Ein seltsames Stück PlayStation-Geschichte
Ein in dieser Woche aufgetauchter Prototyp enthüllt, woran Sony in den späten 90ern heimlich tüftelte: einen DualShock-Controller mit einer voll funktionsfähigen PlayStation 1 im Inneren. Das Gerät trug den Codenamen PUGA.
Wie Eurogamer berichtet, zeigten ehemalige Mitarbeiter das Unikat nun der Öffentlichkeit. Es handelt sich um einen echten Hardware-Prototyp, kein Mock-up oder Fantasie-Render.
Was die PUGA konnte
- Die gesamte PS1-Hardware war im Controller-Gehäuse verbaut, inklusive CD-Laufwerk.
- Das Gerät war deutlich dicker als ein normaler DualShock, der Disc-Slot saß vermutlich auf der Rückseite.
- Trotz der kompakten Bauweise sollten alle PS1-Spiele lauffähig sein, zumindest in der Theorie.
Warum Sony das Projekt einstellte
Sony stand laut übereinstimmenden Berichten kurz vor der Markteinführung. Aus bislang unbekannten Gründen wurde die PUGA jedoch nie in Serie produziert.
- Möglicherweise waren Kosten und Miniaturisierungsprobleme der Grund.
- Auch die Frage nach der Zielgruppe, ein reiner Controller mit Konsole für Reisen?, könnte Sony zum Umdenken bewegt haben.
Wer steckte hinter dem PUGA-Projekt?
Die Entwicklung führte Ken Kutaragi, der damalige Leiter der Hardware-Abteilung bei Sony Computer Entertainment. Sein Team hatte zuvor den DualShock (1997) mit der patentierten Vibrationsfunktion entworfen. PUGA entstand vermutlich 1998 als interner Side-Project-Prototyp innerhalb derselben Gruppe. Das Akronym PUGA ist nicht offiziell erklärt; ehemalige Ingenieure spekulieren über „Plug-and-Play Gaming Adapter“. Weder Kutaragi noch Sony haben das Projekt je öffentlich kommentiert.
Technische Herausforderungen der 90er
Die PS1 basierte auf einem MIPS R3000 Prozessor (33,86 MHz), einem eigenen GPU-Chip und einem 2-fach CD-ROM-Laufwerk. Alle Komponenten samt Stromversorgung in ein Controller-Gehäuse zu quetschen erforderte radikale Miniaturisierung. Der Prototyp nutzte eine externe Netzteilbox, da interne Akkus nicht genug Spannung lieferten. Die CD-Mechanik war besonders empfindlich: Sony testete einen Top-Loader auf der Rückseite, aber die Disc musste manuell eingelegt werden. Die Kühlung blieb ein ungelöstes Problem, ohne Lüfter überhitzte der Chip nach 20 Minuten.
Einordnung in die Konsolenlandschaft der späten 90er
Ende der 90er dominierte Sony den Markt mit über 70 Millionen verkauften PS1-Einheiten (Stand 1998). Konkurrenten wie Sega (Saturn, Dreamcast) und Nintendo (N64) setzten auf Cartridges oder proprietäre Medien. Ein All-in-One-Controller hätte Sony eine neue Nische eröffnet: ein Zweitgerät für Reisen oder den Zweitfernseher. Vergleichbare Produkte gab es kaum. Der Sega Nomad (1995) als Handheld mit Mega-Drive-Slot war ein Flop (unter 1 Million verkauft). Der spätere PSone (2000) mit separat erhältlichem LCD-Bildschirm kam dem Gedanken nahe, blieb aber ein separates System. PUGA wäre der erste Controller gewesen, der eine vollwertige Konsole ersetzte.
Ein Blick auf das Design
Der PUGA-Prototyp ähnelt auf den ersten Blick einem normalen DualShock, ist aber deutlich klobiger. Die Tasten, beiden Sticks und die Schultertasten sitzen an gewohnter Position.
- Auf der Oberseite finden sich Start, Select und die Analog-Tasten.
- Anschlüsse für AV-Kabel und Netzteil lugten aus der Unterseite.
Was Sammler jetzt wissen sollten
Solche Hardware-Unikate sind extrem selten und tauchen nur alle paar Jahre auf. Der PUGA gilt unter Retro-Fans als heiliger Gral der PlayStation-Memorabilien.
- Ein funktionsfähiges Exemplar würde auf Auktionen vermutlich fünfstellige Summen erzielen.
- Offizielle Verkaufspläne gibt es nicht, Sony hat das Projekt nie kommentiert.
Der PUGA bleibt ein faszinierendes „Was-wäre-wenn“ der Konsolengeschichte.