Muramasa bricht das Eis
Diese Woche gab es eine freudige Nachricht für PC-Spieler: Muramasa: The Demon Blade, einer der frühen Klassiker von Vanillaware, wurde offiziell für den PC angekündigt. Bislang war das Action-Rollenspiel exklusiv auf Wii und PlayStation Vita erhältlich. Der Port erscheint voraussichtlich 2025 über Steam und wird von Marvelous Europe betreut, die zuvor schon die Vita-Version lokalisierten.
Das Spiel selbst verkaufte sich auf Wii weltweit rund 150.000 Einheiten, für ein Nischen-JRPG mit handgezeichneten Sprites ein respektabler Wert. Die Vita-Neuauflage Muramasa Rebirth brachte 2013 zusätzliche Inhalte und einen verbesserten Schwierigkeitsgrad. Vanillaware-Chef George Kamitani hatte damals in Interviews betont, dass eine PC-Version technisch möglich sei, aber die Rechte bei den Publishern lägen. Nun scheint sich das Blatt zu wenden.
Was das Studio wirklich will
Laut einem aktuellen Bericht von Rock Paper Shotgun äußerten sich Verantwortliche von Vanillaware vorsichtig, aber deutlich: Sie würden gerne mehr ihrer Spiele auf dem PC sehen. Die Entscheidung liege jedoch nicht bei ihnen, sondern bei den jeweiligen Publishern.
- Odin Sphere (ursprünglich PS2, später PS4/PS Vita)
- Dragon’s Crown (PS3, PS4, PS Vita)
- 13 Sentinels: Aegis Rim (PS4, Nintendo Switch)
Alle drei Titel fehlen bislang auf dem PC. Vanillaware hat die Rechte an den Veröffentlichungen offenbar nicht selbst in der Hand. Die Remaster-Version Odin Sphere Leifthrasir (2016) verkaufte sich in Japan über 200.000 Einheiten, 13 Sentinels knackte bis 2022 die 600.000er-Marke weltweit. Dragon’s Crown erreichte sogar über eine Million verkaufte Exemplare, ein PC-Port wäre hier wirtschaftlich attraktiv.
Was Fans jetzt tun können
Die Botschaft des Studios ist klar: Wer PC-Ports haben möchte, sollte sich an die Publisher wenden. Für Odin Sphere und Dragon’s Crown ist das Atlus, für 13 Sentinels ist es ebenfalls Atlus (in Japan) bzw. Sega (international).
- Atlus hat in der Vergangenheit bereits PC-Versionen von Spielen wie Persona 4 Golden (2020) veröffentlicht, der Port verkaufte sich über eine Million Mal und ebnete den Weg für Persona 5 Royal (2022) auf Steam.
- Der Erfolg von Muramasa auf dem PC könnte als Testballon dienen. Sega wiederum hat mit Yakuza 0 und Like a Dragon gezeigt, dass japanische Konsolenexklusivtitel auf dem PC profitable Nischen besetzen.
Fans haben bereits in Foren und auf Reddit Petitionen gestartet, die an Atlus und Sega adressiert sind. Ein offizielles Statement der Publisher steht noch aus.
Ein kleiner Lichtblick
Die Ankündigung von Muramasa: The Demon Blade ist ein erster Schritt. Sollte der Port gut laufen, könnten Atlus und Sega durchaus weitere Vanillaware-Klassiker auf den PC bringen. Die Nachfrage ist da, jetzt müssen die Publisher liefern.
Studio-Historie: Von der Nische zum Kult-Status
Vanillaware wurde 2002 von George Kamitani und ehemaligen Mitarbeitern von Atlus gegründet. Das Studio ist bekannt für seine aufwendige 2D-Handanimation, die an japanische Ukiyo-e-Holzschnitte erinnert. Der erste Titel Odin Sphere (2007) setzte neue Maßstäbe für Side-Scrolling-Action-RPGs und gewann mehrere Japan Game Awards. Kamitani selbst war zuvor Director bei Princess Crown (1997) für den Sega Saturn, ein Spiel, das die visuelle DNA des Studios prägte.
Das Team besteht aus rund 30 Angestellten, die oft mehrere Jahre an einem Projekt arbeiten. 13 Sentinels: Aegis Rim benötigte beispielsweise fünf Jahre Entwicklungszeit und kombinierte Echtzeitstrategie mit Visual-Novel-Elementen. Kritiker lobten das ambitionierte Drehbuch mit 13 parallelen Handlungssträngen.
Branchenkontext: Japanische Spiele entdecken den PC
PC-Ports japanischer Konsolentitel sind kein neues Phänomen mehr. Capcom veröffentlichte Monster Hunter World 2018 zeitgleich auf PC, es wurde das meistverkaufte Spiel des Publishers. Square Enix brachte die Final Fantasy Pixel Remaster auf Steam. Selbst Nintendo lockerte seine Exklusivpolitik für Octopath Traveler.
Atlus galt lange als Nachzügler. Erst nach dem Erfolg von Persona 4 Golden auf Steam (über 500.000 Einheiten in den ersten Wochen) änderte sich die Strategie. Derzeit laufen Gerüchte über eine PC-Version von Persona 3 Reload, ein Zeichen, dass Atlus den Markt ernst nimmt. Vanillaware könnte von dieser Entwicklung profitieren, sofern die Publisher den Windows-Vertrieb als lohnend erachten.
Ein Hindernis bleibt die Portierungsqualität: Muramasa basiert auf der Vita-Engine und benötigt Anpassungen für höhere Auflösungen und Bildraten. Der technische Aufwand ist überschaubar, aber nicht null. Sollte der Port technisch solide sein, steigen die Chancen für die restlichen Titel.