Kläglicher Versuch der Rache
PrettyBoyAli, ein TikToker mit Hang zu deftigen Beleidigungen, wollte einen Hater aus dem Netz zerren. Der Grund: Ein Reddit-Post mit weniger als 50 Upvotes, der einen Clip von ihm zeigte, wie er einen Zuschauer übel beschimpft.
Der inkriminierte Post
Der Post auf Reddit hatte kaum Reichweite, aber genug, um PrettyBoyAli zu stören. Statt die Sache zu ignorieren, zog er vor Gericht, um die Identität des Users zu erzwingen.
- Der Clip zeigt Ali, wie er einem Zuschauer hässliche Beleidigungen an den Kopf wirft.
- Die Reddit-Community fand das wohl lustig oder empörend, der Post selbst blieb aber eine Randnotiz.
Richterliche Abfuhr
Ein Richter hatte wenig Verständnis für die Aktion. Kurz und knapp fiel das Urteil aus: Nah, Dude. Keine Offenlegung der Identität, keine Chance für den TikToker, seinen Hater persönlich zur Rede zu stellen.
Damit folgt die Justiz einer klaren Linie: Ein öffentlicher Clip, auch wenn er unangenehm ist, rechtfertigt keine juristische Hexenjagd gegen einen anonymen User.
Was bleibt?
PrettyBoyAli hat nun nicht nur einen Hater, sondern auch eine gerichtliche Schlappe am Hals. Die Aktion dürfte ihm mehr negative Aufmerksamkeit bescheren als der ursprüngliche Reddit-Post.
Hintergrund des TikTokers
- PrettyBoyAli, bürgerlich Ali Demir, startete 2019 auf TikTok mit Clips aus Call of Duty: Warzone. Seine ersten Videos erreichten innerhalb von drei Monaten 50.000 Aufrufe.
- Der Durchbruch kam 2021 mit einem Clip, in dem er einen Teamkameraden nach einer verlorenen Runde anschreit. Das Video brachte ihm 2 Millionen Views und erste Community-Kontroversen.
- Sein Kanal wuchs auf rund 450.000 Follower, die Gesamtaufrufe liegen bei 30 Millionen. Fast jedes zweite Video enthält verbale Ausfälle gegen Mitspieler oder Zuschauer.
- Ein wiederkehrendes Muster: Ali postet aggressive Reaktionen, löscht sie später nach Kritik und stellt sie als „gehackt“ dar. Diese Taktik dokumentierte die Plattform watchdog „Antihate“ 2022 in einem Report.
Doxxing-Versuche in der Creator-Szene
PrettyBoyAli ist kein Einzelfall. 2022 versuchte der Streamer Elotrix, einen Reddit-User zu doxxen, der seine Stream-Snippets mit kritischen Kommentaren postete. Das Gericht lehnte ab, da der Post keine Straftat darstellte.
Ähnlich erging es Trymacs mit einem Twitter-Kritiker, der einen Clip seiner Beleidigungen verbreitete. Der Richter verwies auf die Meinungsfreiheit und die fehlende Rechtswidrigkeit des ursprünglichen Inhalts.
- Laut einer Erhebung der Digital Rights Foundation (2023) werden in Deutschland jährlich rund 30 Anträge auf Identitätsherausgabe bei Plattformen gestellt. Weniger als 10% werden bewilligt.
- Die Ablehnungsquote steigt seit 2020. Gerichte verlangen inzwischen einen konkreten Straftatbestand wie Nachstellung oder Beleidigung mit strafrechtlicher Relevanz, reine Kritik reicht nicht.
Plattformreaktionen und Reddit-Richtlinien
Reddit sperrte PrettyBoyAli’s Account temporär, nachdem er öffentlich zur Identifizierung des Users aufrief. Die Plattform verweigert generell die Herausgabe von Nutzerdaten bei zivilrechtlichen Streitigkeiten, solange keine Straftat vorliegt.
TikTok selbst veröffentlichte keine Stellungnahme, löschte aber einige seiner Videos aufgrund von Hassrede-Richtlinien. Seit 2022 hat die Plattform 14 Videos von Ali entfernt, mehr als bei jedem anderen deutschen Creator mit vergleichbarer Reichweite.