Abschied nach sieben Jahren
Mika Kuusisto legt sein Amt als CEO der finnischen Esports-Organisation ENCE nieder. Die Trennung erfolgt nach einer siebenjährigen Amtszeit, in der er das Team durch zahlreiche Wettkampf-Höhepunkte führte.
Der Executive bedankte sich öffentlich für die Möglichkeit, die Organisation durch „sowohl Höhen als auch Tiefen“ im kompetitiven Esport zu leiten. Offizielle Gründe für den Rücktritt wurden nicht genannt.
ENCE unter Kuusisto: Sportliche Erfolge und Herausforderungen
Kuusisto übernahm die Führung 2017, als ENCE noch eine kleine finnische Organisation mit begrenztem Budget war. Sein größter Coup gelang 2018: die Verpflichtung der jungen finnischen Counter-Strike-Talente allu, sergej, Aerial und xseveN. Das Team qualifizierte sich überraschend für das CS:GO Major in London (FACEIT Major 2018) und erreichte dort die Playoffs.
- 2019 folgte der Durchbruch: ENCE zog ins Finale des IEM Katowice Major ein, unterlag dort Astralis (0:2). Der zweite Platz brachte Preisgelder von 150.000 US-Dollar und Aufmerksamkeit.
- In den Folgejahren gewann die Organisation kleinere Turniere wie die ESL Pro League Season 9 Finals (2019, 250.000 US-Dollar) und etablierte sich in weiteren Titeln: Rainbow Six Siege, League of Legends und PUBG.
- 2020/2021 folgte eine Schwächephase: Schlüsselspieler wie sergej verließen das Team, die Ergebnisse in CS:GO brachen ein. Kuusisto trieb einen Neuaufbau mit jungen Spielern wie Snappi und Maden voran, der 2023 in einem Halbfinaleinzug beim IEM Dallas gipfelte.
Finanzielle Lage und Börsengang
2021 wagte ENCE einen ungewöhnlichen Schritt für eine Esports-Organisation: den Börsengang an der Nasdaq First North Growth Market Finland. Kuusisto war der Architekt dieses Deals, der Kapital von rund 10 Millionen Euro einbrachte.
- Die Aktie notierte bei Emission bei 6,50 Euro, fiel aber bis 2023 auf unter 2 Euro. Hohe Betriebskosten und ausbleibende Sponsoring-Erlöse belasteten die Bilanz.
- 2022 erwirtschaftete ENCE einen Umsatz von 8,2 Millionen Euro bei einem Verlust von 2,5 Millionen Euro. 2023 verbesserte sich der Verlust auf 1,1 Millionen Euro, immer noch keine Profitabilität.
- Kuusisto musste mehrfach Stellen streichen, zuletzt im Januar 2024, als das League of Legends-Team aufgelöst wurde. Die Entlassung von sieben Angestellten sorgte für Kritik in der finnischen Szene.
Branchenkontext: CEOs im Esport unter Druck
Kuusistos Rücktritt reiht sich in eine Serie von Führungswechseln bei europäischen Esports-Organisationen ein. Astralis tauschte 2023 CEO Nikolaj Nyholm gegen Jakob Lund Kristensen aus, nachdem die Aktie um 80 Prozent gefallen war. G2 Esports wechselte 2022 seinen CEO Carlos Rodriguez, allerdings wegen eines Skandals, nicht aus strategischen Gründen.
- Die Branche leidet unter sinkenden Investitionen. Laut dem Esports Business Report 2024 gingen die globalen Esports-Werbeausgaben 2023 um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück.
- Organisationen wie FaZe Clan (2023 mit Gaming Corps fusioniert) oder Team SoloMid (Umstrukturierung) zeigen, dass selbst etablierte Namen kämpfen.
- ENCE operiert in einem schwierigen Marktsegment: Finnland mit nur 5,5 Millionen Einwohnern und einem kleinen Sponsoring-Pool. Internationale Partner wie Puma oder Red Bull brachten nicht die erhofften Umsätze.
Was bleibt: Kuusistos Vermächtnis
Mika Kuusisto hinterlässt eine Organisation, die zwar finanziell angeschlagen ist, aber sportlich wieder an Respekt gewonnen hat. Unter seiner Führung wurde ENCE zum Synonym für finnischen Counter-Strike-Esport, vergleichbar mit Ninjas in Pyjamas für Schweden. Er war der einzige CEO, der die Organisation durch ein Major-Finale, einen Börsengang und zwei Kader-Neuanfänge gesteuert hat.
Die Nachfolge ist noch nicht geregelt. ENCE wird voraussichtlich in den kommenden Wochen einen neuen CEO vorstellen. Kuusisto selbst ließ offen, ob er im Esport aktiv bleibt. Sein letzter öffentlicher Kommentar: „Die Arbeit mit dieser Community war das größte Geschenk meiner Karriere.“ Der Aktienkurs von ENCE fiel nach der Bekanntgabe um 4,3 Prozent auf 1,35 Euro.