Das plötzliche Aus für Westworld
Die Serie Westworld ist seit dem Verschwinden von den Plattformen von Warner Bros. Discovery für Zuschauer nicht mehr über offizielle digitale Wege zugänglich. Dieser Schritt folgte nur wenige Wochen nach der offiziellen Absetzung der Produktion nach vier Staffeln, obwohl eine fünfte Staffel ursprünglich geplant war.
Die Verantwortlichen löschten die Inhalte komplett aus dem hauseigenen Dienst Max. Hintergrund dieser Entscheidung sind steuerliche Abschreibungen im Rahmen der Fusion von WarnerMedia und Discovery unter CEO David Zaslav, die den Konzern zu massiven Sparmaßnahmen zwangen.
- Die Absetzung im November 2022 sparte dem Unternehmen Lizenzgebühren und Produktionskosten.
- Durch die Entfernung aus dem Dienst kann Warner Bros. Discovery den Buchwert der Produktion als Verlust steuerlich geltend machen.
- Zuvor wurden bereits andere Produktionen wie The Nevers oder Raised by Wolves aus dem Katalog getilgt.
Ein ironischer Kreislauf
Westworld basierte auf dem 1973 erschienenen Film von Michael Crichton, der die Gefahren einer technologisch kontrollierten Vergnügungswelt thematisierte. Die Serie wurde von Jonathan Nolan und Lisa Joy entwickelt, die zuvor mit Person of Interest ein ähnliches Thema über künstliche Intelligenz und Überwachung behandelten.
Die Produktion selbst unterliegt jetzt der Logik, die sie in ihrer Handlung kritisierte. Der Zuschauer verliert die Kontrolle über den Zugang zu den Inhalten an das Unternehmen, das die Datenhoheit besitzt.
- Fans können die Serie digital weder erwerben noch streamen.
- Physische Medien auf Blu-ray oder DVD bleiben die einzige verbleibende Option für dauerhaften Zugriff.
- Das Unternehmen spart durch das Löschen der eigenen Inhalte langfristig Server- und Wartungskosten.
Was bleibt den Zuschauern?
Der Zugriff auf die vier Staffeln ist derzeit stark eingeschränkt, da auch Lizenzvereinbarungen mit Drittanbietern wie Sky in Europa gekündigt oder nicht verlängert wurden. Viele Käufer digitaler Versionen auf Plattformen wie iTunes oder Amazon bemerken nun die rechtliche Fragilität ihres vermeintlichen Eigentums.
Bei einem digitalen Kauf erwerben Kunden laut AGB lediglich eine zeitlich begrenzte Lizenz zur Nutzung, kein physisches Eigentum. Sobald der Anbieter die Plattformrechte verliert oder die Serie aus dem Katalog entfernt, erlischt der Zugriff ohne Entschädigung.
- Die AGB der großen Anbieter schließen eine dauerhafte Garantie auf Verfügbarkeit meist explizit aus.
- Sammler von physischen Medien wie Blu-rays sind von diesen Maßnahmen nicht betroffen, da der Datenträger unabhängig von Server-Updates funktioniert.
- Drittanbieter-Plattformen wie FAST-Channels (Free Ad-supported Streaming TV) bieten mittlerweile Fragmente der Serie in anderen Märkten an, jedoch nicht unter der Kontrolle der ursprünglichen Abonnenten.
Die bittere Bilanz
Warner Bros. Discovery nutzt die eigene IP als steuerliches Instrument statt als bleibendes Kulturgut. Dieser Vorgang verdeutlicht die Abhängigkeit digitaler Bibliotheken von der kurzfristigen Bilanzpolitik börsennotierter Medienkonzerne.
Früher bedeutete der Kauf einer Serie den dauerhaften Besitz auf einem Datenträger. Heute löscht ein Algorithmus die gesamte Historie einer Produktion auf Knopfdruck aus den digitalen Datenbanken.
- Der Prozess der steuerlichen Abschreibung von Inhalten wurde unter Zaslav zum Standardinstrument der Bilanzsanierung.
- Im Jahr 2022 verbuchte das Unternehmen über 2 Milliarden Dollar an Abschreibungen, um die Schuldenlast der Fusion zu senken.
- Andere Studios beobachten diese Praxis genau, während die Akzeptanz für digitale Storefronts bei Sammlern durch solche Aktionen sinkt.
- Die physische Version von Westworld Staffel 1 bis 4 ist weiterhin im freien Handel verfügbar, sofern die Lagerbestände bei physischen Medienhändlern nicht erschöpft sind.