Die einsame Nachtschicht in den 80ern
In Static Hour von Barkbyte Interactive schlüpft ihr in die Rolle eines Editors bei einem Nachrichtensender. Ihr arbeitet allein während der Nachtschicht, während eine massive Welle der Gewalt die Bevölkerung in Angst versetzt.
Die gesamte Spielerfahrung findet direkt innerhalb des Newsrooms statt. Ihr seid die letzte Instanz, die entscheidet, welche Informationen über den Äther gehen und welche besser unter Verschluss bleiben.
Das Studio Barkbyte Interactive ist ein erst vor kurzem gegründetes Independent-Team aus Montreal. Gründerin Claire Sarmiento sammelte zuvor Erfahrungen in der Produktion narrativer Indie-Titel, bevor sie sich mit diesem Projekt auf das Genre des analogen Horrors konzentriert.
Werkzeuge der analogen Ära
Um die Geschehnisse in der Stadt zu verstehen, nutzt ihr Technik aus den 1980er Jahren. Ihr seid auf klassische Hilfsmittel angewiesen, um die Wahrheit von gefährlichen Gerüchten zu trennen.
- Ein Rolodex dient zur Verwaltung wichtiger Kontakte.
- Offizielle Notfallmeldungen der Regierung liefern offizielle Informationen.
- Der Polizeifunk gibt euch ungefilterten Einblick in die chaotische Lage vor Ort.
Die Wahl des Settings greift den aktuell populären Stil des Analog-Horrors auf. Titel wie Voices of the Void oder The Closing Shift nutzen ähnliche technische Hürden, um bei Spielern ein Gefühl der Isolation zu erzeugen. Die Limitierung auf analoge Schnittstellen wie Tonbandgeräte oder Schreibmaschinen unterbindet den Zugriff auf moderne digitale Hilfsmittel.
Verantwortung und Konsequenzen
Eure redaktionellen Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf das Verhalten der Öffentlichkeit. Wer Informationen falsch bewertet oder ungeprüft sendet, riskiert, das Chaos in der Stadt weiter zu befeuern.
- Ihr könnt Reporter in das Feld schicken, um den Wahrheitsgehalt von Berichten zu prüfen.
- Ihr habt die Option, Meldungen komplett zu ignorieren, was die Bevölkerung in Panik versetzen könnte.
Das Spielsystem ähnelt in seiner Grundstruktur dem von Not For Broadcast. Während ihr dort jedoch eine Live-Sendung schneidet, zwingt euch Static Hour in eine passivere Rolle, in der ihr auf einbrechende Informationen reagiert, ohne den Prozess der Nachrichtenentstehung direkt zu steuern. Die Konsequenzen eurer Arbeit spiegeln sich in Berichten über Unruhen wider, die ihr über den Polizeifunk verfolgt.
Psychologischer Horror durch Audio
Claire Sarmiento möchte mit Static Hour die Isolation und die Gefahr von Fehlinformationen thematisieren. Das Spiel setzt dabei stark auf die eigene Vorstellungskraft des Spielers.
Die Schrecken der Kleinstadt entfalten sich primär durch das, was ihr hört. Laut der Ankündigung von Barkbyte Interactive ist es eure Aufgabe, in dieser Umgebung der Verantwortung standzuhalten und die Genauigkeit aller Meldungen zu verifizieren.
Die Vertonung verzichtet auf klassische Jumpscares zugunsten einer konstanten akustischen Bedrohungslage. Durch den Einsatz von Rauschen, unterbrochenen Funkverbindungen und verzerrten Hilferufen wird der Spieler in eine Position der Ohnmacht gedrängt. Das Fehlen von visuellen Informationen über die eigentlichen Ereignisse zwingt den Spieler dazu, die Bedrohung basierend auf unvollständigen Daten selbst zu konstruieren.
Branchenkontext und Einordnung
Static Hour steht in einer Reihe mit Simulationen, die den Arbeitsalltag in extremen Situationen fokussieren. Das Genre verzeichnet seit etwa drei Jahren ein gesteigertes Interesse, da Spieler zunehmend komplexe, textlastige Abläufe bevorzugen.
- Papers, Please legte 2013 den Grundstein für dieses Subgenre der bürokratischen Simulation.
- Do Not Feed the Monkeys erweiterte das Konzept um Überwachungsmechaniken.
- Stories Untold etablierte den analogen Horror als eigenständige Ästhetik innerhalb der Branche.
Das Projekt profitiert von der aktuellen Nostalgiewelle für die 80er Jahre, jedoch ohne den Fokus auf neonfarbene Ästhetik. Stattdessen nutzt Barkbyte Interactive die technische Limitation dieser Dekade als narratives Werkzeug für das Gameplay.
Verfügbarkeit
Das Spiel wird für den PC über Steam erscheinen. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum wurde bisher nicht bekannt gegeben.
Die Entwickler planen derzeit keine Umsetzung für Konsolen wie die PlayStation 5 oder Xbox Series X/S. Die Steuerung ist spezifisch auf die präzise Interaktion mit Maus und Tastatur ausgelegt, um das haptische Gefühl der analogen Geräte zu simulieren. Eine Demoversion ist für das kommende Quartal geplant.