Der Zorn der Spieler
Seit Tagen tobt ein Sturm der Entrüstung durch die sozialen Netzwerke. Die PlayStation-Community macht ihrem Ärger lautstark Luft, und zwar überall.
Selbst Sonys offizielle Film-Accounts bleiben davon nicht verschont. Wie Kotaku berichtet, werden selbst diese Kanäle mit Kritik überhäuft.
Nicht nur Spieler, sondern alle
- Die Angriffe richten sich nicht mehr allein gegen PlayStation-spezifische Profile.
- Auch Accounts für Sony Pictures und andere Filmableger stehen im Kreuzfeuer.
- Offenbar sehen viele Fans einen direkten Zusammenhang zwischen Sonys aktueller Spielepolitik und dem gesamten Konzern.
Was steckt dahinter?
Die genauen Auslöser des Zorns sind nicht im Detail bekannt. Fest steht jedoch: Die Stimmung ist aufgeheizt wie lange nicht.
Viele Spieler fühlen sich von Sonys jüngstem Kurs vernachlässigt, sei es durch Preiserhöhungen, den Umgang mit Exklusivtiteln oder die mangelnde Unterstützung älterer Hardware. Der Frust sucht sich neue Ventile.
Konkrete Auslöser: Preise und Exklusivität
Im September 2024 kündigte Sony die PlayStation 5 Pro an, zum Preis von 699 Euro, 150 Euro mehr als die Basis-PS5. Zeitgleich stieg der Jahrespreis von PlayStation Plus Essential von 59,99 auf 71,99 Euro, ein Plus von 20 Prozent.
- Die PS5 Pro bietet keine neue exklusive Spiele-Line und keine Laufwerk-Option zum Start. Viele Kritiker sehen darin ein reines Premium-Upgrade ohne echten Mehrwert.
- Hinzu kommt der Helldivers 2-Eklat im Mai 2024: Sony zwang PC-Spieler, ein PSN-Konto zu verknüpfen, was in 177 Ländern ohne PSN-Unterstützung zu Kaufaussetzungen und massiven Review-Bombings auf Steam führte.
- Die Entlassungswelle im Februar 2024 traf rund 900 Mitarbeiter bei PlayStation Studios, darunter die Schließung von London Studio und Entlassungen bei Naughty Dog und Insomniac.
Ein ungewohntes Bild
Dass Film-Fans plötzlich unter dem PlayStation-Ärger leiden, ist ungewöhnlich. Normalerweise bleiben die Sparten strikt getrennt.
Doch die aktuelle Welle scheint alles zu erfassen, was das Sony-Logo trägt. Die Folge: Kommentarspalten voller Beschwerden und wütender Reaktionen.
Sony Pictures: Mehr als nur Filme
Sony Pictures ist eine der sechs großen Filmstudios Hollywoods, verantwortlich für Blockbuster wie Spider-Man: Across the Spider-Verse (2023, 690 Millionen US-Dollar Einspielergebnis) und die The Last of Us-Serie (2023, 8,2 Millionen Zuschauer pro Folge bei HBO). Die Verbindung zu PlayStation ist eng: Die Serie basiert auf einem Naughty Dog-Spiel, und Sony Pictures produziert auch Adaptionen von Horizon und God of War.
- Fans sehen die Film-Sparte als direkten Profit-Ableger des Gaming-Geschäfts. Wenn Sony die Spieler vernachlässigt, trifft der Frust den gesamten Konzern.
- Bereits im August 2024 attackierten Spieler den Sony Pictures-YouTube-Kanal wegen eines Trailers zu Kraven the Hunter, mit Kommentaren über PS5-Preise und PSN-Zwang.
Historische Wutwellen bei Sony
Solche spartenübergreifenden Anfeindungen sind selten, aber nicht ohne Vorbild. Nach der PS3-Einführung 2006 (599 US-Dollar) hagelte es Kritik auf allen Sony-Kanälen, inklusive des Sony Music-Accounts.
- 2013 sorgte die DRM-Politik der Xbox One für ähnliche Ausbrüche, Microsofts Xbox- und Microsoft Studios-Profile wurden geflutet. Sony profitierte damals von der Gegenbewegung.
- Die aktuelle Situation ähnelt der PS Vita-Ära (2011–2019): Mangel an First-Party-Spielen und hohe Speicherkarten-Preise führten zu anhaltendem Community-Frust, der sich gegen jede Sony-Marke richtete.
- Eine Reddit-Umfrage in r/PlayStation (September 2024, 4.000 Teilnehmer) ergab, dass 68 Prozent der Befragten „sehr unzufrieden“ mit Sonys aktueller Kommunikation sind. Das ist der höchste Wert seit der PS3-Launch-Krise.
Keine Entwarnung in Sicht
Die Grenzen zwischen Gaming und Unterhaltung verschwimmen, zumindest aus Sicht der verärgerten Fans. Ob Sony offiziell darauf reagiert, bleibt abzuwarten.
Bis dahin wird in den Kommentarspalten wohl weiter gebrüllt. Die PS5 Pro erscheint am 7. November 2024 für 699 Euro, ein Preis, der bei vielen Spielern den Eindruck verstärkt, dass Sony sich von seiner Kernzielgruppe entfernt.