Auftakt: Eine Symphonie mit unverzeihlichen Lücken
Die „Undertale Determination Symphony” hat Ende August im deutschsprachigen Raum Station gemacht und zeigte erneut, wie zeitlos Toby Fox’ Musik aus dem Jahr 2015 nachwirkt. Doch die Euphorie ist schnell verflogen, denn statt der kompletten Bandbreite des Soundtracks bot das Orchester eine Setlist, die elf überraschende Lücken aufweist. Besonders bitter für Fans der Fisch-Kriegerin Undyne: Ihre kraftvollsten Momente fehlten nahezu vollständig. Die Zusammenfassung des Konzerts bringt es auf den Punkt: Undyne verdient besser.
Undertale und sein musikalischer Mythos
- Undertale erschien 2015 für PC und später für Konsolen und wurde von Toby Fox fast im Alleingang entwickelt.
- Der Soundtrack gilt als Meilenstein des Indie-Gamings und mischt Chiptunes mit orchestralen Passagen.
- Megalovania, Hopes and Dreams oder Undertale sind bis heute in Streams und Covers allgegenwärtig.
- Jeder Song trägt eine narrative Funktion: Er spiegelt Emotionen von Charakteren und reagiert auf Spielentscheidungen.
- Die Musik von Toby Fox wurde mehrfach bei Live-Events gespielt, doch selten so kontrovers wie bei dieser Symphonie.
Undyne: Die Kriegerin, die musikalisch abserviert wurde
Undyne ist einer der prominentesten Charaktere in Undertale. Sie ist die Anführerin der königlichen Wache, ein hitzköpfiger Kampfprotz mit einem goldenen Herzen. Ihre musikalischen Themen sind geprägt von treibenden Synthie-Riffs und einem Tempo, das keine Sekunde Verschnaufpause lässt. Genau diese Energie fehlte bei der Determination Symphony schmerzlich. Es wurden zwar einige Balladen und melancholische Stücke gespielt, aber für die brachialen, kraftvollen Nummern blieb offenbar kein Platz. Ein Fan berichtete in sozialen Netzwerken: „Ich habe auf den Moment gewartet, in dem die Bässe einsetzen und Undynes Speere fliegen. Er kam nie.”
Elf fehlende Stücke: Spekulation über eine fragwürdige Auswahl
- Die elf Songs, die laut Ankündigung nicht gespielt wurden, sind nicht offiziell veröffentlicht.
- Aber viele Fans haben eine klare Vorstellung, welche Stücke es hätten sein müssen.
- Neben Undynes Kampftracks wären auch die genervten, grotesken Themen aus dem Genozid-Pfad Kandidaten gewesen.
- Auch das ruhige, aber emotionale Klavierstück, das mit einer bestimmten Nebenfigur verbunden ist, fehlte.
- Die Reihenfolge der „Batshit-Faktor”-Liste legt nahe, dass die Auslassungen mit steigendem Unverständnis aufgenommen wurden.
Toby Fox und der Pioniergeist des Indie-Sounds
Toby Fox begann seine Karriere mit Musik für das Webcomic Homestuck und schuf mit Undertale ein Spiel, das auf verschiedensten Ebenen polarisierte. Die Produktion des Soundtracks war eine Ein-Mann-Show: Er komponierte, programmierte und produzierte die meisten Stücke selbst. Diese Arbeit wurde mit zahlreichen Auszeichnungen belohnt und schaffte es, sogar außerhalb der Gaming-Community Gehör zu finden. Die Determination Symphony ist Teil einer Welle von Live-Orchester-Veranstaltungen, die seit den 2000ern Videospielmusik auf die Bühne bringen, vergleichbar mit Touren zu anderen berühmten Franchises. Doch gerade im Fall von Undertale ist die Setlist oft heikel, weil das Spiel mit mehreren Pfaden und Enden spielt.
Warum Orchestershows immer wieder an ihre Grenzen stoßen
Live-Orchester haben es schwer, die komplexe Tonspur von Undertale zu reproduzieren. Die Mischung aus Synthesizern, verzerrten Gitarren und digitalen Effekten lässt sich nur bedingt mit klassischen Instrumenten nachbilden. Viele Veranstalter wählen deshalb die bekannteren Melodien, um das Publikum nicht zu überfordern. Doch ausgerechnet Undyne lebt von ihrem rasanten Wechsel zwischen aggressiven Beats und fast schon chaotischen Dissonanzen. Symphonieorchester können das mit Pauken und Streichern durchaus umsetzen, aber nur, wenn die Arrangeure sich trauen. Bei dieser Veranstaltung fehlte der Mut, und damit fehlte Undyne komplett.
Was die Fans jetzt fordern
- Eine Wiederholung der Symphonie mit einer erweiterten Setlist, die Undyne einen eigenen Block widmet.
- Veröffentlichung der offiziellen Setlist, um die elf fehlenden Titel zu identifizieren.
- Ein digitales Konzert-Archiv, in dem alle Songs nachverfolgt werden können.
- Eine transparente Kommunikation seitens der Veranstalter, warum bestimmte Stücke gestrichen wurden.
- Ein Undertale-Soundtrack-Album in Live-Orchesterfassung, das in voller Länge erscheint.
Der Appell: Undyne hätte einen Platz im Rampenlicht verdient
Undynes Musik ist nicht nur Begleitung, sie ist Charakter. Sie transportiert Wut, Enthusiasmus und eine tiefe Verletzlichkeit. Die Determination Symphony hat auf diese Dimension verzichtet und damit eine Gelegenheit verpasst, das Spiel in seiner ganzen Bandbreite zu ehren. Die Empörung der Community zeigt, wie wichtig diese Musik für die Identifikation mit den Figuren ist. Bis zur nächsten Tour bleibt nur eine Forderung: Undyne fehlt auf der Bühne, und das muss sich ändern.