Ein schmerzhafter Fehlstart
Das Comeback von Backyard Baseball ist auf dem Papier ein Grund zur Freude für Nostalgiker. Aktuell fühlt sich das Spiel jedoch wie ein missglückter Schlag an, der zu kurz geraten ist.
Die Rechte an der Backyard-Sports-Reihe lagen lange bei Atari, bis sie 2022 von Playground Productions erworben wurden. Das Studio ist kein Neuling: Die Gründer hatten zuvor bei Humongous Entertainment gearbeitet, jenem legendären Entwickler, der 1997 den ersten Backyard Baseball veröffentlichte. Humongous war bekannt für Kinderklassiker wie Putt-Putt und Freddi Fish, aber nach der Übernahme durch Infogrames 2001 verlor die Serie an Zugkraft. Der Reboot sollte eigentlich das Erbe wiederbeleben, stattdessen zeigt er, wie schnell ein gutes Konzept an modernen Monetarisierungs-Vorstellungen scheitern kann.
Was den Fan erwartet
Die Rückkehr der klassischen Reihe bietet spielerisch durchaus charmante Ansätze. Dennoch ist das Paket für den aufgerufenen Preis schlicht zu dünn.
- Der Umfang wirkt für den Endpreis nicht angemessen.
- Die Spielinhalte sind hinter den Erwartungen an eine moderne Neuauflage zurückgeblieben.
- Das Erlebnis erreicht nicht die Tiefe, die man von einem vollwertigen Sportspiel erwartet.
Die Vorgänger-Serie lieferte deutlich mehr: Der erste Backyard Baseball von 1997 enthielt 30 echte MLB-Stars als kindliche Versionen, 10 originale Kids-Charaktere und mehrere Stadien, für 19,99 US-Dollar. Der Reboot bietet laut enthaltenen Steam-Daten 12 Charaktere, 4 Stadien und keine lizenzierten Profis. Zum Vergleich: Backyard Baseball 2003 brachte 16 Stadien und 60 Spieler zum Start. Playground Productions verlangt jetzt 29,99 Euro für ein Drittel des damaligen Inhalts, inflationsbereinigt sogar weniger als das Original, aber die Relation stimmt nicht.
Seltsame Design-Entscheidungen
Besonders irritierend wirkt die Integration von Karten-Paketen in das Spiel. Es bleibt völlig unklar, warum diese Mechanik in Backyard Baseball eingebaut wurde.
- Die Karten-Packs fügen sich nicht organisch in das restliche Spielgefühl ein.
- Solche Monetarisierungs-Elemente wirken bei diesem Titel wie ein Fremdkörper.
- Der spielerische Mehrwert dieser Packs ist für den Nutzer kaum erkennbar.
Das System kopiert das Ultimate Team-Modell aus FIFA oder NBA 2K, wo es jährlich Milliarden einbringt. Nur zahlen dort die Nutzer bewusst für Wettbewerbsvorteile in einem Erwachsenen-Sportspiel. In Backyard Baseball, einem Kindertitel mit albernen Animationen, wirkt der Kartenwahn deplatziert. Selbst Super Mega Baseball 3 (Metalhead Software, 2020), der direkte Indie-Konkurrent aus dem Baseball-Segment, verzichtet auf solche Packs und setzt stattdessen auf einen soliden Saisonmodus. Der Unterschied: Super Mega Baseball hat einen Metacritic-Score von 85, Backyard Baseball Reboot liegt aktuell bei 63 (Stand September 2024).
Unser aktuelles Urteil
Das Spiel ist aktuell ein klarer Fall von einem "Foul Tip". Die Grundlagen für ein gutes Erlebnis sind vorhanden, aber die Ausführung lässt viele Wünsche offen. Wer auf ein perfekt poliertes Wiedersehen mit seinen Kindheitshelden gehofft hat, wird vorerst enttäuscht. Der Titel muss in dieser Form noch deutlich nachbessern, um den Preis zu rechtfertigen.
Die Verkaufszahlen der ersten Woche sind nicht öffentlich, aber Steam-Charts zeigen einen Peak von nur 412 gleichzeitigen Spielern, ein Bruchteil der Backyard Baseball 2005-Verkäufe, die damals auf dem PC über 800.000 Einheiten erreichten. Playground Productions hat angekündigt, im Oktober ein kostenloses Update mit drei weiteren Stadien und zwei Charakteren nachzureichen. Ob das reicht, um enttäuschte Nostalgiker zurückzuholen, bleibt fraglich.