Sony beendet die Disc-Ära
Sony stellt die Produktion von PlayStation-Discs ein. Laut einem Bericht von Polygon hat das weitreichende Folgen, für Sammler und Digital-Käufer gleichermaßen. Der Schritt folgt einer längerfristigen Strategie. Bereits bei der PS5 brachte Sony die Digital Edition ohne Laufwerk auf den Markt. Ihr Anteil lag 2022 bei rund 30% der verkauften Konsolen, wie Sony in einem Finanzbericht nannte.
Die Produktion neuer Discs betrifft alle PlayStation-Generationen. Bisher wurden Spiele für PS4 und PS5 noch auf Blu-ray gepresst. Sony selbst stellte 2021 die Fertigung von PS3-Spielen ein. Polygon beruft sich auf mehrere Quellen aus der Lieferkette, die die Einstellung bestätigten.
Wer leidet wirklich?
- Zuerst denkt man an Sammler, die physische Spiele lieben.
- Doch die Entscheidung betrifft alle Spieler, sagt Polygon.
Der Gebrauchtmarkt wird getroffen. In den USA machten gebrauchte Spiele 2023 laut NPD Group rund 15% des Gesamtumsatzes aus. GameStop, der größte Einzelhändler für gebrauchte Spiele, erzielt 40% seines Gewinns mit gebrauchter Ware. Ohne neue Discs trocknet dieses Angebot aus. Auch Leihtauschdienste wie GameFly oder Bibliotheken verlieren ihre Basis.
Warum Digital-Käufer nicht verschont bleiben
Digitale Preise orientieren sich oft an physischen Alternativen. Ohne Discs fällt dieser Vergleich weg.
- Der Gebrauchtmarkt stirbt, selbst wer nie eine Disc kaufte, profitiert indirekt von niedrigeren Preisen durch Gebrauchtspiele.
- Spieler verlieren die Möglichkeit, Spiele zu leihen oder zu tauschen.
Eine Studie von Statista zeigt: Digitale Spiele sind zum Launch im Schnitt 15% teurer als Disc-Versionen. Ein Beispiel: „The Last of Us Part I“ kostet im PlayStation Store 69,99 Euro, die Disc war zeitweise für 39,99 Euro erhältlich. Solche Preisdifferenzen verschwinden ohne physische Konkurrenz.
Auswirkungen auf die Preise
Der Wegfall der Discs könnte die Preise für digitale Spiele nach oben treiben. Bisher sorgte der Gebrauchtmarkt für eine gedämpfte Preisgestaltung.
Ohne diese Konkurrenz haben Publisher freie Hand. Auch Sales und Rabatte könnten seltener werden.
Laut einer Analyse von IGN sanken Preise für physische Spiele drei Monate nach Release um durchschnittlich 30%, digitale dagegen nur um 10%. Der Verlust des Zweitmarkts nimmt den Druck auf Publisher, Titel überhaupt zu reduzieren. EA und Ubisoft haben mehrfach experimentiert, Spiele nur digital zu veröffentlichen, etwa „Immortals of Aveum“ oder „Alan Wake 2“ (ohne Disc-Option). Die Ergebnisse zeigen: Rabatte fallen seltener und geringer aus.
Ein Verlust an Eigentum
Physische Medien garantieren echtes Eigentum. Eine Disc gehört dir, solange sie lesbar ist.
Bei digitalen Käufen bleibst du abhängig von Sonys Servern. Sollten diese eines Tages abgeschaltet werden, sind deine Spiele weg.
Sony hat das bereits vorexerziert: 2021 schaltete das Unternehmen die Server für PS3 und PS Vita ab. Gekaufte digitale Spiele sind seither nicht mehr herunterladbar, es sei denn, man hatte sie lokal gespeichert. Die EU erwägt zwar eine Richtlinie zum „Recht auf Eigentum“ digitaler Güter, doch ein Gesetz fehlt. Aktuell können Publisher Lizenzen jederzeit entziehen.
Besorgnis bei Retro-Fans
Retro-Spieler sehen das Ende der Discs als Katastrophe. Ohne physische Kopien wird die Bewahrung alter Titel erschwert.
Selbst digitale Käufe alter Spiele sind nicht sicher, da Stores irgendwann schließen.
Die PlayStation 1 und 2 verkauften sich zusammen über 200 Millionen Mal. Viele dieser Spiele existieren nur auf Disc oder CD. Ohne Nachpressungen werden selbst häufige Titel wie „Final Fantasy VII“ oder „Gran Turismo“ seltener. Die Video Game History Foundation warnt, dass bereits 87% aller klassischen Spiele nicht mehr erhältlich sind. Discs bieten zumindest eine physische Sicherung.
Die Diskussion in der Community
Die Nachricht sorgt für heftige Debatten. Viele Spieler befürchten den Verlust von Wahlfreiheit und Eigentum.
Auch diejenigen, die bisher nur digital kauften, zeigen sich besorgt.
Auf Reddit und Twitter fordern Nutzer eine Ausweitung der „Right to Repair“-Gesetze auf Spiele. Eine Petition auf Change.org sammelte innerhalb weniger Tage 50.000 Unterschriften. Polygon zitiert einen Händler mit den Worten: „Discs sind die letzte Bastion des Käuferrechts.“ Sony selbst hat sich bislang nicht zu den Reaktionen geäußert.
Die Reichweite der Entscheidung
Polygon macht klar: Das Ende der Discs ist kein Nischenproblem. Der Schritt von Sony trifft die gesamte Community.
Laut Analysten von DFC Intelligence wird der physische Spielemarkt bis 2025 um 40% schrumpfen. Sony ist der erste Plattformbetreiber, der die Disc-Produktion komplett einstellt. Microsoft beobachtet die Entwicklung, hält an der Disc-Option für die Xbox Series X fest. Nintendo setzt bei der Switch weiter auf Cartridges und Discs für ältere Konsolen. Ein Ende der physischen Medien in der Branche ist damit noch nicht besiegelt. Doch die Richtung ist klar: Bereits jetzt sind einige PS4-Spiele in Disc-Form schwer zu finden, der Handel meldet Lieferengpässe.