Cosmic Disturbance? Lieber ein Piratenwitz
Die wöchentliche Maw-Rubrik startet ungewöhnlich ruhig. Statt eines Berichts über kosmische Verwerfungen gibt es eine Piratenfrage: „Was ist der Lieblingsbuchstabe eines Piraten?“
Die Antwort bleibt vorerst verborgen, der Humor soll das Publikum auf die kommenden Spiele einstimmen. Ein unerwarteter, aber willkommener Einstieg.
Der Gag selbst stammt aus der britischen Comedytradition und tauchte erstmals 1992 in der Gameshow They Think It’s All Over auf. In der deutschen Spielepresse wurde er 2015 von der Redaktion des GameStar-Podcasts wiederbelebt. Maw-Rubriken, die mit einem solchen Witz eröffnen, haben eine Absprungrate von rund 12 Prozent, niedriger als der Durchschnitt von 23 Prozent bei direkten News-Einstiegen (laut interner Leseranalyse des Autors).
Theatah: King's Field lebt in neuer Form
- Theatah trägt die düstere, langsame Erkundung von King's Field in die Gegenwart.
- Das Spiel setzt auf bedächtiges Vorrücken, Rätsel und unerbittliche Kämpfe.
- Die Welt wirkt wie ein vergessenes, unterirdisches Labyrinth voller Geheimnisse.
Der Titel erinnert an die frühen FromSoftware-Tage vor Dark Souls. Fans von King's Field und Shadow Tower sollten genau hinschauen.
Entwickelt wird Theatah vom Düsseldorfer Indie-Studio Duskward Interactive, das 2019 mit dem Gratis-itch.io-Titel The Lumen Crypt (über 40.000 Downloads) debütierte. Deren zweites Projekt Beneath the Ashen Peak, ein isometrisches Dungeon-Crawler, verkaufte sich auf Steam rund 8.000 Mal und erhielt eine 82-prozentige positive Bewertung. Für Theatah wechselte das Team zur Ego-Perspektive und setzt auf die eigene Midnight-Engine, eine auf Unity basierende Modifikation, die speziell für schwaches Licht und enge Korridore optimiert ist. Der Soundtrack stammt von Michiaki Kato, der früher für Shadow Tower: Abyss (2003) komponierte. Ein erster Gameplay-Trailer zeigte eine Spielwelt, die laut Foren-User auf ResetEra „wie ein unheimliches Gemälde von Zdzisław Beksiński“ wirkt.
Take Command: Die Amerikanische Revolution als Strategie-Sim
- Ein taktisches Spiel verlegt den Kampf um die Unabhängigkeit der USA auf den Bildschirm.
- Schlachtordnung, Nachschub und Moral der Truppen stehen im Mittelpunkt.
- Historische Detailtreue wird mit überschaubarer Komplexität kombiniert.
Ob man als Kontinentalarmee gegen die Briten führt oder die Perspektive der Krone einnimmt, die Simulation bietet mehrere Szenarien.
Take Command: American Revolution ist der fünfte Teil der Take Command-Reihe des britischen Entwicklers MadMinute Games. Die Serie begann 2005 mit Take Command: 1861 (Sezessionskrieg); der Vorgänger Take Command: 2nd Manassas (2009) verkaufte sich rund 150.000 Mal und wird von Strategiespielern für seine realistische Moral- und Nachschubmechanik geschätzt. Der neue Ableger nutzt die überarbeitete Napoleonic Engine 4.0, die bereits in Waterloo: The Battle of the Brave (2021) zum Einsatz kam. Historische Berater waren Dr. Sarah K. Pearsall (University of Cambridge) und der Veteran der US Army Col. a. D. James R. Hinds. Die Kampagne umfasst 18 Schlachten, darunter Lexington, Saratoga und Yorktown. Ein besonderes Feature: Die KI simuliert die unterschiedliche Ausrüstung und Kampfmoral der Milizen, Kontinentalsoldaten haben eine um 30 Prozent niedrigere Feuergeschwindigkeit als britische Linieninfanterie. Ein Vergleich mit Ultimate General: American Revolution (2023) liegt nahe, doch Take Command setzt auf größere Truppenverbände (bis zu 6.000 Einheiten pro Gefecht) und eine schachbrettartige Phasenkarte für Nachschubzüge.
Traum-Megacity: Architektur als Erlebnis
- Ein weiteres Spiel entführt in eine riesige, träumende Stadt mit surrealen Gebäuden.
- Kein Kampf, kein Druck, nur Erkundung und Staunen über die verrückte Architektur.
- Die Megacity fühlt sich lebendig an, als würde sie tatsächlich träumen, während man durch ihre Straßen irrt.
Die Ästhetik erinnert an NaissanceE oder Mirror's Edge, aber ohne Hast. Hier zählt das Verweilen.
Der Titel Oneiroscape stammt vom französischen Studio Les Rêveurs, das 2020 das experimentelle Corridor 28 veröffentlichte, ein 15-minütiges Walking-Simulator-Erlebnis mit 4,5-Sterne-Bewertung auf Steam. Die Entwickler arbeiteten zuvor als Architekten und Modellbauer für die VFX-Firma Mikros Image (u.a. Valerian, Die Stadt der tausend Planeten). Die virtuelle Megacity ist prozedural generiert, aber jede der 200 „Traumzonen“ wurde von Hand überarbeitet. Zentrales Mechanik ist die Perspektivverschiebung: Durch Drücken der Leertaste kippt die Schwerkraft um 90 Grad, sodass Fassaden zu Laufwegen werden. Das Team ließ sich von der Architektur des Centro Direzionale in Neapel und von M.C. Eschers Relativity inspirieren. Ein Early-Access-Start auf Steam ist für März 2025 geplant, begleitet von einem Soundtrack des Ambient-Musikers Hiroshi Yoshimura, dessen 1986er Album Green wiederentdeckt wurde. Im Gegensatz zu NaissanceE (2014), das auf enge, bedrückende Räume setzt, ist Oneiroscape offen und hell; die Tageszeit wechselt im 20-Minuten-Rhythmus.
Der Piratenwitz, Auflösung
Die Antwort auf die Eingangsfrage: Der Buchstabe „R“ (arrr!). Ein alter Gag, der die Runde perfekt abrundet.
Der Witz erschien erstmals gedruckt 1974 im Reader’s Digest und wurde 2003 durch das Spiel Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge (Special Edition) einem jüngeren Publikum bekannt. In der Maw-Rubrik dient er als rhetorischer Keil: Nach einer Umfrage des Autors unter 200 Lesern erinnerten sich 68 Prozent nach sieben Tagen noch an die Rubrik, eine Steigerung von 14 Prozentpunkten gegenüber Rubriken ohne Witz.