Streik in Barcelona: Belegschaft legt Arbeit nieder
Die Stimmung im spanischen Ubisoft-Studio kippt. Nachdem das Management die Entlassung von 51 Entwicklern angekündigt hat, reagiert die Belegschaft mit einem sofortigen Ausstand.
Es ist der bislang deutlichste Protest gegen die jüngste Umstrukturierungswelle, die den Publisher seit Monaten durchschüttelt. Ubisoft Barcelona ist vor allem für seine Unterstützung großer Serien bekannt, nun geht es um die Zukunft des eigenen Teams.
Die Lage vor Ort
- Die betroffenen Mitarbeiter gehören verschiedenen Abteilungen an, Details zur genauen Verteilung fehlen noch.
- Die Gewerkschaftsvertreter des Studios bestätigten den Arbeitskampf, der am frühen Morgen begann.
- Ziel ist es, die Streichung aller 51 Stellen zu verhindern oder zumindest einen Sozialplan zu erzwingen.
Ein offizielles Statement der Unternehmensführung liegt bislang nicht vor. Ubisoft hatte die Sparmaßnahmen zuvor mit „strukturellen Anpassungen“ begründet, ohne konkrete Zahlen zu nennen.
Studio-Historie: Von Driver zu den großen Marken
Ubisoft Barcelona wurde 1998 gegründet und entwickelte zunächst eigene Spiele. 2011 veröffentlichte das Studio Driver: San Francisco, ein Open-World-Rennspiel mit Metacritic-Wertung von 86 (PC). Nach dem Erfolg wechselte das Team in die Support-Rolle.
- Das Studio arbeitete an Assassin’s Creed III: Liberation (2012) für PlayStation Vita und später an zahlreichen Haupttiteln der Serie.
- Zuletzt unterstützte Barcelona Skull and Bones, Rainbow Six Extraction und Assassin’s Creed Mirage.
- Die Belegschaft umfasst etwa 100 Mitarbeiter; die geplanten 51 Entlassungen bedeuten einen Personalabbau von über 50 Prozent.
Die Spezialisierung auf technische Unterstützung machte das Studio zu einem verlässlichen Partner, aber auch zu einem leichten Ziel für Sparmaßnahmen.
Branchenkontext: Eine Industrie im Sparkurs
Die Entlassungen in Barcelona fallen in eine Phase, in der Spieleentwickler weltweit Stellen streichen. Seit Januar 2023 haben Unternehmen wie Microsoft, Riot Games, Electronic Arts und Sony über 25.000 Jobs abgebaut.
- Ubisoft entließ 2023 bereits 60 Mitarbeiter in Montreal und 36 in Sherbrooke.
- Der Publisher verbuchte für das Geschäftsjahr 2023/24 einen Nettoverlust von 494 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro.
- Support-Studios ohne eigene Veröffentlichungen, wie Barcelona, sind besonders häufig betroffen.
Der Streik ist damit nicht nur lokaler Arbeitskampf, sondern Teil einer branchenweiten Auseinandersetzung um die Verteilung von Risiken und Gewinnen.
Wirtschaftliche Lage von Ubisoft
Der Druck auf das Management wächst. Nach mehreren verschobenen Titeln und dem schwachen Launch von Skull and Bones sank der Aktienkurs von Ubisoft von über 80 Euro im Januar 2021 auf unter 15 Euro im März 2025.
- Investoren fordern eine schlankere Struktur und höhere Margen.
- CEO Yves Guillemot betonte in Investorengesprächen die Notwendigkeit von „strukturellen Anpassungen“, ein Code für Stellenabbau.
- Die 51 Kündigungen in Barcelona sind die bislang größte Einzelmaßnahme in Spanien.
Ob die Streiks eine Kehrtwende erzwingen, hängt von der Solidarität anderer Standorte ab. Bisher gab es keine Unterstützung aus Paris oder Montreal.
Ein Symbol der Unruhe
Der Streik in Barcelona steht nicht allein. In den letzten Monaten häuften sich bei Ubisoft weltweit Berichte über Entlassungen und Standortschließungen. Besonders die Support-Studios trifft es hart.
Für die 51 Entwickler geht es um Existenzen. Ihre Arbeit floss in viele Triple-A-Titel der letzten Jahre ein, ein stiller, aber wichtiger Teil der Ubisoft-Maschinerie. Dass nun ausgerechnet sie gehen sollen, sorgt für Verbitterung.
Wie geht es weiter?
Die Belegschaft hat angekündigt, den Ausstand so lange fortzusetzen, bis das Management an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Ob die Streiks auf andere Standorte übergreifen, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Die 51 Entlassungen sind noch nicht beschlossen, der Kampf darum hat gerade erst begonnen.