Ein Preissprung mit Ansage
Ab dem 1. Juli kostet der Plex Pass für das lebenslange Abonnement 750 US-Dollar. Bisher lag der Preis bei 250 Dollar, was eine Steigerung um den Faktor drei bedeutet.
Die Plex Inc. mit Sitz im kalifornischen Los Gatos wurde 2008 als Fork von XBMC (heute Kodi) gegründet. Ursprünglich für das Apple TV der ersten Generation entwickelt, markierte das Projekt den Übergang von einer reinen Software-Bastellösung hin zu einem kommerziellen Produkt.
Die Details zur Preiserhöhung
- Der neue Preis von 750 Dollar tritt zum 1. Juli in Kraft.
- Bestehende Lifetime-Abonnenten behalten ihren Status ohne zusätzliche Kosten.
- Monatliche und jährliche Tarife bleiben von der Erhöhung unberührt.
Plex operiert seit Jahren in einem Spannungsfeld zwischen Software-Verkauf und dem Aufbau eines eigenen Streaming-Dienstes. Der Plex Pass schaltet Funktionen wie Hardware-Transcoding, den Plex DVR für Live-TV oder den Offline-Sync frei.
Die Preispolitik war in der Vergangenheit von häufigen Rabattaktionen geprägt, die den Lifetime-Preis oft auf 75 bis 120 Dollar drückten. Diese Strategie diente vor allem der schnellen Nutzerakquise und der Finanzierung von Entwicklungskosten durch den Verkauf von Nutzerdaten und Werbeplatzierungen.
Warum die Community tobt
- Nutzer kritisieren die Abkehr vom reinen Medienserver-Modell zugunsten werbefinanzierter Inhalte.
- Die Preisgestaltung wirkt wie ein Versuch, die Monetarisierung der verbliebenen Power-User zu maximieren.
- Viele langjährige Kunden fühlen sich durch die Ausrichtung in Richtung FAST-Channels (Free Ad-Supported Streaming TV) entfremdet.
Die Konkurrenz durch Jellyfin verschärft den Ärger der Nutzer. Jellyfin ist ein Open-Source-Projekt, das 2018 als Abspaltung von Emby entstand und sämtliche Premium-Features wie Transcoding kostenlos anbietet. Da die Software lokal läuft, entfällt bei Jellyfin die Abhängigkeit von zentralen Servern, was die Privatsphäre gegenüber Plex stärkt.
Ein Blick zurück auf das Vertrauen
Das Geschäftsmodell von Plex veränderte sich schleichend von einer reinen Software-Lizenz hin zu einem Cloud-basierten Dienstleistungsmodell. Frühe Nutzer zahlten für ein Tool, das ihre lokale Hardware verwaltete, während das heutige Produkt zunehmend den Zugriff auf die Server von Plex erfordert.
Die Geschichte der Plattform ist durch mehrere Finanzierungsrunden geprägt, bei denen Investoren wie Kleiner Perkins oder InterWest Partners Millionenbeträge investierten. Diese Investoren fordern nun eine höhere Rendite, was den Druck auf das Management der Plex Inc. erhöht, die Einnahmen pro Nutzer (ARPU) zu steigern.
Im Vergleich dazu ist Emby, der zweite große kommerzielle Konkurrent, als geschlossenes System konzipiert. Während Emby ebenfalls ein Lifetime-Abo anbietet, verbleibt die volle Kontrolle über die Metadaten und die Server-Infrastruktur bei den Nutzern. Die Entscheidung von Plex, den Preis auf 750 Dollar anzuheben, lässt vermuten, dass das Unternehmen die Nutzerbasis für das klassische Modell als gesättigt betrachtet.
Neue Nutzer, die mit dem Gedanken spielen, in den Plex Pass zu investieren, müssen nun die Kosten-Nutzen-Rechnung gegen die monatliche Gebühr von 4,99 Euro abwägen. Bei einem angenommenen Lifetime-Preis von 750 Dollar würde es über zwölf Jahre dauern, bis sich die Einmalzahlung gegenüber einem monatlichen Abo amortisiert. Die meisten Nutzer haben ihre Hardware-Konfiguration jedoch bereits nach drei bis fünf Jahren grundlegend gewechselt.