Die Rückkehr des Kult-Regisseurs
Uwe Boll beendet seine filmische Abstinenz, die 2016 mit dem Abschluss von Rampage: President Down begann. Der in Deutschland geborene Regisseur investierte nach seinem Rückzug in die Gastronomie, betreibt die „Boll’s“-Bar in Vancouver und produzierte Dokumentationen. Nun kehrt er zu seinem Kerngeschäft zurück: der Adaption von Videospiel-Themen ohne offizielle Lizenzbindung.
Der Auslöser für den Zorn
Der Regisseur Paul W.S. Anderson sicherte sich laut Branchenberichten die Rechte für eine neue Interpretation von House of the Dead. Boll sieht darin eine persönliche Provokation, da er bereits 2003 mit dem Originalfilm eine Marke etablierte, die trotz vernichtender Kritiken über 10 Millionen US-Dollar bei einem Budget von rund 12 Millionen einspielte.
- Boll wirft Anderson mangelndes Verständnis für den „Trash-Faktor“ des Arcade-Klassikers vor.
- Die Rivalität zwischen den beiden Regisseuren schwelt seit Jahren, da beide die Nische der Gaming-Verfilmungen in den 2000ern dominierten.
- Boll möchte laut eigenen Aussagen belegen, dass ein „Low-Budget-Ansatz“ authentischer wirkt als eine hochglanzpolierte Hollywood-Produktion.
Was wir über das Projekt wissen
Das Projekt entsteht unter der Ägide von Boll KG, seiner Produktionsfirma, die bereits für Filme wie BloodRayne und Far Cry verantwortlich zeichnete. Die Finanzierung erfolgt teilweise über private Mittel und Investoren, die auf den Kult-Status der früheren Boll-Werke setzen.
- Der Film verzichtet bewusst auf moderne CGI-Orgien zugunsten praktischer Effekte.
- Die Handlung orientiert sich grob an den Rail-Shooter-Mechaniken des Sega Model 3-Automaten.
- Drehorte sind primär in Kanada angesiedelt, um Kosten gering zu halten.
Ein Blick zurück auf die Ära
Die House of the Dead-Reihe startete 1996 in Spielhallen und definierte das Genre der Lightgun-Shooter. Sega veröffentlichte bis heute fünf Hauptteile, wobei der dritte Teil von 2002 als kommerzieller Höhepunkt gilt. Bolls Erstlingswerk von 2003 integrierte tatsächliche Gameplay-Aufnahmen in die Erzählung, was damals technisches Neuland markierte.
- Die Produktion von 2003 gilt heute als Referenz für absichtliche oder unabsichtliche Komik.
- Alone in the Dark (2005) kostete laut Berichten 20 Millionen Dollar und spielte weltweit lediglich 10 Millionen Dollar ein.
- Postal (2007) erreichte in Fankreisen einen Status als Satire, die den Ton des Spiels besser traf als andere Adaptionen.
Branchenkontext und Vergleich
Der Markt für Videospieladaptionen hat sich seit 2003 gewandelt. Während The Last of Us oder Fallout auf hohe Produktionswerte setzen, besetzt Boll eine nostalgische Lücke. Er konkurriert mit einem Trend, in dem Studios wie Sony Pictures oder Universal ihre IP-Rechte streng kontrollieren.
- Die Produktion von Paul W.S. Anderson profitiert von den Budgets der Constantin Film-Struktur.
- Boll agiert als unabhängiger Filmemacher außerhalb des großen Studio-Systems.
- Vergleichbare Projekte im Low-Budget-Horrorbereich wie Winnie-the-Pooh: Blood and Honey zeigen, dass Nischenprodukte auf dem Heimkinomarkt überleben können.
Die Dreharbeiten beginnen laut Produktionsplan im kommenden Quartal. Boll hat bereits angekündigt, den fertigen Schnitt bei internationalen Genrefestivals einzureichen, anstatt auf einen Kinostart zu setzen.