Die beliebte Desktop-Pause wird zur Gefahr
Seit fast einem Jahrzehnt ist Wallpaper Engine auf Steam das Maß aller Dinge für animierte Hintergründe. Jetzt reißt der Entwickler eine Kernfunktion heraus: Die „Application“-Funktion wird permanent gelöscht.
Der Grund: Kriminelle hatten die Funktion genutzt, um ausführbare Dateien (.exe) über den Steam Workshop zu verteilen. Die Malware lief unbemerkt im Hintergrund, während die Nutzer ihr neues Wallpaper bewunderten.
Was genau passiert ist
Ein Bericht auf Securlist deckte bereits im Juni auf, dass die Schadsoftware seit Ende 2025 im Umlauf war. Die Infektion soll folgende Schäden verursacht haben:
- Steam-Accounts wurden gekapert
- Festplatten wurden unbrauchbar gemacht
- Heimliche Krypto-Miner zehrten an der Rechenleistung
- Ransomware verschlüsselte persönliche Dateien
In einem Statement auf Steam erklären die Entwickler: „Ausführbare Dateien lassen sich mit automatisierten Systemen nicht zuverlässig sichern. Es wird immer blinde Flecken geben.“ Die Funktion sei ein Risiko, das man nicht länger eingehen wolle.
Der Entwickler: Vom Ein-Mann-Projekt zum Marktführer
Wallpaper Engine wird von Kristjan Skutta entwickelt, einem deutschen Programmierer, der das Projekt 2016 als Ein-Mann-Unternehmen startete. Heute arbeitet er mit zwei weiteren Entwicklern zusammen.
Vor Wallpaper Engine veröffentlichte Skutta „Dynamic Desktop“ (2013), ein Tool für animierte Hintergründe, das kaum Beachtung fand. Der Durchbruch gelang mit der Steam-Veröffentlichung im Oktober 2016.
Innerhalb von zwei Jahren verkaufte sich Wallpaper Engine über 2 Millionen Mal. Bis 2024 waren es nach eigenen Angaben mehr als 8 Millionen Lizenzen bei über 500.000 Steam-Bewertungen mit 95 % positiven Stimmen. Damit ist es das meistverkaufte Desktop-Personalisierungsprogramm auf der Plattform.
Das Workshop-Ökosystem: Zahlen und Fakten
Der Steam Workshop des Programms umfasst rund 1,5 Millionen hochgeladene Hintergrundbilder. Die Application-Kategorie macht davon weniger als 0,5 % aus, etwa 7.500 Dateien.
Die restlichen Wallpaper nutzen Video-, Web- oder Bildformate, die keine Ausführungsrechte benötigen. Die Application-Funktion erlaubte HTML, JavaScript sowie .exe-Dateien, eine Funktion, die vor allem für interaktive Desktops und Minigames genutzt wurde.
Seit Einführung der Funktion im Jahr 2017 gab es immer wieder Sicherheitswarnungen. 2019 entdeckte ein Nutzer einen Keylogger, der in einem Application-Wallpaper versteckt war. Der Entwickler entfernte ihn nach einer Meldung innerhalb von zwei Tagen und warnte damals bereits vor der Risikobereitschaft.
Wiederkehrende Malware-Probleme auf Steam
Der Vorfall bei Wallpaper Engine ist kein Einzelfall auf der Plattform. 2023 wurden in Counter-Strike: Global Offensive-Workshop-Maps Schadsoftware gefunden, die Passwörter aus Browser-Daten extrahierte.
Auch in Cities: Skylines tauchten 2024 Krypto-Miner auf, die in benutzerdefinierten Gebäudemodellen versteckt waren. Valve reagierte mit automatisierten Scans, aber die Zahl der gemeldeten Vorfälle stieg weiter.
Das FBI ermittelt seit Juni 2025 gegen mehrere Workshop-Anbieter, darunter auch Spiele wie „Beyond the Dark“, ein Titel, der nach ähnlichen Malware-Vorfällen von Steam entfernt wurde. Die Behörde spricht von über 50.000 betroffenen Accounts, viele davon durch infizierte Hintergrundbilder und Mods.
Nur ein kleiner Teil der Sammlung betroffen
Die gute Nachricht: Laut den Entwicklern sind nur 0,5 % aller Wallpaper in der Application-Kategorie betroffen. Die tatsächliche Nutzerzahl liege noch deutlich darunter. Dennoch ist die Löschung endgültig.
Nutzer, die solche Hintergründe verwenden, müssen sie bis zum Montag, 6. Juli 2026, lokal sichern. Danach ist der Zugriff über Steam nicht mehr möglich.
Kein Einzelfall, selbst das FBI ermittelt
Beyond the Dark musste letzten Frühling bereits wegen ähnlicher Malware-Vorfälle von Steam verschwinden. Die Problematik ist so ernst, dass die FBI eine offizielle Untersuchung eingeleitet hat. Mehrere infizierte Spiele auf der Plattform stehen unter Beobachtung.
Die Entfernung der Application-Funktion bei Wallpaper Engine ist damit kein überstürzter Schritt, sondern eine logische Konsequenz. Wer seine Sammlung retten will, hat noch fünf Tage Zeit.