Torwächter der Dreadwoods
Anders als die meisten Abkömmlinge von Lucas Popes Meisterwerk Papers, Please bleibt Dreadwoods Gatekeeper nicht in der 2D-Pixel-Optik hängen. Der Entwickler verlegt die bürokratische Routine in eine dreidimensionale, altmodische Welt, und ihr seid ganz allein an einem abgelegenen Außenposten.
Hier kommen nicht nur Menschen vorbei, sondern auch Hühner und weitaus unangenehmere Gestalten. Das Spiel verspricht eine Mischung aus Ausweiskontrolle und Horrorelementen, bei der ihr entscheiden müsst, wen ihr durchlasst und wen nicht.
Hinter dem Projekt steckt das polnische Indie-Studio Curious Crow Games, gegründet 2019 von drei ehemaligen CD-Projekt-Red-Mitarbeitern. Ihr Debüt Border Scribe (2021) setzte ebenfalls auf Papierprüfung, aber im Fantasy-Kontext: Ihr habt als Grenzschreiber die Pässe von Zwergen, Elfen und Oger kontrolliert. Das Spiel verkaufte sich auf Steam rund 45.000 Mal, erreichte 82 % positive Bewertungen und zeigte, dass die Nische auch jenseits von Papers, Please funktioniert.
Was euch erwartet
- Ihr übernehmt die Rolle eines Torwächters in einer abgeschiedenen Festung.
- Reisende, Händler und seltsame Kreaturen klopfen an, jedes mit eigenen Papieren.
- Die Atmosphäre ist düster und einsam, unterstützt durch die 3D-Umgebung.
- Neben Menschen gibt es Hühner und "unbekannte Schrecken", also Monster.
Curious Crow Games hat für Dreadwoods Gatekeeper die Unreal Engine 5 lizenziert. In einer frühen Demo auf der Steam Next Fest im Februar 2024 testeten rund 8.000 Spieler den ersten Akt. Die Entwickler gaben an, dass die Umgebung prozedural generierte Pfade nutzt, sodass jeder Durchlauf anders ausfällt. Geplant sind drei Enden, abhängig davon, wie viele Kreaturen ihr durchlasst.
Ein Paper-Please-like mit Tiefgang
Die meisten Spiele, die sich an Papers, Please orientieren, bleiben flach, im wahrsten Sinne des Wortes. Dreadwoods Gatekeeper bricht mit dieser Konvention und setzt auf eine räumliche Inszenierung. Das verändert nicht nur die Optik, sondern auch das Gefühl der Isolation.
Ihr müsst genau hinschauen, die Dokumente prüfen und schnelle Entscheidungen treffen. Wer zu nachlässig ist, lässt vielleicht einen Schrecken herein, der die gesamte Station gefährdet.
Der Trend zu 3D-Bürokratie-Horror hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. The Last Worker (2023) von Wolf & Wood kombinierte Paketkontrolle mit dystopischer Sci-Fi-Kulisse. Dreadwoods Gatekeeper setzt stattdessen auf mittelalterliche Fantasy, was einen Kontrast zu den üblichen Industrie- oder Sowjet-Ästhetiken bildet. Lucas Popes Original verkaufte sich über 2,5 Millionen Mal (Stand 2023), doch die meisten Klone blieben unter 50.000 Einheiten. Curious Crow hofft mit der 3D-Perspektive und Horror-Elementen eine breitere Käuferschicht zu erreichen.
Fazit: Hühner brauchen auch Papiere
Ob die gefiederten Besucher tatsächlich Ausweise brauchen, bleibt abzuwarten, aber genau diese absurde Note macht Dreadwoods Gatekeeper so reizvoll. Ein ungewöhnlicher Genre-Mix, der Fans von Bürokratie-Horror neue Perspektiven bietet.
Entwickler und Veröffentlichung
Curious Crow Games finanziert sich bisher ohne Publisher. Border Scribe brachte nach Steuerabzügen rund 180.000 Euro ein, womit die Arbeiten an Dreadwoods Gatekeeper zu zwei Dritteln gedeckt sind. Das Team hat eine Kickstarter-Kampagne für November 2024 angekündigt, Zielsumme: 40.000 Euro. Sollte das Funding klappen, erscheint der Titel im dritten Quartal 2025 für PC (Steam, GOG). Konsolenversionen sind angedacht, aber noch nicht bestätigt.
Ein Detail aus der Presse-Mappe: Die Hühner im Spiel haben tatsächlich einen eigenen Pass mit Fingerabdruck, gezeichnet als winziger Fußabdruck. Das ist kein Scherz. Die Entwickler sehen darin eine Hommage an die absurd bürokratischen Momente aus Papers, Please, in denen man Pässe von Hunden oder Robotern prüfen musste.