Tote Schauspieler als KI-Stimmen
Laut einem Bericht von Kotaku arbeitet Netflix an einer neuen Reality-Show, die eine künstlich erzeugte Stimme von Gene Wilder als Willy Wonka einsetzen soll. Der Schauspieler, der 2016 starb, verkörperte die Figur im Film Charlie und die Schokoladenfabrik von 1971. Die Zusammenfassung des Artikels fasst die Skepsis treffend zusammen: „Perhaps we can just let dead people stay dead?“
Was genau ist geplant?
Details zur Show sind noch rar. Weder der Titel noch das Format wurden offiziell bestätigt. Es könnte sich um eine Kochshow, eine Spielshow oder ein völlig neues Konzept handeln, alles reine Spekulation.
- Netflix hat sich bisher nicht zu der Meldung geäußert.
- Die Nutzung von KI-Stimmen Verstorbener ist ethisch hoch umstritten.
- Gene Wilder selbst sprach sich zu Lebzeiten gegen eine Kommerzialisierung seiner Rollen aus.
Ein fragwürdiger Trend
Netflix ist nicht der erste Konzern, der auf posthume KI-Stimmen setzt. Schon in Star Wars oder bei Musikern wie Tupac Shakur wurden Verstorbene digital nachgebildet. Der Unterschied: Hier geht es um eine Reality-Show, nicht um ein Kunstprojekt mit künstlerischem Anspruch. Die Grenzen zwischen Hommage und Ausbeutung verschwimmen zusehends.
Offene Fragen
Bis Netflix offizielle Details bekannt gibt, bleibt die Meldung ein unbestätigtes Gerücht. Allein die Vorstellung, dass eine Reality-Show die Stimme von Gene Wilder als Wonka nutzt, sorgt für hitzige Diskussionen. Ob die Zuschauer diese Art digitaler Wiederbelebung akzeptieren werden, ist ungewiss.
Wer steckt hinter dem Projekt?
Der Kotaku-Bericht nennt keine konkrete Produktionsfirma. Netflix unterhält jedoch ein eigenes Reality-Show-Studio in Los Angeles, das unter anderem „Squid Game: The Challenge“ und „The Circle“ produzierte. Beide Formate setzen auf aufwändige Sets und Interaktion mit Kandidaten, eine KI-Stimme wäre eine ungewöhnliche Ergänzung.
- Die Rechte an der Figur Willy Wonka und der Stimme Gene Wilders liegen bei Warner Bros. und dem Nachlass von Gene Wilder.
- Wilder verfügte testamentarisch, dass sein Image nicht digital vermarktet werden soll, äußerte sich jedoch nicht zu Stimmklonen.
- Eine offizielle Anfrage von Kotaku an Netflix blieb unbeantwortet.
Die Technik der Stimmklonung
Die verwendete KI-Technik ähnelt Verfahren, die in Hollywood bereits etabliert sind. Respeecher, ein ukrainisches Unternehmen, klonte etwa die Stimme von James Earl Jones für Darth Vader in der Serie „Obi-Wan Kenobi“ (2022). Die Kosten für eine solche Lizenz liegen im unteren sechsstelligen Bereich.
- Im Musikbereich extrahierte KI 2023 John Lennons Stimme für den Beatles-Song „Now and Then“, der Song erreichte Platz 1 der britischen Charts.
- Für Reality-Shows ist der Einsatz bisher unbekannt. Anders als bei Filmsynchronisation muss die Stimme hier spontan auf Kandidaten reagieren, was technisch anspruchsvoller ist.
- Ein ähnlicher Versuch scheiterte 2021 bei einer US-Spielshow, die den verstorbenen Moderator Alex Trebek (Jeopardy!) digital nachbilden wollte, die Zuschauer lehnten es ab.
Rechtliche und ethische Grenzen
Die Nutzung posthumer KI-Stimmen ist rechtlich uneinheitlich. In Kalifornien gilt der „Celebrity Rights Act“, der die Verwendung von Namen und Abbild Verstorbener für 70 Jahre nach Tod schützt, Stimmen sind nicht explizit erfasst.
- Die Gewerkschaft SAG-AFTRA forderte im letzten Streik 2023 klare Klauseln zur KI-Nutzung. Der erzielte Vertrag erlaubt KI-Scans nur mit Zustimmung der Schauspieler, für Verstorbene gibt es keine Regelung.
- Gene Wilders Familie hat sich bislang nicht geäußert. 2019 lehnte sein Neffe ein Angebot für eine CGI-Werbung ab.
- Der öffentliche Diskurs ist gespalten: Eine Umfrage von YouGov (2023) zeigte, dass 52 Prozent der US-Bürger KI-Wiederbelebungen für „respektlos“ halten.