Ein glanzvoller Start mit Schattenseiten
Die Demo von SpiritVale generierte vor dem offiziellen Start über 200.000 Wishlists auf Steam und erreichte während des Steam Next Fest eine durchschnittliche Spielerzahl von 15.000 gleichzeitig aktiven Nutzern. Mit dem Übergang in den Early Access am 14. Oktober ist die Zustimmung jedoch von 92 Prozent auf aktuell 44 Prozent eingebrochen.
Das Action-MMO, das als geistiger Nachfolger von gescheiterten Titeln wie WildStar gehandelt wurde, kämpft nach dem Release mit massiven Stabilitätsproblemen. Spieler berichten von Server-Latenzen über 300 Millisekunden und einem Interface, das in der jetzigen Form den Anforderungen eines massiven Multiplayer-Spiels nicht genügt.
Die Kritikpunkte im Überblick
Die Enttäuschung der Community konzentriert sich auf technische Mängel und eine deutliche Abweichung vom Demo-Build:
- Der „Combat-Loop“ fühlt sich durch eine veränderte Tick-Rate träger an als in der Demo.
- Das Progression-System erfordert nach dem letzten Patch rund 40 Prozent mehr Grind für das Erreichen von Level 20.
- Mikrotransaktionen wurden implementiert, obwohl das Studio diese im Vorfeld für die Early-Access-Phase ausgeschlossen hatte.
- Die Ladezeiten in den Hauptstädten übersteigen beim Start des Spiels regelmäßig die 60-Sekunden-Marke.
Hintergrund zum Entwickler: Nebula Interactive
Hinter SpiritVale steht das Studio Nebula Interactive, ein Neuling aus Berlin, der sich aus ehemaligen Entwicklern von Yager Development rekrutiert hat. Das Team war zuvor an der Entwicklung von The Cycle: Frontier beteiligt, dessen Serverbetrieb aufgrund sinkender Spielerzahlen im September 2023 eingestellt wurde.
Die Firmenhistorie ist durch einen schnellen Personalaufbau und die Abhängigkeit von Investorengeldern geprägt. Die aktuelle Finanzierung von 4,5 Millionen Euro stammt von zwei Venture-Capital-Gebern, die eine Monetarisierung innerhalb der ersten sechs Monate nach Release fordern.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Der aktuelle Zustand von SpiritVale erinnert an das Release-Debakel von New World durch Amazon Games im Jahr 2021. Damals führten überfüllte Server und eine instabile Engine dazu, dass der Titel innerhalb von drei Monaten 70 Prozent seiner Spielerbasis verlor.
Im Vergleich dazu ist SpiritVale jedoch ein Projekt mit einem Bruchteil des Budgets und einer deutlich kleineren Entwickler-Crew. Während Konkurrenten wie Final Fantasy XIV nach einem katastrophalen Start eine komplette Überarbeitung erfuhren, fehlt Nebula Interactive für diesen Schritt das notwendige Kapital.
Der Weg nach dem Hype
Die Entwicklung von SpiritVale verdeutlicht die Gefahr von überoptimierten Demo-Versionen, die nicht auf der finalen Server-Struktur basieren. Während die Demo als „Vertical Slice“ fungierte und nur ausgewählte Areale bot, krankt die Vollversion an der Skalierung der Open-World-Elemente.
Die Entwickler reagierten bisher lediglich mit einem kurzen Statement auf Discord und einem Notfall-Patch, der die Server-Performance um 5 Prozent verbesserte. Die Diskrepanz zwischen den früheren Traumwertungen und der heutigen Stimmungslage ist in der Steam-Historie des Spiels anhand der täglichen Rezensionsrate von minus 400 Bewertungen pro Tag sichtbar.
Stand der Dinge
Das Action-MMO befindet sich in einer kritischen Phase, in der die Spielerzahlen laut SteamDB-Statistiken um 65 Prozent gegenüber der Launch-Woche zurückgegangen sind. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer liegt derzeit bei etwa 3.200 Spielern.
Die Community-Manager von Nebula Interactive haben für den kommenden Freitag ein „State of the Game“-Video angekündigt. Ob dieses Update konkrete Fahrpläne zur Verbesserung der Server-Infrastruktur enthält, bleibt abzuwarten.