Kahlschlag bei VR-Pionier
Vertigo Games, einer der größten VR-Entwickler der Branche, hat ein Studio geschlossen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit den Worten: „Der VR-Markt bleibt eine Herausforderung.“ Der Schritt kommt nicht aus heiterem Himmel.
Das geschlossene Studio mit Sitz in Rotterdam war für die Entwicklung von VR-Exklusivtiteln wie Thief Simulator VR (2018) und The 7th Guest VR (2023) zuständig. Vertigo Games wurde 2008 gegründet und veröffentlichte mehr als 20 VR-Spiele. Der bekannteste Erfolg war The Walking Dead: Saints & Sinners (2020), das laut Publisher über eine Million Mal verkauft wurde.
Die Schließung folgt auf eine Serie von Entlassungen in der VR-Branche. 2023 strich Meta mehrere hundert Stellen in seinen Reality-Labs. Ubisoft stellte die Entwicklung eines großen VR-Titels ein. nDreams, ein weiterer VR-Spezialist, entließ 2024 rund 15 Prozent der Belegschaft.
Vom VR-Spezialisten zum Multiplattform-Publisher
- Jahrelang veröffentlichte Vertigo Games ausschließlich VR-Titel. Der bekannteste: Thief Simulator VR.
- Doch der Wind hat sich gedreht. Der letzte Release des Studios war ein Non-VR-Spiel.
- Auch das nächste angekündigte Projekt erscheint ohne VR-Unterstützung.
Das Unternehmen hatte zuvor mit Arizona Sunshine (2016) einen der ersten vollwertigen VR-Shooter geliefert. After the Fall (2021) folgte als Koop-Titel mit gemischten Kritiken. Beide Spiele erzielten solide Verkaufszahlen, aber die Margen im VR-Segment blieben laut Analysten gering. IDC schätzt, dass 2023 weltweit nur 8,5 Millionen VR-Headsets ausgeliefert wurden, ein Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Der Markt für traditionelle PC- und Konsolenspiele wuchs im selben Zeitraum um 4 Prozent.
Vertigo Games verlagert sich nun auf Plattformen ohne VR-Zwang. Der Fokus liegt auf PC und aktuellen Konsolen. Ein konkretes Projekt wurde noch nicht benannt, aber interne Dokumente deuten auf ein Third-Person-Actionspiel in einer dystopischen Stadt hin.
Was bedeutet das für die Zukunft?
- Die Schließung zeigt: Selbst erfahrene VR-Entwickler kämpfen mit der aktuellen Marktsituation.
- Vertigo Games konzentriert sich offenbar auf traditionelle Plattformen wie PC und Konsolen.
- Ob das Studio weitere VR-Projekte plant, ist nicht bekannt. Derzeit liegt der Fokus klar auf Spielen ohne Brille.
Die Branche beobachtet gespannt, ob dieser Trend andere VR-Entwickler zum Umdenken bewegt. Eines ist sicher: Der einstige VR-Vorreiter schlägt einen neuen Weg ein.
Drei weitere VR-Studios haben in den letzten 12 Monaten ihre Strategie geändert. Sanzaru Games (Entwickler von Asgard’s Wrath 2) stellte auf Non-VR-Spiele um. Fast Travel Games ( City Builder VR) kündigte einen Hybrid-Titel an, der sowohl mit als auch ohne Headset spielbar ist. Der Druck auf reine VR-Entwickler wächst, bei gleichzeitig steigenden Entwicklungskosten und stagnierenden Headset-Verkäufen. Meta Quest 3 verkaufte sich im ersten Jahr rund 4 Millionen Mal, deutlich unter den Erwartungen von 8 Millionen.