Club existiert in den Registern weiterhin als Eigentum von Take-Two Interactive. Dennoch existieren keine aktiven Entwicklungsteams mehr, die mit der Serie vertraut sind. Die ehemaligen Kernentwickler von Rockstar San Diego sind über das gesamte Unternehmen verteilt oder haben die Branche verlassen.
Das Vermächtnis lebt im Widerspruch
Die Fahrphysik in Grand Theft Auto V nutzt noch immer Fragmente des Codes, den das Team für Midnight Club: Los Angeles schrieb. Die Arcade-Steuerung, das Nitro-System und die Drift-Mechaniken in den Online-Rennen von GTA sind direkte Erben der alten Rennspiel-DNA.
In einer Zeit, in der Electronic Arts mit Need for Speed und Microsoft mit Forza Horizon die Arcade-Rennspiel-Sparte dominieren, ist das Fehlen von Midnight Club eine bewusste Entscheidung des Managements. Rockstar bevorzugt die volle Konzentration auf Projekte mit einem Umsatzpotenzial im Milliardenbereich. Das Franchise existiert heute nur noch als Archivtitel in digitalen Stores.