Physische Karten vor dem Aus
Valve hat den Verkauf seiner physischen Steam-Geschenkkarten eingestellt. Das berichtet Kotaku unter Berufung auf das Unternehmen. Grund sind zunehmende Betrugsfälle, bei denen die Karten missbraucht wurden. Valve selbst spricht von einer „schwierigen Entscheidung“.
Die Karten waren seit 2009 in US-Einzelhandelsgeschäften erhältlich, in Europa seit 2011. Über 50 Länder führten sie im Sortiment. Der jährliche Umsatz über diesen Kanal lag laut Analystenschätzungen zwischen 50 und 80 Millionen US-Dollar, ein Bruchteil der Gesamteinnahmen von Steam, die 2023 auf über 8 Milliarden Dollar geschätzt wurden.
Wie Betrüger die Karten nutzten
Die physischen Karten waren ein beliebtes Ziel für Phishing-Angriffe und Social Engineering. Opfer wurden oft dazu gebracht, die Codes an Betrüger weiterzugeben.
- Betrüger kopierten die PIN-Codes im Laden vor dem Kauf, eine Methode namens "PIN-Skimming". Sobald die Karte an der Kasse aktiviert wurde, zogen sie das Guthaben ab.
- Gefälschte Steam-Support-E-Mails forderten Nutzer auf, die Karte zu fotografieren und das Bild zu senden. Die Federal Trade Commission (FTC) registrierte allein 2023 über 228 Millionen Dollar Verlust durch Geschenkkartenbetrug in den USA. Steam-Karten belegten dabei Platz 3 der am häufigsten missbrauchten Guthabenkarten.
Valves digitaler Wandel
Valve wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet. Erster Erfolg war Half-Life (1998), ein Spiel, das auf CD-ROM ausgeliefert wurde. 2003 startete Steam als reine Update-Plattform für Counter-Strike. Der Durchbruch kam 2005 mit Day of Defeat: Source, dem ersten Titel, der exklusiv digital veröffentlicht wurde.
Seitdem hat Valve physische Vertriebswege konsequent abgebaut. 2017 stellte das Unternehmen den Verkauf von PC-Spielen in eigenen Geschäften ein. 2022 folgte die Einstellung des Steam-Controllers und der Steam Link Hardware. Die Abschaffung der Geschenkkarten ist der logische nächste Schritt in einer über 20-jährigen Strategie zur vollständigen Digitalisierung.
Was das für Spieler bedeutet
Wer bereits eine physische Karte besitzt, kann sie weiterhin einlösen. Digitale Geschenkkarten bleiben im Steam-Shop verfügbar, ohne Einschränkung. Die Maßnahme betrifft ausschließlich den Neukauf von Plastikkarten im Handel.
Händler wie MediaMarkt und Saturn haben die Karten bereits aus den Regalen genommen. Wer noch eine ungenutzte Karte zu Hause hat, sollte sie zeitnah aktivieren. Das Guthaben verfällt nicht, aber die physische Karte selbst könnte bei Diebstahl oder Beschädigung nicht mehr ersetzt werden. Valve bietet keinen Umtausch für verlorene Plastikkarten an.
Ein Zeichen gegen Plattformbetrug
Der Schritt ist Teil von Valves anhaltendem Kampf gegen Betrugsnetzwerke. 2021 strich das Unternehmen Kryptowährungszahlungen wegen hoher Chargeback-Raten. 2022 folgte ein Verbot von CS:GO Skin-Gambling-Seiten über die Steam-API.
Valve setzt jetzt auf digitale Geschenkkarten, die per E-Mail zugestellt werden. Diese lassen sich mit Käuferschutz und Rückabwicklungsmechanismen absichern. Ein Restrisiko bleibt: Betrüger können weiterhin Opfer zum Kauf digitaler Codes drängen. Die Abschaffung der physischen Karte beseitigt jedoch die Angriffsfläche des PIN-Skimming und des Diebstahls im Laden.
Zahlen und Vergleiche
Die Konkurrenz geht andere Wege: Sony verkauft weiterhin physische PlayStation-Karten, hat aber 2022 Sicherheitsetiketten mit manipulationssicheren Hologrammen eingeführt. Microsoft vertreibt Xbox-Geschenkkarten mit einem neuem Rubbelfeld-System. Beide Unternehmen meldeten 2023 einen Rückgang der Betrugsfälle um etwa 15 Prozent.
Valve hingegen eliminiert den Kanal komplett. Die Kosten für Druck, Logistik und Handelspartnerschaften entfallen. Steam hat nach eigenen Angaben über 120 Millionen aktive Nutzer pro Monat (Stand 2023). Nur ein winziger Bruchteil kaufte physische Karten, doch jeder einzelne Betrugsfall kostete das Unternehmen Reputation und Support-Aufwand.