Ein Geist, der Geschichten erzählt
Die animierte Horrorserie I Am Frankelda erreicht im Juni Netflix. Das Projekt entstand unter der Leitung der Brüder Arturo und Roy Ambriz durch ihr Produktionsstudio Cinema Fantasma in Mexiko-Stadt.
Ohne die direkte Unterstützung von Guillermo del Toro wäre diese Produktion nicht realisiert worden. Der oscarprächtige Regisseur agierte während der gesamten Entwicklungsphase als kreativer Mentor für das Team.
Die Wurzeln von Cinema Fantasma
Cinema Fantasma wurde 2011 von den Brüdern Ambriz gegründet und fokussiert sich primär auf Stop-Motion sowie 2D-Animation. Vor der Arbeit an I Am Frankelda produzierte das Studio Werbespots, Musikvideos und Kurzfilme für Kunden wie Cartoon Network Latin America.
Das Studio machte sich einen Namen durch eine spezifische Ästhetik, die stark von der mexikanischen Popkultur beeinflusst ist. Zu ihren Projekten gehören:
- Villainous (in Kooperation mit Cartoon Network).
- Diverse Kurzfilme wie Frankelda's Book of Spooks, die bereits 2019 als Vorläufer existierten.
- Die Ausrichtung auf eine Zielgruppe, die eine düstere, melancholische Ästhetik bevorzugt.
Der Einfluss des Meisters
Die Zusammenarbeit zwischen den Ambriz-Brüdern und Guillermo del Toro begann an der GOBELINS-Schule in Paris. Dort erkannte der Regisseur das Potenzial der jungen Animatoren bei einer Präsentation ihrer frühen Skizzen.
Fakten zur Entstehung:
- Del Toro finanzierte Teile der Pilotphase aus eigener Tasche, nachdem große Studios das Projekt aufgrund des hohen finanziellen Risikos bei Stop-Motion ablehnten.
- Er gab den Brüdern direkten Zugang zu seinem Archiv von Referenzmaterial, einschließlich detaillierter Studien von klassischen Monstern.
- Die visuelle Sprache von I Am Frankelda orientiert sich an Edgar Allan Poe und der viktorianischen Schauerliteratur.
Branchenkontext und Vergleich
Im aktuellen Marktumfeld positioniert sich I Am Frankelda als Gegenentwurf zur kommerziellen CGI-Dominanz. Produktionen wie Guillermo del Tora's Pinocchio von Netflix haben den Weg für nischige, handgefertigte Stoffe geebnet.
Vergleichbare Releases in diesem Segment sind:
- The House (2022, Netflix): Eine Anthologie-Serie, welche ebenfalls auf düstere Stop-Motion setzt.
- Wendell & Wild (2022, Henry Selick): Ein Werk, das die physische Textur von Puppen in den Vordergrund stellt.
- Coraline (2009, LAIKA): Der stilistische Referenzpunkt für modernes Stop-Motion-Entertainment.
Was erwartet das Publikum?
I Am Frankelda nutzt echte Stop-Motion-Technik, um eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Die Serie besteht aus fünf Episoden, welche in Mexiko bereits 2021 auf HBO Max Premiere feierten.
Die Serie bietet:
- Ein Set aus handgefertigten Miniaturen und detaillierten Modellen.
- Frankelda als Erzählerin, die den Zuschauer durch ihre Bibliothek führt.
- Ein klassisches Horror-Gefühl, das an die Pionierarbeit von Ray Harryhausen erinnert.
Die Serie spielt mit dem Konzept der "Meta-Erzählung", bei der die Hauptfigur Frankelda selbst als Geist Geschichten über andere Geister verfasst. Diese Struktur erlaubt es den Ambriz-Brüdern, in jeder Episode das visuelle Design der Welt komplett zu wechseln.
Handwerk vor Computeranimation
Die Macher von Cinema Fantasma lehnen rein digitale Animationen für diesen Stil ab. Sie setzen auf physische Puppen, was dem Bild eine spürbare Textur durch Fingerabdrücke auf dem Knetmaterial verleiht.
Netflix nimmt die Serie im Juni in das Programm auf. Die Bildrate wurde bewusst niedrig gehalten, um den klassischen, leicht ruckeligen Charme alter Gruselfilme zu imitieren.
Das Team hinter Cinema Fantasma nutzt für die Produktion Dragonframe-Software zur Steuerung der Kamera, bleibt jedoch bei der physischen Manipulation der Modelle. Für die Beleuchtung der Sets wurden kleine LED-Systeme verwendet, um die Wärme der handgefertigten Hintergründe zu erhalten. Die gesamte Produktion wurde in Mexiko-Stadt fertiggestellt, was eine seltene Unabhängigkeit von großen Hollywood-Studios bedeutet.