Ein mysteriöser Vorfall in Los Angeles
Netflix steht vor einer Klage über 105 Millionen Dollar, nachdem die Master Copy eines unveröffentlichten Projekts mit Nicolas Cage aus dem Hauptsitz in Los Angeles entwendet wurde. Die zuständige Produktionsfirma, Voltage Pictures, wirft dem Streaming-Dienst grobe Fahrlässigkeit bei der Sicherung physischer Vermögenswerte vor.
Laut einer internen E-Mail des Head of Film Acquisitions verschwanden die Datenträger während eines Einbruchs aus den gesicherten Lagerräumen. Der Vorfall ereignete sich bereits vor einigen Monaten, gelangte jedoch erst jetzt durch die Einreichung der Klageschrift an die Öffentlichkeit.
Die Details zum Diebstahl
Die physischen Datenträger enthielten nicht nur den finalen Schnitt, sondern auch die unkomprimierten Rohdaten, die für die globale Distribution und Postproduktion notwendig sind. Der Verlust des Materials macht eine Neuproduktion oder eine aufwendige digitale Wiederherstellung aus Kopien zweiter Wahl notwendig.
- Die Klageschrift nennt den Verlust von mehreren LTO-Tapes und dedizierten Festplatten-Arrays.
- Die Schadensersatzsumme setzt sich aus den Produktionskosten, entgangenen Lizenzgebühren und den Kosten für die forensische Aufarbeitung zusammen.
- Voltage Pictures gibt an, dass Sicherheitslücken im Logistikzentrum von Netflix den Zugriff durch Unbefugte erst ermöglichten.
Studio-Historie und Produktionshintergrund
Voltage Pictures ist ein in Los Angeles ansässiges Studio, das für die Produktion von Filmen wie The Hurt Locker und Dallas Buyers Club bekannt wurde. Gründer Nicolas Chartier spezialisierte sich in den letzten Jahren zunehmend auf Mid-Budget-Produktionen mit international bekannten Stars.
Der betroffene Film mit Nicolas Cage sollte als wichtiger Baustein für eine neue Multi-Film-Partnerschaft zwischen Voltage und Netflix dienen. Bisherige Kooperationen, etwa bei Produktionen wie The Runner oder diversen Genrefilmen, verliefen ohne derartige Sicherheitsvorfälle.
Branchenkontext und vergleichbare Fälle
Der Schutz digitaler Assets ist für Streaming-Plattformen zu einer existenziellen Herausforderung geworden. In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, in denen unfertiges Material von Netflix durch Hackerangriffe im Netz landete, etwa bei der Serie Orange Is the New Black.
Die Klage gegen Netflix unterscheidet sich von bisherigen Fällen, da es sich um einen physischen Einbruch und nicht um eine digitale Exfiltration handelt. Vergleichbare Forderungen in der Filmbranche wurden meist durch Versicherungen abgedeckt, doch die Höhe der Summe von 105 Millionen Dollar deutet auf einen Totalverlust der Verwertungsrechte hin.
- Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 2017 bei Disney, als der Film Pirates of the Caribbean: Salazars Rache gestohlen wurde.
- Die Schadensersatzsumme von 105 Millionen Dollar übersteigt das durchschnittliche Budget von Nicolas Cage Filmen um das Fünffache.
- Der Verlust der Master Copy führt rechtlich zu einer sogenannten "Total Loss"-Bewertung, da die Exklusivität des Contents gegenüber anderen Käufern nicht mehr garantiert werden kann.
Der aktuelle Stand
Bisher gibt es keine Anzeichen für den Verbleib der gestohlenen Speichermedien. Die Polizei von Los Angeles führt Untersuchungen durch, konnte jedoch bislang keine Tatverdächtigen identifizieren.
Netflix lehnte eine öffentliche Stellungnahme zur Klage ab und verwies auf das laufende Verfahren. Das zuständige Gericht in Kalifornien hat den ersten Anhörungstermin für den kommenden Monat angesetzt. Die Rechtsabteilung des Streaming-Dienstes bereitet aktuell die Verteidigung vor, die sich vermutlich auf Haftungsbeschränkungen in den ursprünglichen Lizenzverträgen stützen wird.