Die Rückkehr der Gliedmaßen-Legende
Ubisoft entwickelt unter dem Codenamen Project Steambot Neuauflagen zweier klassischer Rayman-Titel. Die Arbeiten finden primär bei Ubisoft Montpellier statt, dem Studio, das bereits die Ursprünge der Serie in den 1990er Jahren verantwortete.
Das Studio ist durch die Entwicklung von Beyond Good & Evil sowie die jüngere Rayman-Reihe bekannt geworden. Aktuell steht die Organisation jedoch unter Beobachtung, da die Entwicklung von Beyond Good & Evil 2 seit über einem Jahrzehnt in einer komplizierten Produktionsphase feststeckt.
Welche Titel stehen zur Wahl?
Die engere Auswahl umfasst Rayman 2: The Great Escape und Rayman 3: Hoodlum Havoc. Während der zweite Teil den Sprung in die dritte Dimension mit einer präzisen Kameraführung meisterte, setzte der dritte Teil auf ein komplexes Punktesystem und stilisierte Kämpfe.
- Rayman 2 erschien 1999 auf der Nintendo 64 und wurde später auf fast jede damals verfügbare Plattform portiert, darunter die Dreamcast und PlayStation.
- Rayman 3 folgte 2003 und integrierte erstmals ein Combo-System für Kämpfe, das für Highscore-Jäger ausgelegt war.
- Beide Spiele verkauften sich weltweit millionenfach und festigten den Status der Marke als wichtigstes Maskottchen von Ubisoft.
Was erwartet die Spieler?
Die technische Umsetzung nutzt vermutlich die Snowdrop-Engine, die bereits bei Avatar: Frontiers of Pandora und Star Wars Outlaws zum Einsatz kam. Ob man sich für eine bloße Hochskalierung der Assets oder eine Neuerstellung der Geometrie entscheidet, hängt vom Budget der aktuellen Qualitätssicherung ab.
- Michel Ancel, der Schöpfer der Figur, verließ Ubisoft im Jahr 2020 nach Vorwürfen über toxische Arbeitsbedingungen im Studio Montpellier.
- Das Fehlen von Ancel bedeutet, dass das aktuelle Entwicklerteam die kreative DNA der Serie ohne den ursprünglichen Visionär neu interpretieren muss.
- Eine Anpassung der Steuerung ist notwendig, da die analogen Eingaben der frühen 2000er Jahre auf modernen Controllern oft zu einer zu hohen Empfindlichkeit führen.
Ein Blick auf die Historie
Seit dem Release von Rayman Legends im Jahr 2013 hat Ubisoft die Marke weitgehend ruhen lassen. Das Spiel verkaufte sich trotz positiver Kritiken schleppender als die Assassin’s Creed-Reihe oder Far Cry, weshalb Ubisoft den Fokus auf Blockbuster mit Games-as-a-Service-Elementen verlagerte.
- Rayman Legends nutzte die UbiArt Framework-Engine, die visuell handgezeichnete Grafiken in einer dreidimensionalen Umgebung ermöglichte.
- Die Integration in Mario + Rabbids: Sparks of Hope im DLC Rayman in the Phantom Show fungierte als erste öffentliche Resonanzprüfung für die Popularität der Figur nach zehn Jahren Abwesenheit.
- Die Verkaufszahlen der Rayman-Serie sanken nach dem Erfolg von Rayman Origins stetig, was die Entscheidung des Managements zur Pausierung der Reihe aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar machte.
Branchenkontext und Vergleich
Die Neuauflage von Rayman folgt dem Muster von Wettbewerbern wie Sony, die mit Ratchet & Clank oder Spyro Reignited Trilogy erfolgreich alte Marken für ein neues Publikum aufbereiteten. Ubisoft zielt mit diesem Schritt auf die Nostalgie-Welle ab, die derzeit den Markt für Plattformer dominiert.
- Die Branche reagiert verstärkt auf den Erfolg von Nintendo-Titeln wie Super Mario Odyssey, die den Bedarf an hochwertigen 3D-Hüpfspielen belegen.
- Historisch gesehen hat Ubisoft in den letzten Jahren kaum neue Singleplayer-Marken generiert, weshalb die Reaktivierung bekannter Franchises das Risiko minimiert.
- Project Steambot muss sich nach der Veröffentlichung an den Verkaufszahlen von Titeln wie Crash Bandicoot 4: It’s About Time messen lassen, um eine langfristige Wiederbelebung der Serie zu rechtfertigen.
Der aktuelle Stand
Eine offizielle Ankündigung durch Ubisoft fehlt weiterhin, da sich das Projekt in einem frühen Stadium befindet. Branchenbeobachter vermuten, dass eine Enthüllung erst erfolgt, wenn die technische Machbarkeit der Engine-Migration sichergestellt ist.
Die Wahl der Plattformen wird voraussichtlich die PlayStation 5, Xbox Series X/S sowie den Nachfolger der Nintendo Switch umfassen. Sollte das Projekt zur Marktreife gelangen, wird sich zeigen, ob das klassische Spielprinzip ohne die ursprüngliche kreative Leitung Bestand hat.