Neues Futter für die Strategen
Terra Invicta, das Sci-Fi-Grand-Strategy-Spiel von Pavonis Interactive, bekommt zwei brandneue Szenarien spendiert. Während sich so mancher Spieler noch mit der Kolonisierung des ersten Asteroiden abmüht, schicken uns die Entwickler direkt in die nukleare Asche oder in die skeptischen frühen 2000er. Das Update erscheint als kostenloser Patch und ist für den 15. Mai 2025 angekündigt.
- Die Szenarien sind als alternative Startpunkte zur Hauptkampagne gedacht.
- Sie bieten völlig neue Ausgangsbedingungen und Herausforderungen.
Die Macher: Vom Mod zum Grand-Strategy
Pavonis Interactive ist kein klassischer Studio-Neuling. Das Team wurde bekannt durch die Long War-Mods für XCOM: Enemy Unknown (2012) und XCOM 2 (2016). Diese Mods erweiterten die Kampagnen drastisch um Stunden, neue Klassen und tiefere Taktik. Der Erfolg war so groß, dass Firaxis Elemente davon in offizielle DLCs übernahm. 2019 startete Pavonis eine Kickstarter-Kampagne für ein eigenes Spiel: Terra Invicta. Das Ziel von 50.000 Euro wurde weit übertroffen, über 200.000 Euro kamen zusammen. Der Early Access begann im September 2022, die Vollversion folgte im Oktober 2023.
- Der Fokus liegt auf harter Science-Fiction und komplexer Gesellschaftssimulation.
- Das Spiel hat auf Steam über 12.000 Bewertungen, die Gesamtwertung ist „Sehr positiv“.
Szenario 1: Nuklearer Winter nach Fallout-Vorbild
Das erste Szenario entführt uns in eine vom Atomkrieg verwüstete Erde. Ähnlich wie in der Fallout-Reihe ist die Oberfläche eine radioaktive Einöde, in der die Menschheit ums Überleben kämpft. Der Startpunkt liegt im Jahr 2040, die globale Zivilisation existiert praktisch nicht mehr.
- Ressourcen sind knapp, Technologie ist weit zurückgeworfen.
- Die Fraktionen müssen sich in einer feindlichen Umgebung neu formieren.
- Anders als im Hauptspiel gibt es keine laufende außerirdische Invasion, die Aliens tauchen erst später auf und finden eine verwüstete Welt vor.
Szenario 2: UFO-Skeptiker der frühen 2000er
Das zweite Szenario spielt zu Beginn der 2000er Jahre, einer Zeit, in der UFO-Sichtungen belächelt wurden. Hier gilt es, eine skeptische Weltbevölkerung von der außerirdischen Bedrohung zu überzeugen. Die Handlung orientiert sich lose an realen Ereignissen wie dem Phoenix Lights-Vorfall (1997) und der offiziellen Skepsis der US-Regierung.
- Diplomatische und geheimdienstliche Mittel sind gefragt.
- Die Technologie ist auf dem Stand der frühen 2000er, was die Abwehr erschwert.
- Die Weltwirtschaft ist deutlich schwächer als im Standardstart (2025), und es gibt noch keine globalen Satellitennetze.
Schickes neues Blech
Neben den Szenarien gibt es auch überarbeitete Raumschiff-Designs. Pavonis Interactive hat die Modelle aufgehübscht, sodass die Flotten jetzt noch imposanter aussehen. Konkret wurden die Texturen der Schiffsrümpfe, Triebwerke und Waffenmodule auf höhere Auflösungen gebracht und die Beleuchtungssysteme überarbeitet.
- Die neuen Designs sollen das Spielgefühl verbessern.
- Ein willkommenes Extra für alle, die viel Zeit im Orbit verbringen.
- Die Änderungen gelten auch für die Basis-Kampagne, nicht nur für die neuen Szenarien.
Vergleich mit Genre-Größen
Terra Invicta besetzt eine Nische zwischen Stellaris (Paradox, 2016) und Hearts of Iron IV (Paradox, 2016). Stellaris bietet galaktische Erkundung, aber wenig erdgebundene Politik. Hearts of Iron fokussiert auf den Zweiten Weltkrieg. Terra Invicta kombiniert beides: eine detaillierte Wirtschafts- und Diplomatie-Simulation mit realen Nationen und einer globalen Alienbedrohung. Die neuen Szenarien ähneln den alternativen Startpunkten, die Paradox-Spiele schon lange bieten, etwa die 1933-Start in Hearts of Iron oder die verschiedenen „Origins“ in Stellaris. Ein Unterschied: Terra Invicta verzichtet auf große DLCs und liefert Updates wie dieses kostenlos nach.
- Der Entwickler hat angekündigt, dass weitere Szenarien folgen könnten.
- Die Modding-Community arbeitet bereits an eigenen Alternativ-Welten.
Ein Grund, neu anzufangen?
Wer sich wie der Redakteur von Rock Paper Shotgun noch mit der ersten Kolonie abplagt, bekommt mit diesen Szenarien einen Grund, noch einmal von vorn zu beginnen. Die Abwechslung könnte das Strategiespiel wieder frisch machen, oder die Verzweiflung über die eigene Langsamkeit noch vergrößern. Das kostenlose Update erscheint am 15. Mai 2025, dann zeigt sich, ob die Spieler lieber durch die Asche stapfen oder in den 2000ern gegen den Spott der Welt kämpfen.