Chef verlässt das Horror-Haus
Pete Samuels, langjähriger CEO von Supermassive Games, legt seine Ämter nieder. Das gab das Studio heute bekannt. Samuels verlässt nicht nur die Firma hinter Until Dawn und The Dark Pictures, sondern auch seinen Posten bei der Muttergesellschaft Nordisk.
Der Zeitpunkt überrascht: Samuels führte das Studio durch zwei Entlassungsrunden (2023 und 2024) und die Fertigstellung eines Spiels. Details zum Titel nennt die Mitteilung nicht. Es ist also unklar, ob es sich um ein bereits veröffentlichtes oder noch unangekündigtes Projekt handelt.
Supermassive Games wurde 2008 von Samuels in Guildford, England, gegründet. Vor Until Dawn (2015) entwickelte das Studio vor allem kleinere Projekte wie die PS-VR-Titel Tumble und Until Dawn: Rush of Blood. Der Durchbruch gelang mit dem interaktiven Horror-Thriller für PS4: Bis 2020 verkaufte sich Until Dawn über 5 Millionen Mal. Danach sicherte Nordisk Film, ein dänischer Medienkonzern mit Fokus auf Film, TV und Spiele, die Mehrheit am Studio. Die Übernahme erfolgte Anfang 2021, Samuels blieb CEO.
Sommer statt Stuhl
- Samuels möchte die Sommermonate mit seiner Familie verbringen.
- Kein neuer CEO wurde bisher benannt. Ein Übergangsplan existiert.
- Die Entscheidung sei freiwillig und ohne Druck von außen erfolgt.
Das klingt nach einem geordneten Rückzug. In der Branche ist es selten, dass ein Firmenlenker einfach so aussteigt, um Zeit mit den Lieben zu verbringen. Samuels war seit Gründung von Supermassive im Jahr 2008 das Gesicht des Studios.
Der Rücktritt fällt in eine Periode massiver Umstellungen bei Nordisk. Der Konzern hat zuletzt auch andere Studio-Beteiligungen geprüft und Personal abgebaut. Im Februar 2024 strich Supermassive nach einer ersten Welle im Juni 2023 (rund 90 Stellen, etwa 30 Prozent der Belegschaft) erneut Arbeitsplätze. Die genaue Zahl der zweiten Welle wurde nicht veröffentlicht. Branchenkenner schätzen, dass das Studio von über 350 auf unter 200 Mitarbeiter geschrumpft ist.
Was bleibt?
Supermassive Games steht nun ohne starke Hand da. Die letzten Jahre waren holprig: Zwei Entlassungswellen (2023 und 2024) trafen das Team hart. Das Studio kämpfte mit dem Erfolgsdruck nach The Quarry (2022). Ein neues Spiel wurde gehypt, aber nie offiziell bestätigt.
Ob der Abgang von Samuels den Kurs des Studios ändert? Die Zukunft der Dark Pictures Anthology und möglicher neuer Projekte ist vorerst offen. Aktuell läuft die Arbeit an mehreren, nicht näher genannten Titeln weiter.
The Dark Pictures Anthology umfasst vier Spiele: Man of Medan (2019), Little Hope (2020), House of Ashes (2021) und The Devil in Me (2022). Keins erreichte die Verkaufszahlen von Until Dawn. Die Reihe wurde von Kritikern als technisch solide, aber erzählerisch inkonsistent bewertet. The Quarry von 2022, ein geistiger Nachfolger von Until Dawn, verkaufte sich in den ersten drei Monaten laut Publisher Take-Two Interactive rund 2 Millionen Mal, unter den Erwartungen der Analysten. Die Produktionskosten für narrative Spiele mit aufwändigen Motion-Capture-Sequenzen und Hollywood-Besetzung (z. B. Until Dawn mit Hayden Panettiere, The Quarry mit David Arquette) sind hoch. Schätzungen gehen von Budgets zwischen 30 und 50 Millionen US-Dollar pro Titel aus.
Eines ist klar: Supermassive verliert einen Gründer, der das interaktive Horror-Genre mitgeprägt hat. Der Sommer ist gerettet, das Studio nicht unbedingt.