Die nackten Zahlen
Mehr als 300 Spiele haben in der vergangenen Woche das Licht der Steam-Welt erblickt. Das allein ist eine beachtliche Menge, doch ein Detail sticht heraus: 120 dieser Titel enthalten eine AI-Disclosure.
Seit Anfang des Jahres verlangt Valve von Entwicklern, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Entwicklungsprozess offenzulegen. Die Woche bis zum 14. Juni liefert nun einen ersten echten Härtetest für diese Regel.
Zahlen im Kontext
In der ersten Juniwoche 2025 erschienen 287 Spiele auf Steam. Der aktuelle Wert von 318 liegt 11% über dem Vorjahreszeitraum. Das ist kein Ausreißer: Die Sommermonate bringen traditionell mehr Indie-Titel, da viele Entwickler ihre Projekte bis zur Ferienzeit abschließen.
Die 120 AI-Disclosures entsprechen einem Anteil von 38%, ein Rekord seit Einführung der Regel im Januar. Zum Vergleich: Im Februar lag der Anteil bei 22%, im April bei 31%. Seit Mai steigt die Quote kontinuierlich. Ob das an wachsender Akzeptanz oder schlicht mehr KI-Nutzung liegt, ist offen.
Was bedeutet die Offenlegung?
- Entwickler müssen angeben, ob KI für Code, Grafiken, Animationen oder Texte genutzt wurde.
- Die Kennzeichnung erscheint auf der Steam-Seite des Spiels, oft mit einem kleinen Hinweis-Icon.
- 120 Spiele haben diese Angabe gemacht, das ist fast jeder dritte Neueintrag.
Die Bandbreite ist groß: Von simplen Pixel-Platformern bis zu komplexen Simulationen reichen die Titel. Ob die Offenlegung Käufer abschreckt oder Vertrauen schafft, bleibt abzuwarten.
Hintergrund der KI-Regel
Valve führte die AI-Disclosure Anfang 2026 ein. Seither müssen Entwickler angeben, ob KI für Code, Grafiken oder Texte genutzt wurde. Die hohe Zahl an Offenlegungen spricht für eine konsequente Umsetzung.
Ob alle Meldungen korrekt sind, lässt sich von außen nicht prüfen. Dennoch: 120 Spiele mit KI-Hinweis sind ein deutliches Zeichen.
Verteilung der KI-Nutzung
Laut einer Auswertung von SteamDB entfallen 45% der Kennzeichnungen auf Text (Dialoge, Beschreibungen, Übersetzungen), 35% auf Grafik (Texturen, Konzeptzeichnungen) und 20% auf Code (prozedurale Generierung, Assistenz). Ein Fünftel der gekennzeichneten Spiele nutzt KI in mehr als einer Kategorie. Besonders häufig kombinieren Entwickler Text- und Grafik-KI.
Valve prüft stichprobenartig die Angaben. Bisher wurden drei Spiele wegen falscher Deklaration entfernt. Zwei davon hatten KI-Nutzung verschwiegen, eines hatte sie zu Unrecht behauptet. Die genauen Titel sind nicht öffentlich.
Ein genauerer Blick
Auffällig ist, dass viele der mit KI gekennzeichneten Spiele aus dem Indie-Sektor stammen. Große Publisher halten sich oft noch bedeckt oder nutzen eigene, nicht deklarationspflichtige Tools.
Die schiere Anzahl von über 300 Neuerscheinungen pro Woche zeigt: Steam bleibt die dominante Plattform. Die KI-Offenlegung scheint sich als Standard zu etablieren, zumindest in dieser Woche.