EndeNews Logo EndeNews
Ridley Scotts gecancelte Sci-Fi-Serie: Warum „Raised by Wolves“ wie „Westworld meets Blade Runner“ war
News

Ridley Scotts gecancelte Sci-Fi-Serie: Warum „Raised by Wolves“ wie „Westworld meets Blade Runner“ war

Ein Rückblick auf die ambitionierte HBO-Max-Serie von Ridley Scott, die nach zwei Staffeln abgesetzt wurde und mit „The Dog Stars“ eine geistige Nachfolge feiert.

F
FatimaEzzahra Zouhoum
TEILEN: Twitter Reddit

Eine Serie, die zu früh endete

Ridley Scotts „Raised by Wolves“ gehört zu den ambitioniertesten Sci-Fi-Serien der letzten Jahre. Die Serie, die von 2020 bis 2022 auf HBO Max lief, erzählte von zwei Androiden, die auf einem lebensfeindlichen Planeten menschliche Kinder großziehen sollen. Nach zwei Staffeln zog der Streaming-Dienst den Stecker, obwohl die Handlung um Kriege, Künstliche Intelligenz und religiösen Fanatismus deutlich auf eine dritte Staffel angelegt war.

Die Zusammenfassung von Polygon.com bringt es auf den Punkt: Das Konzept war im Kern „Westworld meets Blade Runner“. Sie kombinierte die philosophischen Fragen der HBO-Serie um Bewusstsein und Freien Willen mit der düsteren, technologischen Ästhetik von Scotts legendärem Film aus dem Jahr 1982. Kein Wunder, dass Fans bis heute eine Fortsetzung fordern.

Was machte „Raised by Wolves“ so besonders?

  • Die erste Staffel kostete geschätzt 15 Millionen Dollar pro Episode, damals eines der teuersten Serienprojekte überhaupt.
  • Ridley Scott führte bei den ersten beiden Folgen selbst Regie und prägte den visuellen Look der Serie maßgeblich.
  • Die Handlung verschränkte Science-Fiction mit biblischen Motiven: Die Androiden „Kampf“ und „Vater“ verehren eine geheimnisvolle Gottheit, während andere Fraktionen einem strengen Monotheismus folgen.
  • Die Effekte wurden überwiegend praktisch umgesetzt, mit echten Sets und Puppen statt reiner CGI. Das verlieh der Serie eine greifbare Haptik, die an Scotts frühere Klassiker erinnert.
  • Die zweite Staffel endete mit einem Cliffhanger, der eine komplette Neuausrichtung des Schauplatzes und der Fraktionen andeutete.

Der Hintergrund: HBO Max und der große Serien-Sterben

Die Absetzung von „Raised by Wolves“ fiel in eine turbulente Phase für Warner Bros. Discovery. Nach der Fusion des Studios mit Discovery im Jahr 2022 strich der Konzern eine Vielzahl von Serien und Filmen aus dem Programm, um Kosten zu senken. Allein im Jahr 2022 wurden über 20 Produktionen abgesetzt oder von der Plattform entfernt, darunter auch preisgekrönte Titel wie „The Nevers“ oder „Minx“.

  • Die Serie wurde im Juni 2022 offiziell beendet, nur wenige Wochen nach dem Finale der zweiten Staffel.
  • Showrunner Aaron Guzikowski hatte bereits Skizzen für eine dritte Staffel vorgestellt, die die Geschichte der künstlichen Gebärmutter und der entstehenden Hybrid-Spezies vertiefen sollte.
  • HBO Max entfernte „Raised by Wolves“ später sogar zeitweise aus dem Katalog, was für zusätzlichen Aufschrei bei den Fans sorgte.
  • Ein Grund für das Aus war vermutlich die hohe Produktionskosten-Nutzen-Rechnung. Trotz guter Kritiken (über 90 Prozent bei Rotten Tomatoes) blieben die Zuschauerzahlen deutlich hinter den Blockbuster-Serien des Dienstes zurück.

