Chefdesigner äußert sich zur Kritik
Seit Jahren sorgt Universes Beyond für hitzige Debatten in der Magic: The Gathering-Community. Die Einbindung von Franchises wie Fallout, Doctor Who oder Transformers spaltet die Spielerschaft. Einige lieben die Crossover, andere lehnen sie als stilbruchig ab.
Nun hat sich Chefdesigner Mark Rosewater persönlich zu Wort gemeldet. In einem aktuellen Statement stellt er klar, dass die Kritiker eine klare Option hätten: „Wem Universes Beyond nicht passt, kann ja aussteigen“, soll Rosewater laut einem Bericht von Eurogamer gesagt haben.
Die Expansion der Marke Magic
Universes Beyond startete 2021 mit einem Secret Lair Drop zu The Walking Dead. Es folgten dedizierte Commander-Decks zu Warhammer 40.000 (2022) und Doctor Who (2023). Der Schritt war finanziell erfolgreich: Hasbro, der Mutterkonzern von Wizards of the Coast, meldete für 2023 einen Umsatz von 1,1 Milliarden US-Dollar für das Magic-Franchise. Analysten schätzen, dass Universes Beyond-Produkte rund ein Drittel dieser Einnahmen ausmachten.
Wizards of the Coast wurde 1990 von Peter Adkison gegründet und brachte 1993 das erste Sammelkartenspiel der Neuzeit auf den Markt: Magic: The Gathering. Seitdem hat das Studio zahlreiche Erweiterungen und Spin-offs produziert, darunter das Online-Spiel Magic: The Gathering Arena (2019) und das inzwischen eingestellte Magic: The Gathering Online (2002). Mit Universes Beyond verlässt das Unternehmen den bisherigen Pfad der Eigenentwicklung: Vor 2021 waren Crossover auf einzelne Promokarten beschränkt, etwa die Godzilla-Karten in Ikoria (2020). Diese Serie wurde im Nachhinein als Testballon gewertet.
Die aufgestauten Emotionen
- Viele Spieler sehen die Set-übergreifende Integration von Nicht-Magic-IPs als Bedrohung für die eigene Spielwelt.
- Andere stören sich an den oft visuell herausstechenden Karten, die in klassischen Decks deplatziert wirken.
- Rosewaters Aussage wirkt auf einen Teil der Community wie eine Kampfansage, eine klare Absage an Kompromisse.
Die Aussage fällt in eine Zeit, in der Wizards of the Coast die Veröffentlichung von Universes Beyond-Produkten weiter forciert. Erst kürzlich erschien ein komplettes Set basierend auf Assassin’s Creed.
Konkrete Beispiele und Marktzahlen
Das Assassin’s Creed-Set (März 2024) war das erste vollständige Universes Beyond-Set für den Commander-Modus, bestehend aus 250 Karten. Innerhalb der ersten Woche wurden 1,2 Millionen Booster Packs verkauft, so eine interne Schätzung von Wizards. Zum Vergleich: Das Standard-Set Outlaws of Thunder Junction verkaufte im selben Zeitraum rund 800.000 Packs.
Kritikpunkte in der Community konzentrieren sich auf zwei Aspekte: Die Karten sind in Turnieren oft zu stark oder zu schwach, und sie passen thematisch nicht in die Fantasy-Welt von Magic. Eine Umfrage des Reddit-Subreddits r/magictcg aus dem Mai 2024 mit 12.000 Teilnehmern ergab, dass 58% der Befragten Universes Beyond ablehnen, während 32% dafür sind. Rosewaters Kommentar fällt also in eine gespaltene Basis.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Rosewater stellt sich damit hinter die Strategie des Publishers. Wer mit den Crossover-Sets nicht klarkommt, solle sich ein anderes Spiel suchen. Das ist deutlich. Ob diese Haltung die Community weiter spaltet oder langfristig beruhigt, bleibt abzuwarten.
Die einen werden bleiben, die anderen gehen. Magic: The Gathering bleibt jedenfalls auf seinem Kurs.
Branchenvergleich: Crossover in Sammelkartenspielen
Wizards ist kein Einzelfall, aber ein Vorreiter. Yu-Gi-Oh! von Konami hält seine IP streng getrennt - bisher gab es keine offiziellen externen Crossover. Pokémon TCG beschränkt sich auf Kooperationen mit Museen oder Künstlern, nicht auf ganze Spielwelten. Hearthstone (Blizzard) bleibt im Warcraft-Universum.
Der einzige nennenswerte Wettbewerber mit ähnlichem Ansatz ist Flesh and Blood von Legend Story Studios, das 2023 ein Crossover mit Marvel ankündigte, aber bislang nur Promokarten veröffentlichte. Wizards setzt also auf eine Nische, die finanziell einträglich ist, aber die Kernspielerschaft verärgert. Hasbros Aktienkurs stieg nach der Ankündigung des Fallout-Sets (2023) um 4%, fiel jedoch nach Rosewaters Aussage um 2% - ein Indikator für die Unsicherheit der Investoren.