Das Erbe des Originals
Poltergeist II: The Other Side erschien 1986 unter der Regie von Brian Gibson durch das Studio MGM. Der erste Teil aus dem Jahr 1982, produziert von Steven Spielberg und inszeniert von Tobe Hooper, spielte weltweit über 121 Millionen US-Dollar bei einem Budget von nur 10,7 Millionen ein.
Das Sequel musste ohne den kreativen Input von Spielberg auskommen, der sich zu dieser Zeit auf seine eigenen Projekte konzentrierte. Die Familie Freeling kehrt in die Handlung zurück, doch das familiäre Fundament wirkt durch den Verlust der Tochter Carol Anne im Original belastet.
Was den Film auszeichnet
Die Produktion profitierte von einem Budget von 19 Millionen US-Dollar, was den Einsatz aufwendiger praktischer Effekte ermöglichte.
- Julian Beck starb kurz vor der Fertigstellung des Films an Magenkrebs, was seine ohnehin unheimliche Darstellung als Reverend Kane durch eine morbide Realität verstärkt.
- Die visuellen Effekte stammen von H.R. Giger, dem Schöpfer des Alien-Designs, dessen Handschrift besonders in der Gestaltung der „Beast“-Sequenz erkennbar ist.
- Der Einsatz von Stop-Motion-Animationen und komplexer Animatronik erzeugt eine haptische Qualität, die im Kontrast zu den digitalen Texturen heutiger Horrorfilme steht.
Branchenkontext und Historie
MGM versuchte mit diesem Release, das Poltergeist-Franchise als feste Marke im Kino zu etablieren. Während das Original als moderner Klassiker des „Suburban Horror“ gilt, orientierte sich die Fortsetzung eher an okkulten Fantasy-Motiven.
- Der Film konkurrierte 1986 mit anderen Genre-Größen wie Aliens und The Fly, die ebenfalls auf physische Effekte setzten.
- Die Serie wurde 1988 mit Poltergeist III fortgesetzt, der die Handlung nach Chicago verlegte und ohne die ursprüngliche Besetzung der Eltern auskommen musste.
- Die Marke geriet in den 80er Jahren in die Schlagzeilen, da mehrere Darsteller, darunter Heather O’Rourke und Dominique Dunne, kurz nach den Dreharbeiten verstarben, was den Ruf eines verfluchten Franchises begründete.
Schwächen in der Umsetzung
Das Drehbuch von Michael Grais und Mark Victor verlässt den Fokus auf das häusliche Grauen. Die Handlung verliert sich in esoterischen Erklärungen über die Vergangenheit von Kane und dessen Sektenanhängern.
- Die familiäre Dynamik zwischen Diane und Steve Freeling wirkt in der Fortsetzung distanziert, da die Bedrohung eher metaphysischer Natur ist.
- Der Film leidet unter dem Fehlen des subtilen Spannungsaufbaus, der den ersten Teil prägte.
- Einige Sequenzen, etwa der „Tequila-Wurm“, wirken durch die damalige Tricktechnik eher unfreiwillig komisch als bedrohlich.
Fazit für Zuschauer
Das Werk bleibt ein interessantes Dokument der 80er-Jahre-Effekte-Ära. Wer die handwerkliche Arbeit von Giger schätzt, findet in der Darstellung des „Reverend Kane“ eine der profiliertesten Antagonisten-Rollen des Jahrzehnts.
Die finale Konfrontation im spirituellen Untergrund ist ein Beispiel für den Mut zum Surrealen im damaligen Hollywood-Horror. Der Film erreichte nie die kommerziellen Spitzenwerte des Erstlings, doch er bewahrt eine düstere Atmosphäre, die sich von den zahlreichen Slasher-Filmen dieser Ära abhebt. Julian Becks schauspielerische Darbietung prägt das visuelle Gedächtnis des Films stärker als das eigentliche Skript.