Der Bunker ist gut gefüllt
Seit Jahren diskutiert die Gaming-Welt über das Ende der Disc. Kein Hersteller treibt die Digital-only-Zukunft so zögerlich voran wie PlayStation. Während Microsoft mit der Xbox Series S bereits 2020 den Stecker fürs Laufwerk zog, verkauft Sony weiterhin zwei Modelle der PS5, mit und ohne Disc-Laufwerk.
Doch die Community schlägt zurück. Der Hashtag "No Disc, No Buy" ist längst mehr als eine Randerscheinung. Sammler, Preisjäger und Archivare stellen sich quer.
Vom CD-Laufwerk zur abnehmbaren Disc
Die PlayStation 1 startete 1994 mit CD-ROM, die PS2 setzte 2000 auf DVD, die PS3 2006 auf Blu-ray. Jeder Formatwechsel war ein teurer Standardkrieg, Sony gewann bei Blu-ray gegen HD-DVD. Die PS4 (2013) und PS5 (2020) nutzen Blu-ray mit 4K-Unterstützung.
Die PS5 Digital Edition (ohne Laufwerk) machte 2024 laut Schätzungen etwa 25 % des Absatzes aus. Die PS5 Pro (2024) brachte ein abnehmbares Laufwerk für 120 Euro Aufpreis, ein Zugeständnis an die Bewegung, aber kein Bekenntnis. 2025 stellte Sony die Produktion der Standard-PS5 mit festem Laufwerk ein und verkauft seither nur noch die Slim-Variante mit separatem Disc-Laufwerk.
Was die Bewegung wirklich will
- Keine Kaufentscheidung, die von Online-Servern abhängt
- Physische Spiele, die man anfassen, tauschen und weiterverkaufen kann
- Schutz vor Löschungen aus digitalen Stores, siehe die Schließung des PS3-Shops (nur teilweise rückgängig gemacht)
Die Argumente sind nicht neu, aber sie treiben Sony in eine Sackgasse. Ein reines Digitalmodell würde Millionen Stammkunden vergraulen.
Zahlen und Fakten zur Bewegung
Die Petition "No Disc, No Buy" auf Change.org sammelte bis Juni 2026 über 720.000 Unterschriften. Eine Umfrage von YouGov im März 2026 ergab, dass 47 % der PS5-Besitzer in Deutschland ein reines Digitalmodell ablehnen würden. In Südeuropa und Osteuropa liegt der Anteil physischer Käufe noch höher: In Polen kaufen 61 % der Gamer ihre Spiele auf Disc.
Der Anteil physischer Spiele am Gesamtmarkt in Europa fiel von 32 % (2020) auf geschätzte 18 % (2025). Doch der Rückgang verlangsamt sich seit zwei Jahren, ein Indiz, dass der Disc-Kern stabil bleibt. Sony selbst verkaufte 2025 noch über 40 Millionen Discs für PS4 und PS5, ein Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.
Sonys heikle Balance
Die PS5 Pro (2024) bot ein abnehmbares Laufwerk als Extra, ein fauler Kompromiss. Die PS6-Gerüchte? Vage. Kein offizielles Wort von Sony zur Zukunft der Disc. Stattdessen schweigt man sich aus.
Das wirkt nicht souverän, sondern wie ein Rückzug in den Bunker. Man wartet ab, ob der Sturm vorüberzieht. Tut er nicht.
Retro-Faktor und Archivierung
Für Retro-Fans sind Discs unverzichtbar. PlayStation besitzt die größte Bibliothek physischer Spiele aller Zeiten, von der PS1 bis zur PS5. Ein Digital-only-Store könnte alte Titel unspielbar machen, sobald Lizenzen auslaufen.
Sony müsste einen Offline-fähigen Backkatalog garantieren. Das tut es nicht. Im Juli 2025 entfernte Sony 30 PS1-Klassiker aus dem PS Plus Premium-Katalog, darunter Colony Wars und Twisted Metal 2. Vier Titel wurden nie wieder digital angeboten, exklusiv auf Disc erhältlich.
Vergleich mit Microsofts Weg
Microsofts Xbox Series S (ohne Laufwerk) verkaufte sich bis Ende 2025 über 32 Millionen Mal, etwa 55 % aller Xbox-Series-Modelle. Das lag am niedrigen Einstiegspreis (299 Euro) und Game Pass. Doch die Community protestierte nicht mit „No Disc“, weil Xbox physische Spiele ohnehin seit 2016 auf Play Anywhere setzt und Discs oft nur als Lizenzträger dienen.
Sony hingegen bindet viele Exklusivtitel physisch: Gran Turismo 7, God of War Ragnarök, Spider-Man 2. Ein reiner Digital-Store würde diesen Marktvorteil untergraben. Jim Ryan (CEO bis 2024) sagte in einem internen Memo, das 2025 durchsickerte: „Die Disc ist für uns kein Produkt, sondern eine Versicherung gegen Kundenverlust.“ Die Versicherung läuft aus.
Der Druck wird nicht kleiner
Am 25. Juli 2026 ist die Debatte heißer denn je. Jede neue Ankündigung von Sony wird unter dem Brennglas der „No Disc, No Buy“-Bewegung betrachtet. Der Bunker mag sicher wirken, aber die Luft wird dünn.