Daten-Weitergabe dementiert
Niantic Spatial hat gegenüber Kotaku bestritten, dass Pokémon Go-Spielerdaten an eine Drohnenfirma fließen. Das Unternehmen betont, es erhalte seit der Übernahme von Niantic durch Scopely keinerlei Daten mehr von der Monsterfang-App. Ein Sprecher erklärte, die frühere Praxis sei mit dem Eigentümerwechsel eingestellt worden. Konkrete Details zur ursprünglichen Datenweitergabe oder zur Drohnenfirma nannte Niantic Spatial nicht.
Laut früheren Berichten soll Niantic Standortdaten an eine nicht näher benannte Drohnenfirma verkauft haben. Diese Daten halfen, Flugrouten zu optimieren, ein Geschäft, das auf den präzisen Geoinformationen der Pokémon Go-Spieler basierte. Niantic sammelt seit Veröffentlichung der App im Jahr 2016 kontinuierlich Positionsdaten, um die AR-Karte zu verbessern. Jährlich kommen rund 20 Millionen neue Spieler hinzu, die mit ihrer Bewegung reale Geodaten generieren. Die Weitergabe an Dritte wurde jedoch nie öffentlich bestätigt, bis zu diesem Dementi.
Hintergrund der Übernahme
Scopely hatte Niantic im März 2025 für 3,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Zu diesem Zeitpunkt gingen viele Fans von Änderungen am Geschäftsmodell aus. Scopely ist ein Publisher für mobile Spiele wie Marvel Strike Force und Monopoly Go!, ein Unternehmen mit Fokus auf hohe Monetarisierung. In der Vergangenheit stand Scopely wegen undurchsichtiger Datenpraktiken in der Kritik, etwa bei Star Trek Fleet Command. Das Dementi von Niantic Spatial soll offenbar Vertrauen zurückgewinnen, bevor Scopely langfristige Pläne für die Geodaten-Plattform bekannt gibt.
Das Tochterunternehmen Niantic Spatial war ursprünglich für die Erstellung und den Verkauf von 3D-Karten zuständig, ein Geschäft, das eng mit den Spielerdaten verknüpft ist. Die Drohnenfirma, deren Namen nicht genannt wird, soll laut früheren Berichten Zugriff auf Standortdaten gehabt haben, um Flugrouten zu optimieren. Niantic Spatial bestreitet nun jegliche aktuelle Verbindung zu diesem Deal. Ob die Trennung bereits vor oder erst nach der Übernahme vollzogen wurde, bleibt unklar.
Niantic Spatial und die Historie des Entwicklers
Niantic entstand 2010 als Keyhole, ein Geodaten-Start-up, das von Google übernommen wurde. 2015 erfolgte die Ausgründung als Niantic Labs unter der Leitung von John Hanke. Der erste Titel war Ingress (2013), ein AR-Spiel mit 20 Millionen Downloads. Der Durchbruch gelang mit Pokémon Go im Juli 2016: 1 Milliarde Downloads weltweit, ein Umsatz von über 1,2 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2024 (laut Sensor Tower). Monatlich spielen rund 80 Millionen Menschen aktiv.
Weitere AR-Spiele folgten: Harry Potter: Wizards Unite (2019) erreichte 40 Millionen Downloads, wurde aber 2022 eingestellt. Pikmin Bloom (2021), Peridot (2023) und Monster Hunter Now (2023, gemeinsam mit Capcom) nutzen alle die gleiche Standortdaten-Infrastruktur. Keiner dieser Titel kam an den Erfolg von Pokémon Go heran. Die Plattform dahinter, Niantic’s Spatial Mapping, wurde 2020 als eigenständiger Dienst ausgegliedert: Niantic Spatial. Diese Sparte vermarktet die gesammelten 3D-Daten an Unternehmen für Kartierung, Logistik und autonomes Fahren. Der Verkauf von Standortdaten an eine Drohnenfirma passt in dieses Geschäftsmodell, und die jetzige Dementierung wirft Fragen auf.
Was das für Spieler bedeutet
Für Pokémon Go-Spieler ändert sich erstmal nichts: Die App läuft weiter, und die In-Game-Käufe bleiben bestehen. Datenschutzbedenken könnten aber nachlassen, falls die Trennung von den Drohnen-Daten wirklich vollzogen ist. Niantic war in der Vergangenheit mehrfach Gegenstand von Untersuchungen, etwa durch die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). 2018 forderte die französische Datenschutzbehörde CNIL das Unternehmen auf, die Erhebung von Standortdaten transparenter zu gestalten.
Ob Niantic Spatial jemals Daten geteilt hat, und ob Spieler dem neuen Kurs trauen können, bleibt offen. Scopely hat sich dazu bisher nicht geäußert. Die Pokémon Go-Community ist mit rund 80 Millionen monatlichen Nutzern die größte AR-Spielerbasis der Welt. Ein Vertrauensverlust könnte schnell in rückläufigen Umsätzen enden, 2024 erzielte die App allein durch In-Game-Käufe über 1,2 Milliarden Dollar.