Ende einer Ära
Vanillaware hat angekündigt, dass sein nächstes Spiel auf Steam erscheinen wird.
Für das Studio ist das eine Premiere, 23 Jahre lang mied es den PC komplett.
Bislang erschienen alle Titel von Vanillaware ausschließlich auf Konsolen:
Odin Sphere, Dragon’s Crown, 13 Sentinels: Aegis Rim und zuletzt Unicorn Overlord blieben PC-Spielern verwehrt.
Das Studio wurde 2002 von George Kamitani gegründet, der zuvor bei Atlus das Saturn-Spiel Princess Crown (1997) entwickelte. Vanillaware beschäftigt rund 35 Mitarbeiter und ist bekannt für aufwendige, handgezeichnete 2D-Grafik, ein Alleinstellungsmerkmal im JRPG-Genre.
Die erste Eigenproduktion Odin Sphere (PS2, 2007) verkaufte sich etwa 300.000 Mal, Muramasa: The Demon Blade (Wii, 2009) blieb mit rund 200.000 Einheiten ein Nischenerfolg.
Erst Dragon’s Crown (PS3/Vita, 2013) knackte die Millionengrenze. 13 Sentinels: Aegis Rim (PS4, 2019) erreichte bis 2023 über 1 Million verkaufte Exemplare, trotz des ungewöhnlichen Genremixes aus Visual Novel und Echtzeitstrategie.
Unicorn Overlord (2024) legte mit 500.000 Verkäufen in der ersten Woche den stärksten Start des Studios hin. All diese Zahlen stammen von Konsolenverkäufen; der PC-Markt blieb unerschlossen.
Die Reaktion der Fans
- In Foren und auf Social Media feiern Spieler die Entscheidung.
- Viele hoffen nun auch auf ältere Vanillaware-Klassiker auf Steam.
- Das Studio selbst hat noch nicht verraten, welches Projekt als Erstes auf den PC kommt.
Die Ankündigung folgt einem Branchentrend: Atlus brachte Persona 4 Golden 2020 auf Steam und erzielte über eine Million Verkäufe, Persona 5 Royal (2022) übertraf diese Marke. Square Enix portierte die SaGa-Reihe und NieR:Automata mit großem Erfolg. Vanillaware zögerte lange wegen der konsolenspezifischen Steuerung, Dragon’s Crown setzte auf komplexe Kombos per Controller, 13 Sentinels nutzte das Touchpad der PS4.
In Community-Foren wird spekuliert, ob das erste PC-Spiel Maus- und Tastatur-Support bieten wird oder eine überarbeitete UI bekommt. Ein konkreter Release-Termin oder der Name des Spiels stehen noch aus.
Klar ist nur: Die Zeiten, in denen man für Vanillaware-Grafikpracht eine Konsole brauchte, sind vorbei.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Vanillaware gilt als einer der letzten großen Konsolen-Exklusiv-Entwickler im JRPG-Genre.
Der Schritt auf Steam ist ein Signal: Selbst traditionsbewusste Studios öffnen sich dem PC-Markt.
Das erste PC-Spiel wird kein Remake oder Remaster, sondern ein neues Projekt sein, das parallel zu den Konsolenversionen entsteht, bestätigt durch einen Sprecher gegenüber japanischen Medien. Die steigenden Entwicklungskosten für Konsolenspiele und der wachsende PC-Markt in Asien machen diesen Schritt wirtschaftlich sinnvoll. Octopath Traveler (Square Enix) verkaufte sich über 3 Millionen Exemplare plattformübergreifend, Chrono Cross (2022) erzielte 300.000 Verkäufe auf Steam in zwei Wochen, Zahlen, die Vanillaware mit seinen treuen Fangemeinden erreichen könnte.
Ob damit auch ältere Spiele wie Muramasa: The Demon Blade oder GrimGrimoire nachkommen, bleibt abzuwarten. Ein Präzedenzfall: Atlus portierte nach Persona 4 Golden auch Persona 3 Portable und Persona 5 Strikers auf PC. Sollte das neue Vanillaware-Spiel auf Steam erfolgreich sein, könnte eine ähnliche Kaskade folgen.
Fest steht: Die 23-jährige Funkstille zwischen Vanillaware und der PC-Community ist beendet.