Die vergangene Woche war ein Tiefpunkt, und die nächste droht noch schlimmer zu werden
Am 22. Juni starb Ubisoft-Mitgründer Claude Guillemot bei einem Flugzeugabsturz. Yves Guillemot würdigte seinen Bruder als Visionär mit „unerschütterlichem Optimismus“. Claude Guillemot war einer der fünf Brüder, die Ubisoft 1986 in Frankreich gründeten. Das Unternehmen wuchs von einem kleinen Publisher (erster Hit: Rayman, 1995) zum Global Player mit Franchises wie Assassin’s Creed und Far Cry.
Im Schatten dieser Tragödie eskalierte der Streit um God of War: Laufey, Spieler warfen Santa Monica Studios vor, narrative Entscheidungen aus „Gender“-Gründen zu treffen. Santa Monica Studio, gegründet 1999, ist bekannt für die God of War-Reihe, die 2005 auf PS2 startete. Der letzte Hauptteil God of War Ragnarök (2022) verkaufte sich über 15 Millionen Mal. Der neue Ableger Laufey, benannt nach der Mutter von Loki, fokussiert erstmals eine weibliche Hauptfigur. Die Kontroverse erinnert an ähnliche Debatten um The Last of Us Part II (2020).
Massenentlassungen und ein Ende der Disc-Ära
Am 25. Juni begannen die befürchteten Xbox-Entlassungen: Compulsion Games (South of Midnight) traf es zuerst. Das kanadische Studio wurde 2009 gegründet, von Microsoft 2018 übernommen. Ihr letztes Spiel We Happy Few (2018) erhielt gemischte Kritiken und verkaufte knapp 2 Millionen Exemplare. Bungie strich „den Großteil“ des Destiny-Teams und Teile des Marathon-Teams, Studiochef Justin Truman trat zurück. Bungie, einst Entwickler von Halo (2001–2010), wurde 2022 von Sony für 3,6 Milliarden Dollar übernommen. Destiny 2 (2017) generierte über 6 Milliarden Dollar Umsatz, doch die Spielerzahlen sinken seit 2023.
Microsoft kündigte eine Xbox-Preiserhöhung für August an, eine weitere für 2027/28 folgt. Die Konsole kostet aktuell 500 Euro (Series X), ab August 530 Euro. Branchenvergleich: Die PlayStation 5 hatte 2022 eine Preiserhöhung von 50 Euro.
- Sony zieht nach: Die PS6 wird nicht mehr mit Verlust verkauft, das Gerät wird teuer. Historisch wurden Konsolen oft unter Herstellungskosten verkauft. Die PS5 kostete Sony etwa 450 Dollar in der Produktion, verkauft für 500 Dollar, der Verlust wurde durch Spieleverkäufe ausgeglichen. Die PS6 soll ab 2028 erscheinen.
- Ab 2028 stellt Sony alle physischen Discs für PlayStation ein, auch die PS3/PS Vita Stores schließen im Juli 2027. Microsoft hatte bereits 2024 angekündigt, dass die Xbox Series X Disc-Laufwerk optional wird. Der Anteil physischer Verkäufe sank von 40% (2018) auf unter 10% (2024).
- Call of Duty: Modern Warfare 4 erscheint am 23. Oktober, startet aber nicht im Game Pass, ein Jahr Wartezeit für Abonnenten. Der Vorgänger Modern Warfare III (2023) verkaufte nur 7 Millionen Einheiten, der niedrigste Wert der Serie seit 2007.
Studios in akuter Gefahr
Undead Labs (State of Decay), Double Fine und Ninja Theory stehen ohne Käufer vor dem Aus. Undead Labs, 2009 gegründet, veröffentlichte State of Decay (2013) und State of Decay 2 (2018), insgesamt 8 Millionen Verkäufe. Double Fine (gegründet 2000, von Microsoft 2019 gekauft) machte Psychonauts (2005) und Psychonauts 2 (2021) mit 85 Metacritic, aber nur 1,5 Millionen verkauften Einheiten. Ninja Theory (2000 gegründet, von Microsoft 2018 übernommen) brachte Hellblade: Senua‘s Sacrifice (2017, 4 Millionen Verkäufe) und 2024 den Nachfolger Senua‘s Saga: Hellblade II, trotz Lob blieben die Zahlen hinter Erwartungen zurück.
Am 30. Juni traf es IO Interactive: Finanzierung für ein Fantasy-RPG wurde gestrichen, die Hitman-Macher entlassen Personal. IO wurde 1998 in Dänemark gegründet, bekannt für die Hitman-Reihe (über 20 Millionen Verkäufe). Das gestrichene Projekt war ein unangekündigtes Open-World-RPG, das neben der James Bond 007-Lizenz laufen sollte. IO hatte 2022 neue Investoren gesucht, aber keine gefunden.
Einem Bericht zufolge könnte Arkane Studios (Blade) ganz geschlossen werden, nur Hideo Kojimas Xbox-exklusives OD gilt als sicher. Arkane (gegründet 1999, von Zenimax/Bethesda übernommen, seit 2021 bei Microsoft) machte Dishonored (2012, 7 Millionen Verkäufe), Prey (2017, 2 Millionen) und zuletzt Redfall (2023, katastrophaler Launch). Blade, ein Marvel-Spiel, wurde 2023 angekündigt, aber nie gezeigt. Kojima Productions‘ OD hingegen ist vollständig finanziert durch Microsoft und erscheint exklusiv für Xbox Series X/S.
Nächste Woche: Weitere 1.500 Entlassungen möglich
Laut einem Bericht von The Verve (30. Juni) beginnen die nächsten Xbox-Entlassungen am 6. Juli. Mindestens 1.500 Mitarbeiter könnten betroffen sein, gewerkschaftlich organisierte Xbox-Arbeiter fordern Schutzmaßnahmen. Seit Januar 2024 hat Microsoft insgesamt über 3.500 Stellen in der Gaming-Sparte gestrichen (nachdem Activision Blizzard für 69 Milliarden übernommen wurde). Die Branche steckt tiefer in der Krise als je zuvor, ob sich das Blatt wendet, ist offen.