Die große KI-Hoffnung
Seit Jahren träumen Entwickler von NPCs, die sich wie echte Menschen anfühlen. Seed ist ein MMO, das genau diesen Traum verwirklichen will.
KI-gesteuerte Avatare sollen die Spielwelt bevölkern und für dynamische Alltagsinteraktion sorgen. Die Realität sieht leider anders aus.
Was PCGamer berichtet
- Die Kollegen von PCGamer testeten Seed und stießen auf enttäuschende Dialoge.
- Ihr Kommentar: "It's such a vibe!", eine ironische Spitze, die zeigt, wie sehr die Stimmung leidet.
- Statt lebendiger Unterhaltung liefern die Avatare crappy chatbot dialogue, der jede Illusion einer echten Welt zerstört.
Warum das so weh tut
In einem Life-Sim-MMO geht es um Gemeinschaft, Beziehungen und alltägliche Interaktion. Wenn die KI-Bewohner nur hölzerne Phrasen abspulen, fühlt sich das an wie ein schlecht programmierter Roboter aus den 2010ern.
- Die Dialoge wirken austauschbar, ohne Bezug zur aktuellen Spielsituation.
- Spieler werden ständig aus der Immersion gerissen, weil die Antworten nie zum Kontext passen.
Ein bekanntes Problem
Seed ist nicht das erste Spiel, das an dieser Hürde scheitert. KI-Dialoge klingen oft hohl, weil die zugrunde liegenden Sprachmodelle nicht fein genug auf konkrete Spielwelten abgestimmt sind.
- Die Technik an sich ist da, aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.
- PCGamer zeigt: Gute Dialoge erfordern mehr als nur einen generischen Chatbot anzudocken.
Die Entwickler von Seed
Seed wird von Klang Games entwickelt, einem Studio mit Sitz in Berlin. Gegründet 2013 von ehemaligen Mitarbeitern von Linden Lab (Second Life) und Electronic Arts.
- Die Kernmannschaft um CEO Mundi Ross und CTO Gunnar Clovis arbeitete zuvor an der virtuellen Welt Cloud Party, die 2013 eingestellt wurde.
- Klang Games startete mit einem Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter (2016) für Seed, die rund 140.000 Euro einbrachte.
- Insgesamt sammelte das Studio über 30 Millionen Euro Risikokapital, unter anderem von Supercell und Riot Games.
Frühere Releases des Studios
Vor Seed veröffentlichte Klang Games nur ein einziges Spiel: Reus (2013), ein God-Game, in dem Spieler mit Riesen die Erdgeschichte formen.
- Reus verkaufte sich über 800.000 Mal auf Steam und erhielt „Sehr positiv“-Bewertungen (92 % Zustimmung).
- Ein Nachfolger Reus 2 wurde 2021 angekündigt, aber nie fertiggestellt. Die Entwicklung wurde zugunsten von Seed eingestellt.
- Seed selbst startete im November 2023 in den Steam Early Access zum Preis von 24,99 Euro. Aktuelle Bewertungen: „Gemischt“ (62 % positiv, Stand März 2025).
Wo andere Spiele ähnlich scheiterten
Das Problem hölzerner KI-Dialoge begleitet die Branche seit Jahrzehnten. The Elder Scrolls IV: Oblivion (2006) bewarb seine Radiant AI als revolutionär, lieferte aber nur wiederholte Floskeln.
- No Man’s Sky (2016) setzte auf prozedurale NPCs mit drei Sätzen pro Alien. Nach acht Jahren Updates haben diese immer noch keine situationsbezogenen Antworten.
- Starfield (2023) ließ Spieler mit Dutzenden Questgebern reden, deren Standard-Fragen wie „Was gibt es Neues?“ meist mit generischen Dialogen beantwortet wurden.
- Ein Vergleich mit Façade (2005), einem interaktiven Drama mit einem KI-Ehepaar, zeigt: Selbst 20 Jahre alte Systeme schafften mehr Kontextbezug als Seed 2025.
Was vom Experiment bleibt
Das MMO Seed hat interessantes Potenzial, aber die KI-Dialoge sind ein massiver Minuspunkt. Fans der Lebenssimulation müssen hoffen, dass die Entwickler nachbessern.
Bis dahin gilt: Lieber mit echten Freunden quatschen als mit den Avataren. Der Vibe ist leider nur ein hohler Spruch, und ein Early-Access-Spiel, das nach 18 Monaten Entwicklung noch immer an dieser Grundlage scheitert.