Die Frage, die alle umtreibt
Der 29. September 1995 markierte den Europa-Start der ersten PlayStation. Seitdem hat Sony fünf Heimkonsolen auf den Markt gebracht, von der PS1 über die PS2, PS3 und PS4 bis zur aktuellen PS5, die sich bisher über 93 Millionen Mal verkauft hat. Im November 2024 kam mit der PS5 Pro sogar eine aufgebohrte Variante dazu. Doch welcher Launch bot die stärkste Spieleauswahl? Die Antwort überrascht: Nicht PS5 oder PS4, sondern die Ur-PlayStation hatte das beste Start-Lineup.
Die Kandidaten im Überblick
- PS1 (1995 in Europa): Launch mit Ridge Racer, Wipeout, Battle Arena Toshinden und Doom (in der SNES-Portierung)
- PS2 (2000): Start mit Tekken Tag Tournament, SSX, Ridge Racer V und TimeSplitters
- PS3 (2006/2007): Schwacher Auftakt mit Ridge Racer 7, Resistance: Fall of Man und Genji: Days of the Blade
- PS4 (2013): Lineup um Killzone: Shadow Fall, Knack und Battlefield 4, solide, aber ohne einen echten Hit
- PS5 (2020): Start mit Spider-Man: Miles Morales, Demon’s Souls Remake und Astro’s Playroom, stark, aber viele Titel waren auch auf PS4 erhältlich
Warum die PS1 den Tag für sich entschied
Die erste PlayStation hatte das Glück, als Newcomer anzutreten. Während Sega und Nintendo auf etablierte Marken setzten, präsentierte Sony eine frische Mischung aus Arcade-Umsetzungen und neuen IPs. Titel wie Wipeout definierten den Soundtrack-Stil mit elektronischer Musik, während Ridge Racer das Gefühl von 3D-Rennspielen perfekt transportierte. Kein anderes Launch-Lineup der PlayStation-Geschichte brachte gleichzeitig mehrere Spiele hervor, die später als Klassiker galten.
Die PS2 hatte mit Tekken Tag Tournament zwar einen starken Anker, aber viele Launch-Titel waren technisch kaum besser als PS1-Spiele. Die PS4 startete mit Killzone: Shadow Fall, das die Grafik-Power zeigte, aber spielerisch nicht begeistern konnte. Die PS5 lieferte mit Demon’s Souls einen echten Next-Gen-Hit, doch das Spiel war ein Remake und kein völlig neues Erlebnis.
Sony als Studio-Geschichte: Der Mut zum Neustart
Zu Beginn der 90er experimentierte Sony mit der SNES-CD-Erweiterung für Nintendo. Nach dem Bruch mit Nintendo entschied sich das Unternehmen, eine eigene Konsole zu entwickeln. Der PS1-Erfolg basierte auf der Zusammenarbeit mit externen Studios wie Psygnosis (Wipeout) und Namco (Ridge Racer). Diese Entwickler hatten zuvor Arcade-Spiele produziert und brachten diese Erfahrung in die 3D-Umgebung ein.
Die PS1-Sammlung umfasste später Hits wie Final Fantasy VII, Metal Gear Solid und Gran Turismo. So entstand eine Marke, die auf Technologieoffenheit und Third-Party-Unterstützung setzte, ein Modell, das Sony bis heute verfolgt.
Branchenkontext: Ein Vergleich mit heute
- Die PS5-Launch mit Miles Morales und Demon’s Souls verkaufte sich gut, aber viele Spieler hielten an der PS4 fest, da die meisten neuen Titel auch auf der alten Konsole liefen
- Die PS4 im Jahr 2013 stand vor ähnlichen Problemen: Die Nachfrage war riesig, aber die exklusiven Launch-Titel waren dünn
- Die PS3-Perspektive: Der hohe Preis von 599 US-Dollar und die komplexe Cell-Architektur sorgten für einen langsamen Start
- Die PS2 profitierte von der DVD-Funktion und der Abwärtskompatibilität zur PS1, was den Kauf attraktiv machte
Die PS1 hatte den Vorteil, dass sie in einem Markt startete, der noch keine vergleichbare Konsole kannte. Die Konkurrenz durch den Sega Saturn war in Europa kaum präsent, und Nintendo setzte mit dem N64 auf Cartridges, was viele Spieleentwickler verärgerte.
Die Messlatte für alle späteren Launches
Sony legte mit der PS1 eine Latte, die später kaum erreicht wurde. Das Gefühl, ein völlig neues Spielerlebnis in den Händen zu halten, war bei den folgenden Konsolen weniger ausgeprägt. Die PS2 war eine Weiterentwicklung, die PS3 viel zu teuer und verschachtelt, die PS4 zu konservativ. Die PS5 ist die leistungsfähigste Konsole bisher, aber das Launch-Lineup war im Kontext gesehen nur zweitbeste Wahl.
Ein Blick auf die Zahlen und Fakten
- 93 Millionen Verkäufe der PS5 (Stand 2025) zeigen, dass der Markt die Konsole annimmt, trotz Kritik am Launch-Angebot
- Die PS1 verkaufte sich über 102 Millionen Mal, das erfolgreichste Modell ist aber die PS2 mit über 155 Millionen
- Die PS5 Pro ist eine Mid-Generation-Upgrade, die im November 2024 erschien und die Basis-PS5 ergänzt
- Die erste PS1 hatte im Jahr 1995 in Europa nur eine überschaubare Auswahl, aber fast alle Titel wurden zu Kult-Klassikern
Der Retro-Zauber der ersten Stunde
Wenn man heute auf die Anfänge zurückblickt, fällt auf: Die PS1-Launch-Titel hatten trotz einfacher Grafik eine Energie, die späteren Generationen fehlt. Wipeout mit seinem Techno-Soundtrack und Ridge Racer mit seiner Drift-Mechanik waren nicht nur Spiele, sondern kulturelle Statements. Kein späterer PlayStation-Launch konnte diesen Zeitgeist einfangen.
Die Antwort auf die Frage nach dem besten Launch ist also klar: Es war die erste PlayStation. Sie legte den Grundstein für eine Marke, die 30 Jahre später immer noch relevant ist. Die PS5 mag technisch überlegen sein, aber sie kann diesen historischen Moment nicht wiederholen.