Perfektion im Retro-Gewand
Der Journalist von PCGamer hat den Nachfolger des Kult-Plattformers N+ angespielt. Sein Fazit fällt extrem positiv aus: Er vermutet, hier das perfekte Videospiel vor sich zu haben. Ein starkes Statement für einen minimalistischen Plattformer.
Was den Next N+ auszeichnet
- Minimalistisches Design: Schwarz, grün, neonhelle Linien, die Optik erinnert an den Vorgänger, wirkt aber noch aufgeräumter.
- Präzise Physik: Jeder Sprung, jeder Wandlauf sitzt. Das Spielgefühl ist auf den Punkt justiert und reagiert sofort auf Eingaben.
- Knackiges Leveldesign: Kurze, fordernde Räume, die zum Wiederholen einladen. Die Anordnung der Hindernisse fühlt sich durchdacht an.
Die Macher: Metanet Software
Das Studio hinter der N-Reihe heißt Metanet Software. Gegründet 2004 von den kanadischen Entwicklern Raigan Burns und Mare Sheppard, begann alles mit einem Flash-Spiel. N entstand als Experiment für den 48-Stunden-Wettbewerb „Flash Forward 2004“ und gewann den ersten Platz. Burns und Sheppard programmierten den gesamten Code selbst, Physik, Levelgenerierung, alles aus einer Hand.
Nach dem Erfolg des Flash-Originals entwickelten sie N+ für Xbox 360 (2008), Nintendo DS und PSP. Die Konsolenversion wurde von Slick Entertainment portiert, während Metanet die Steuerung und Level verfeinerte. 2015 folgte N++, ein massiver Titel mit über 4000 Leveln, einem Soundtrack von C418 (Minecraft-Komponist) und einem Split-Screen-Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler. N++ erschien auf PS4, später auf PC, Switch und Xbox One und verkaufte sich laut öffentlichen Berichten über 500.000 Mal.
Von Flash zu Kult: Die Serie im Rückblick
Die N-Reihe begann als kostenloses Flash-Spiel im Internet. Später folgten Versionen für Konsolen und Handhelds. Der neue Next N+ scheint diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen. Konkrete Meilensteine: N (2004) erreichte auf Newgrounds über 10 Millionen Plays. N+ (2008) war einer der ersten Xbox Live Arcade-Titel, die mit über 700.000 Downloads in den Charts landeten. N++ (2015) hielt den Rekord für die meisten Level in einem kommerziellen Plattformer, bis zu 4340 in der Ultimate Edition.
Jeder Ableger verfeinerte die Kernmechanik: Gleiten an Wänden, präzise Weitsprünge, Zeitschleifen. Die Serie definierte das Genre des „Trial-and-Error“-Plattformers mit, in dem der Spieler in Sekunden stirbt und neu startet. Next N+ setzt diese Linie fort, bleibt aber der puristischen Ästhetik treu, kein Upgrade-Baum, keine Story-Zwischensequenzen, nur Level und eine Stoppuhr.
Branchenkontext: Wo steht Next N+?
Minimalistische Präzisions-Plattformer haben seit Super Meat Boy (2010) und Celeste (2018) eine treue Nische. Celeste verkaufte sich über 5 Millionen Mal, Super Meat Boy sogar über 8 Millionen. Beide setzen auf emotionale Geschichten oder Humor. Next N+ verzichtet darauf komplett. Es konkurriert nicht mit erzählerischer Tiefe, sondern reiner Mechanik-Perfektion.
Im Vergleich zu The End Is Nigh (2017) von Edmund McMillen, das mit dunklem Humor und einem Metroidvania-artigen Overworld-Design arbeitet, bleibt Next N+ linear: Level für Level, ohne Karte oder Abkürzungen. Das Spiel setzt auf kurze Sessions, die meisten Level lassen sich in unter 30 Sekunden meistern, wenn man den Weg kennt. Das erinnert an die Struktur von Downwell (2015) oder Spelunky, aber ohne Zufallsgenerierung.
Warum die Begeisterung?
Der Autor nennt konkrete Gründe: flüssige Steuerung, intelligentes Leveldesign und schiere Suchtgefahr. Diese Kombination macht den Next N+ zu einem Kandidaten für den Plattformer-Thron. Er hob besonders die Frame-Input-Präzision hervor: jede Aktion erfolgt im exakt gleichen Timingsfenster, anders als bei manchen Konsolenversionen der Vorgänger, die unter 30 fps litten. Next N+ läuft mit 60 fps und soll laut Entwickler auf 120 fps skalieren.
Die Level sind nicht nur schwer, sondern fair: keine unsichtbaren Fallen, keine Zufallselemente. Jeder Tod ist selbstverschuldet. Das Spiel belohnt Wiederholung, nicht Glück. Die Soundeffekte, kurze Pieptöne bei Sprüngen und Sammlern, erinnern an die N+-Ära, wurden aber neu aufgenommen. Der Soundtrack stammt erneut von C418, der auch für N++ komponierte, und wechselt zwischen treibendem Elektro und ruhigen Ambient-Passagen.
Kein Platz für Schnickschnack
Keine Story, keine Grafikpracht, nur Gameplay pur. Der Next N+ konzentriert sich auf das, was zählt: Herausforderung und Bewegung. Die Vorschau vermittelt den Eindruck, dass hier alles stimmig ist. Ein Plattformer, der seine Existenzberechtigung aus der Perfektion der Mechanik zieht.