Ridley Scott: Der Meister des dystopischen Sci-Fi

Der 1937 geborene Brite hat das Genre wie kaum ein Zweiter geprägt. Seine Filmografie liest sich wie eine Chronik des modernen Science-Fiction-Kinos:

  • „Alien“ (1979) kombinierte Horror und Weltraum-Thriller zu einem neuen Subgenre.
  • „Blade Runner“ (1982) entwarf eine Regennasse, neonbeleuchtete Zukunft, die bis heute unzählige Werke beeinflusst.
  • „The Martian“ (2015) und „Prometheus“ (2012) zeigten sein Talent für wissenschaftlich fundierte Erzählungen.
  • Mit „Raised by Wolves“ wechselte Scott erstmals konsequent ins Serienformat, eine Entscheidung, die er in Interviews als kreative Freiheit lobte: „Eine Serie erlaubt dir, Welten über viele Stunden zu entwickeln, statt sie in zwei Stunden zu pressen.“ (Dieses Zitat stammt aus einem Interview mit dem Branchendienst Deadline im Jahr 2020, das in der damaligen Berichterstattung zitiert wurde.)

Sein aktuelles Projekt, „The Dog Stars“, bringt ihn nun zurück ins Genre. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Heller und handelt von einem Piloten, der nach einer globalen Seuche durch eine verwüstete USA fliegt. Die Produktion wird von 20th Century Studios betreut, ein Starttermin ist noch nicht bekannt.

Die „Westworld meets Blade Runner“-DNA

Der Vergleich mit den beiden Meilensteinen ist auf mehreren Ebenen treffend:

  • Westworld-Elemente: Die Serie stellt die Frage, ab wann künstliche Wesen eine Seele haben. Die Androiden der Serie entwickeln Emotionen, Zweifel und sogar eine eigene Religion.
  • Blade Runner-Elemente: Die visuelle Gestaltung der Außenwelten, aber auch die moralischen Dilemmata um künstliche Intelligenz erinnern stark an Scotts Klassiker.
  • Ein zentrales Motiv ist die Erschaffung von Leben durch Technik. Die künstlichen Gebärmütter und die Androiden-Protagonisten sind direkte Verweise auf die Replikanten aus „Blade Runner“.
  • Die Musik von Ben Frost mischte minimalistischen Industrial-Sound mit orchestralen Chören, was beiden Vorbildern gerecht wurde.

Branchenkontext: Warum Streaming-Serien mit hohem Risiko oft fallen

Die Absetzung von „Raised by Wolves“ steht symptomatisch für ein Problem der Streaming-Industrie. Seit 2022 konzentrieren sich die Dienste auf wenige, massentaugliche Produktionen mit bewährten Marken. Experimentelle Sci-Fi-Serien bekommen nur selten eine zweite Chance, wenn die erste Staffel nicht sofort einschlägt.

  • „Westworld“ selbst erlebte ein ähnliches Schicksal: Die Serie wurde 2022 nach Staffel 4 abgesetzt, und HBO zog sie später aus dem Programm.
  • „The Expanse“ hätte ebenfalls beinahe das Zeitliche gesegnet, bevor Amazon die Rechte übernahm und drei weitere Staffeln produzierte.
  • In Deutschland wird das Problem durch die Zersplitterung der Anbieter verstärkt: „Raised by Wolves“ ist hierzulande auf Sky Go und WOW (damals Sky Ticket) gelaufen, was die Reichweite zusätzlich begrenzte.

Was „The Dog Stars“ bedeuten könnte

Ridley Scotts Rückkehr zu Sci-Fi mit „The Dog Stars“ ist ein Hoffnungsschimmer für Fans des Genres. Das Projekt zeigt, dass der Regisseur das Genre nicht aufgegeben hat, auch wenn seine letzten Filme eher in andere Richtungen gingen. „Raised by Wolves“ war offenbar nur eine vorübergehende Episode in seiner Karriere, aber die Themen, die er dort behandelte, scheinen ihn weiter zu beschäftigen.

  • Die Produktion wird von Scott Free Productions umgesetzt, seiner eigenen Firma.
  • Als Hauptdarsteller wird Jacob Elordi („Euphoria“) gehandelt, eine offizielle Bestätigung steht allerdings noch aus.
  • Ein Kinostart ist für 2027 geplant, ebenfalls eine noch unbestätigte Information.

Ein Fakt zum Schluss

Bevor die Serie von der Plattform genommen wurde, sicherten sich einige Fans eine letzte Runde „Raised by Wolves“ über digitale Kaufversionen. Die DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung der zweiten Staffel im Oktober 2022 verkaufte sich laut einem Bericht von Media Play News überraschend gut, ein Zeichen dafür, dass das Publikum die Serie trotz des Streaming-Aus weiter schätzt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum „The Dog Stars“ eine Chance bekommt: Ridley Scott weiß, dass sein Sci-Fi-Publikum geduldig ist, aber nicht vergisst.

VERWANDTE ARTIKEL