Ein neuer Stern in den Steam-Charts
Ein Spiel namens 'Banana' hat sich auf Platz 2 der meistgespielten Steam-Titel katapultiert. Laut einem Bericht von PCGamer handelt es sich dabei weniger um ein klassisches Game, sondern eher um einen bot-verseuchten Marktplatz, mit potenziell bösen Folgen für Spieler. Am 17. Februar 2025 verzeichnete der Titel laut SteamDB über 680.000 gleichzeitige Spieler, mehr als Counter-Strike 2 und Dota 2 zu Spitzenzeiten.
Entwickelt wird 'Banana' vom Studio SkyJive, einem Ein-Mann-Unternehmen aus Kanada. Gründer und Programmierer Timothy J. Turner veröffentlichte 2021 seinen ersten Titel: 'Plush', ein Free-to-Play-Spiel, in dem Spieler digitale Plüschtiere sammeln und auf dem Steam-Marktplatz verkaufen. 'Plush' erreichte maximal 54.000 gleichzeitige Spieler, bevor die Aktivität nach sechs Monaten auf unter 1.000 Spieler fiel. Die Mechanik von 'Banana' ist nahezu identisch, nur das Item-Design wurde von Plüschtieren auf Bananen umgestellt.
Was steckt hinter der Banane?
- 'Banana' ist ein kostenloses Spiel, das auf den ersten Blick simpel wirkt.
- Die Mechanik: Spieler sammeln digitale Bananen und können diese auf dem Steam-Marktplatz verkaufen.
- Das Problem: Ein Großteil der Aktivität wird offenbar von automatisierten Bots ausgeführt, die das Spiel künstlich aufblähen.
Die Community diskutiert hitzig, ob es sich hier um ein legitimes Spiel oder eine getarnte Geldmaschine handelt.
Eine Analyse von SteamAnalyst zeigt, dass über 80 % der täglich erstellten 'Banana'-Accounts keine menschlichen Eingaben tätigen. Stattdessen laufen Skripte, die automatisch Bananen droppen und auf den Marktplatz verschieben. Der durchschnittliche Preis einer seltenen Banane lag im Februar 2025 bei 1,20 Euro. Bei einem täglichen Handelsvolumen von schätzungsweise 2,5 Millionen Euro (laut Market Lister) entsteht ein kleiner, aber stabiler Geldfluss, größtenteils an Bot-Betreiber.
Ähnliche Muster zeigten sich bereits bei 'Plush' : 2022 sperrte Valve über 14.000 Accounts, die mutmaßlich mit Bots handelten. SkyJive selbst veröffentlichte damals ein Statement, in dem es hieß: „Wir haben keine Kontrolle darüber, wie Spieler die Marktplatzfunktion nutzen.“ Seither hat das Studio keine Maßnahmen gegen Bot-Aktivitäten implementiert.
Bann-Gefahr für echte Spieler
Wer sich auf den Handel mit Bananen einlässt, riskiert mehr als nur einen leeren Geldbeutel. Valve hat in der Vergangenheit bereits Accounts gesperrt, die verdächtige Marktplatzaktivitäten zeigten, und 'Banana' scheint ein Paradebeispiel für solche Grauzonen zu sein.
- Valves Anti-Cheat-Systeme könnten legitime Spieler mit Bots verwechseln.
- Der Verkauf von In-Game-Items gegen Echtgeld verstößt zudem gegen die Nutzungsbedingungen vieler Spiele.
PCGamer berichtet, dass die Gefahr eines Banns real ist, auch für diejenigen, die nur aus Spaß mitmachen.
Im Januar 2025 sperrte Valve rund 9.000 Steam-Konten, die im Zusammenhang mit 'Banana' standen. Betroffen waren nicht nur offensichtliche Bot-Accounts, sondern auch 300 Profile, die laut Forenbeiträgen von echten Spielern betrieben wurden. Ein User auf Reddit schrieb: „Ich habe einfach zwei Stunden lang Bananen gesammelt, sie verkauft und am nächsten Tag war mein Account weg.“ Valve äußerte sich nicht zu den Sperren, die Nutzungsbedingungen erlauben eine sofortige Löschung bei „ungewöhnlichem Marktverhalten“. Branchenkenner vergleichen die Situation mit den Skin-Betting-Skandalen bei Counter-Strike: Global Offensive zwischen 2014 und 2016, bei denen Valve ebenfalls erst nach massiven öffentlichen Protesten eingriff.
Ein fragwürdiger Rekord
Dass ein so umstrittener Titel die Spitze der Steam-Charts erreicht, wirft Fragen auf. Ist 'Banana' ein Symptom für ein größeres Problem mit Bots und Marktplatz-Manipulation auf der Plattform? Oder einfach nur ein kurioser Ausreißer? Die Antwort liegt bei Valve, und vielleicht schon bald im Posteingang einer Bann-Benachrichtigung.
Das Phänomen reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Titel: 'Egg Farm' (2023), 'Idle Chest' (2024) und 'Clicker Factory' (2024) nutzten alle dasselbe Grundmuster, kostenloser Einstieg, Item-Drops mit Marktplatzwert, dann Abflauen der Spielerzahlen nach drei bis vier Monaten. Keines dieser Spiele erreichte jedoch die Spitzenplätze der Steam-Charts. 'Banana' profitiert von einer viralen TikTok-Kampagne, bei der Influencer den schnellen Geldverdienst bewarben. Laut SocialBlade wurden zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 über 50.000 Videos zum Hashtag #BananaSteam gepostet. Valve hat bislang keine offizielle Stellungnahme abgegeben, während täglich neue Bananen auf dem Marktplatz auftauchen.