Die ewige Unzufriedenheit der Nintendo-Fans
Steve Jobs sagte einst: „Die Leute wissen nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.“ Bei Nintendo-Fans scheint dieses Prinzip besonders zuzutreffen. Die Geschichte wiederholt sich mit jeder großen Enthüllung, erst Empörung, später Lob.
Besonders deutlich wurde das bei Space World 2001: Die Vorstellung von The Legend of Zelda: The Wind Waker mit seinem cel-shaded, kindlichen Link sorgte für einen Aufschrei. Fans hatten eine realistischere Version erwartet, nachdem eine Tech-Demo Link gegen Ganondorf gezeigt hatte. Der Spitzname „Celda“ war geboren. Heute gilt der Titel als zeitloser Klassiker.
Studio-Historie: Wer entwickelt die Remakes?
Die aktuellen Remakes kommen von unterschiedlichen Teams. The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D (2011) und Majora‘s Mask 3D (2015) entstanden bei Grezzo, einem Studio unter Leitung von Koichi Ishii, dem Erfinder von Secret of Mana. Beide Remakes nutzten die originale Engine, verbesserten Texturen, fügten 3D-Effekte hinzu und polierten die Steuerung. Verkauft wurden sie jeweils über 4 Millionen Mal. Grezzo arbeitete zuletzt an Link‘s Awakening (2019, Switch) und Miitopia (2021), beide mit einem diorama-artigen, weichen Kunststil. Das neue Ocarina of Time Remake für Switch wird vermutlich wieder von Grezzo umgesetzt.
Anders das Star Fox Remake. Der originale Star Fox (1993) wurde von Nintendo EAD und Argonaut Software entwickelt. Star Fox 64 (1997) definierte On-Rail-Shooter mit Rumble Pak neu. Der letzte Neustart, Star Fox Zero (2016, Wii U), stammte von PlatinumGames unter Regie von Yusuke Hashimoto (Bayonetta 2), und erhielt gemischte Kritiken wegen der unkonventionellen Steuerung. Takaya Imamura, der ursprüngliche Character Designer von Fox McCloud, äußerte öffentlich, der neue Look des Remakes „werde seinem Charakter nicht gerecht“. Imamura war 30 Jahre bei Nintendo und lehrt heute an einer Designhochschule.
Von Tech-Demos zu Ghibli-Ästhetik
Ähnliche Grummel gab es bei der ersten Vorschau auf Breath of the Wild für die Wii U. Wieder ein cel-shaded Link mit Ghibli-Anleihen, ganz anders als die fotorealistische HD-Lighting-Demo von 2011. Mittlerweile lieben Fans diesen Stil.
Doch die Zeit verändert Perspektiven. Wer als Teenager mehr „Erwachsenes“ forderte, schätzt heute künstlerische Qualität über puren Photorealismus. Das führte zum Meme „Nintendo, hire this man“, und zu Spott für ultra-realistische Fan-Remakes in Unreal Engine.
Verkaufszahlen und Fan-Paradoxon
Wind Waker verkaufte sich auf GameCube rund 4,4 Millionen Mal, respektabel, aber deutlich unter den 7,6 Millionen von Ocarina of Time auf N64. Der cel-shaded Stil galt damals als einer der Gründe für die verhaltenen Verkäufe. Heute wird der gleiche Look als Höhepunkt der Serie gefeiert. Breath of the Wild (2017) erreichte über 30 Millionen Verkäufe und ist das meistverkaufte Zelda-Spiel. Sein Wasserfarben-Look wurde weltweit gelobt.
Die Branche zeigt ähnliche Muster. Jet Set Radio (2000, Dreamcast) setzte auf Cel-Shading und wurde zum Kult. The Legend of Zelda: Skyward Sword (2011) versuchte einen impressionistischen Stil, blieb aber mit 3,7 Millionen Verkäufen hinter den Erwartungen. Realistischere Ableger wie Hyrule Warriors (2014) oder Cadence of Hyrule (2019) erreichten nie die Massen. Nintendo selbst betont in Interviews, dass stilisierte Kunst altert, während Fotorealismus schnell veraltet. Der geplante Zelda-Film (Live-Action, Produktion von Avi Arad) könnte den Druck auf ein realistischeres Remake jedoch erhöhen.
Realismus-Remakes: Was will die Community jetzt?
- Wind Waker: Damals als „Celda“ verschrien, heute ein unangefochtener Klassiker.
- Breath of the Wild: Anfangs wegen cel-shaded Stils kritisiert, dann gefeiert.
- Ocarina of Time Remake (letztjährige Nintendo Direct): Skepsis trotz jahrelanger Forderung nach realistischerem Zelda.
- Star Fox Remake (Direct letzten Monat): Modernisierter Fox spaltet Fans, sogar der originale Character Designer Takaya Imamura übte Kritik.
Dabei hatte Star Fox Adventures auf dem GameCube einst genau diesen realistischen Fell-Look gelobt bekommen. Die Serie schien stets für grafische Spitzenleistungen zu stehen, der neue hyperrealistische Stil wäre also eine logische Weiterentwicklung.
Remake-Kultur bei Nintendo und Branchenkontext
Nintendo hat eine gemischte Geschichte mit Remakes. Pokémon Feuerrot/Blattgrün (2004, GBA) waren erfolgreiche Retro-Remakes. Metroid: Samus Returns (2017, 3DS) von MercurySteam führte neue Mechaniken ein und spaltete die Fans. Luigi‘s Mansion 2 HD (2024) für Switch ist ein reines HD-Upgrade. Der Ansatz variiert: mal behutsam, mal neu interpretiert.
Das neue Ocarina of Time Remake soll laut Gerüchten auf Unreal Engine 5 laufen, eine Abkehr von Nintendos hauseigenen Engines. Das erinnert an Crash Bandicoot N. Sane Trilogy (2017, Activision), das mit Unreal Engine 4 über 10 Millionen Mal verkauft wurde. Auch Spyro Reignited Trilogy (2018) nutzte Unreal. Nintendo könnte diesen Weg gehen, um grafisch auf modernen Konsolen mitzuhalten. Allerdings: Grezzos Link‘s Awakening-Remake (2019) verwendete eine eigene Engine mit Plastik-Optik und verkaufte sich über 6 Millionen Mal. Ein Wechsel zu Unreal wäre ein Bruch mit Grezzos bisheriger Arbeitsweise, und ein Risiko.
Ein hoffnungsvoller Ausblick
Vielleicht sind Fans einfach müde von CGI-Remakes im Stil der Disney-Live-Action-Welle. Die Sorge, dass das Ocarina of Time Remake sich am geplanten Zelda-Film orientiert und einen unheimlichen Link liefert, ist verständlich.
Doch der Teaser zeigte mehr als nur einen schlafenden Link: Ein Wandteppich mit Figuren wie dem Großen Deku-Baum und den Kokiri erinnert an den Intro-Stil von Wind Waker, mit warmer Beleuchtung. Das macht Hoffnung, dass der Zauber des Originals erhalten bleibt. Ich bin vorsichtig optimistisch, denn zum 40. Jubiläum von Zelda steckt sicher mehr Liebe dahinter als nur ein simpler Unreal-Asset-Umbau.